mit der höheren Kultur gemeint , und suchte , soviel möglich , darüber ganz ins klare zu kommen . Das hielt aber sehr schwer , oder vielmehr , meine Bemühungen blieben ganz vergebens . - Später habe ich eingesehen , daß an gewissen Dingen alle Probleme , alle Theorien , die sich in dem Geiste bilden mögen , scheitern , und daß nur durch die lebendige Praxis die Erkenntnis zu erringen ; die höhere Kultur , die beide , der Baron Alzibiades von Wipp und der Pudel Ponto , in der feinen Welt erlangt , gehört aber zu diesen gewissen Dingen . - Der Baron Alzibiades von Wipp lorgnettierte mich im Vorübergehen sehr scharf . Es schien mir , als läs ' ich Neugierde und Zorn in seinem Blick . Sollte er vielleicht Pontos Unterhaltung mit mir gewahrt und ungnädig vermerkt haben ? Mir wurde etwas ängstlich zumute , ich eilte schnell die Treppe hinauf . - Ich sollte nun , um alle Pflichten eines tüchtigen Selbstbiographen zu erfüllen , wiederum meinen Seelenzustand beschreiben und könnte das nicht besser tun als mittelst einiger sublimer Verse , die ich seit einiger Zeit so recht , wie man zu sagen pflegt , aus dem Pelzärmel schüttle . Ich will - ( Mak . Bl . ) » - - mit diesem einfältigen armseligen Spielwerk den besten Teil meines Lebens vergeudet . - Und nun jammerst du , alter Tor , und klagst das Geschick an , dem du vermessen Trotz botest ! - Was gingen dich die vornehmen Leute , was ging dich die ganze Welt an , die du verhöhntest , weil du sie für närrisch hieltest und selbst am närrischsten warst ! - Beim Handwerk , beim Handwerk mußtest du bleiben , Orgeln bauen und nicht den Hexenmeister spielen und den Wahrsager . - Sie hätten sie mir nicht gestohlen , mein Weib wäre bei mir , ein tüchtiger Arbeiter säß ' ich in der Werkstatt , und rüstige Gesellen klopften und hämmerten um mich her , und wir förderten Werke , die sich hören und sehen ließen wie keine andere weit und breit . - Und Chiara ! - vielleicht hingen muntre Knaben mir am Halse , vielleicht schaukelte ich ein schmuckes Töchterlein auf den Knien . - Tausend Teufel , was hält mich ab , daß ich nicht den Augenblick davonrenne und das verlorne Weib suche in der ganzen weiten Welt ! « - Damit warf Meister Abraham , der dies Selbstgespräch gehalten , das kleine begonnene Automat sowie alles Handwerkszeug unter den Tisch , sprang auf und schritt heftig hin und her . - Der Gedanke an Chiara , der ihn jetzt beinahe niemals verließ , rief alle schmerzliche Wehmut in seinem Innern hervor , und wie mit Chiara damals sein höheres Leben begonnen , verließ ihn auch jetzt jener trotzige , dem Gemeinen entsprossene Unwille darüber , daß er über sein Handwerk hinweggeschaut und wirkliche Kunst zu üben sich unterfangen . - Er schlug Severinos Buch auf und schaute lange die holde Chiara an . - Wie ein Mondsüchtiger , der , der äußeren Sinne beraubt , nur nach dem innern Gedanken automatisch handelt , ging Meister Abraham dann zu einem Kasten , der in einem Winkel des Zimmers stand , räumte Bücher und Sachen , womit er bepackt , herunter , öffnete ihn , nahm die Glaskugel , den ganzen Apparat zum geheimnisvollen Experiment mit dem unsichtbaren Mädchen hervor , befestigte die Kugel an einer dünnen seidnen Schnur , die von der Decke herabhing , stellte im Zimmer alles so her , wie es zu dem versteckten Orakel nötig . Erst als er mit allem fertig geworden , erwachte er aus der träumerischen Betäubung und erstaunte nicht wenig darüber , was er begonnen . » Ach , « jammerte er dann laut , indem er ganz ermattet , ganz trostlos in den Lehnstuhl sank , » ach , Chiara , arme , verlorne Chiara , niemals werd ' ich wieder deine süße Stimme verkünden hören , was in des Menschen tiefster Brust verschlossen . Kein Trost mehr auf Erden , - keine Hoffnung als das Grab ! « - Da schwankte die Glaskugel hin und her , und ein melodischer Ton ließ sich vernehmen , wie wenn Windeshauch leise hinstreift über die Saiten der Harfe . Aber bald wurde der Ton zu Worten : » Noch ist Leben nicht dahin , Trost und Hoffnung nicht verschwunden , Was vermag der frömmste Sinn , Hält ihn schwerer Eid gebunden ? Meister ! Mut ! - du wirst gesunden , Blick ' auf zu der Dulderin , Die da heilt die tiefsten Wunden , Bittrer Schmerz bringt dir Gewinn . « » O du barmherziger Himmel , « lispelte der Alte mit bebenden Lippen , » sie ist es selbst , die zu mir spricht von dem hohen Himmel herab ; sie wandelt nicht mehr unter den Lebendigen ! « - Da ließ sich jener melodische Ton abermals vernehmen , und noch leiser , noch entfernter erklangen die Worte : » Nicht erfaßt der bleiche Tod , Die im Herzen Liebe tragen ; Dem glänzt noch das Abendrot , Der am Morgen wollt ' verzagen . Bald kann dir die Stunde schlagen , Die entreißt dich aller Not ; Zu vollbringen magst du wagen , Was die ew ' ge Macht gebot . « Stärker anschwellend und wieder verhallend , lockten die süßen Töne den Schlaf herbei , der den Alten einhüllte in seinen schwarzen Fittich . Aber in dem Dunkel ging strahlend wie ein schöner Stern der Traum vergangenen Glücks auf , und Chiara lag wieder an des Meisters Brust , und beide waren wieder jung und selig , und kein finstrer Geist vermochte den Himmel ihrer Liebe zu trüben . - - Hier hat , wie der Herausgeber es dem geneigten Leser bemerklich machen muß , der Kater wieder ein paar Makulaturblätter ganz weggerissen , wodurch in dieser Geschichte voller Lücken wiederum eine Lücke entstanden