; aber wohin ? Ich habe ihr oft mit Nebenbuhlerinnen gedroht , ehrlich und redlich . Bisher hab ' ich am Herrn nichts bemerkt ; eine Schöne paßt ihm längst auf , bemüht sich um ihn . Wer weiß , wie er bisher gekämpft hat . Nun bricht ' s los , diesmal treibt ihn die Verzweiflung , seinen guten Willen nicht besser anerkannt zu sehen , bei Nacht aus dem Hause , da geb ' ich alles verloren . Ich sagt ' es ihr mehr als einmal , sie solle es nicht zu weit treiben . « Suchen wir den Freund nun wieder auf und hören ihn selber . » In dem angesehensten Gasthofe sah ich unten Licht , klopfte am Fenster und fragte den herausschauenden Kellner mit bekannter Stimme : ob nicht Fremde angekommen oder angemeldet seien ? Schon hatte er das Tor geöffnet , verneinte beides und bat mich hereinzutreten . Ich fand es meiner Lage gemäß , das Märchen fortzusetzen , ersuchte ihn um ein Zimmer , das er mir gleich im zweiten Stock einräumte ; der erste sollte , wie er meinte , für die erwarteten Fremden bleiben . Er eilte , einiges zu veranstalten , ich ließ es geschehen und verbürgte mich für die Zeche . So weit war ' s vorüber ; ich aber fiel wieder in meine Schmerzen zurück , vergegenwärtigte mir alles und jedes , erhöhte und milderte , schalt mich und suchte mich zu fassen , zu besänftigen : ließe sich doch morgen früh alles wieder einleiten ; ich dachte mir schon den Tag abermals im gewohnten Gange ; dann aber kämpfte sich aufs neue der Verdruß unbändig hervor : ich hatte nie geglaubt , daß ich so unglücklich sein könne . « An dem edlen Manne , den wir hier so unerwartet über einen gering scheinenden Vorfall in leidenschaftlicher Bewegung sehen , haben unsere Leser gewiß schon in dem Grade teilgenommen , daß sie nähere Nachricht von seinen Verhältnissen zu erfahren wünschen . Wir benutzen die Pause , die hier in das nächtliche Abenteuer eintritt , indem er stumm und heftig in dem Zimmer auf und ab zu gehen fortfährt . Wir lernen Odoard als den Sprößling eines alten Hauses kennen , auf welchen durch eine Folge von Generationen die edelsten Vorzüge vererbt worden . In der Militärschule gebildet , ward ihm ein gewandter Anstand zu eigen , der , mit den löblichsten Fähigkeiten des Geistes verbunden , seinem Betragen eine ganz besondere Anmut verlieh . Ein kurzer Hofdienst lehrte ihn die äußern Verhältnisse hoher Persönlichkeiten gar wohl einsehen , und als er nun hierauf , durch früh erworbene Gunst einer gesandtschaftlichen Sendung angeschlossen , die Welt zu sehen und fremde Höfe zu kennen Gelegenheit hatte , so tat sich die Klarheit seiner Auffassung und glückliches Gedächtnis des Vorgegangenen bis aufs genaueste , besonders aber ein guter Wille in Unternehmungen aller Art aufs baldigste hervor . Die Leichtigkeit des Ausdrucks in manchen Sprachen , bei einer freien und nicht aufdringlichen Persönlichkeit , führten ihn von einer Stufe zur andern ; er hatte Glück bei allen diplomatischen Sendungen , weil er das Wohlwollen der Menschen gewann und sich dadurch in den Vorteil setzte , Mißhelligkeiten zu schlichten , besonders auch die beiderseitigen Interessen bei gerechter Erwägung vorliegender Gründe zu befriedigen wußte . Einen so vorzüglichen Mann sich anzueignen , war der erste Minister bedacht ; er verheiratete ihm seine Tochter , ein Frauenzimmer von der heitersten Schönheit und gewandt in allen höheren geselligen Tugenden . Allein wie dem Laufe aller menschlichen Glückseligkeit sich je einmal ein Damm entgegenstellt , der ihn irgendwo zurückdrängt , so war es auch hier der Fall . An dem fürstlichen Hofe wurde Prinzessin Sophronie als Mündel erzogen , sie , der letzte Zweig ihres Astes , deren Vermögen und Anforderungen , wenn auch Land und Leute an den Oheim zurückfielen , noch immer bedeutend genug blieben , weshalb man sie denn , um weitläufige Erörterungen zu vermeiden , an den Erbprinzen , der freilich viel jünger war , zu verheiraten wünschte . Odoard kam in Verdacht einer Neigung zu ihr , man fand , er habe sie in einem Gedichte unter dem Namen Aurora allzu leidenschaftlich gefeiert ; hiezu gesellte sich eine Unvorsichtigkeit von ihrer Seite , indem sie mit eigner Charakterstärke gewissen Neckereien ihrer Gespielinnen trotzig entgegnete : sie müßte keine Augen haben , wenn sie für solche Vorzüge blind sein sollte . Durch seine Heirat wurde nun wohl ein solcher Verdacht beschwichtigt , aber durch heimliche Gegner dennoch im stillen fortgenährt und gelegentlich wieder aufgeregt . Die Staats- und Erbschaftsverhältnisse , ob man sie gleich so wenig als möglich zu berühren suchte , kamen doch manchmal zur Sprache . Der Fürst nicht sowohl als kluge Räte hielten es durchaus für nützlich , die Angelegenheit fernerhin ruhen zu lassen , während die stillen Anhänger der Prinzessin sie abgetan und dadurch die edle Dame in größerer Freiheit zu sehen wünschten , besonders da der benachbarte alte König , Sophronien verwandt und günstig , noch am Leben sei und sich zu väterlicher Einwirkung gelegentlich bereit erwiesen habe . Odoard kam in Verdacht , bei einer bloß zeremoniellen Sendung dorthin das Geschäft , das man verspäten wollte , wieder in Anregung gebracht zu haben . Die Widersacher bedienten sich dieses Vorfalls , und der Schwiegervater , den er von seiner Unschuld überzeugt hatte , mußte seinen ganzen Einfluß anwenden , um ihm eine Art von Statthalterschaft in einer entfernten Provinz zu erwirken . Er fand sich glücklich daselbst , alle seine Kräfte konnte er in Tätigkeit setzen , es war Notwendiges , Nützliches , Gutes , Schönes , Großes zu tun , er konnte Dauerndes leisten , ohne sich aufzuopfern , anstatt daß man in jenen Verhältnissen , gegen seine Überzeugung sich mit Vorübergehendem beschäftigend , gelegentlich selbst zugrunde geht . Nicht so empfand es seine Gattin , welche nur in größern Zirkeln ihre Existenz fand und ihm nur später notgedrungen folgte . Er betrug sich so