, sondern einzeln schleuderte er uns aus dem Zimmer und befahl seinen Knechten , wohin er jeden von uns auf seinem Rosse führen sollte . Ich war von Kälte halb erstarrt , als ich in dem Waldkloster zu Hirschingen abgesetzt wurde , und wußte meiner Seele keinen Rat ; ich sann vergebens die lange Zeit , was ich verbrochen hatte , und wußte mir endlich nichts anderes zu denken , als daß ich unter meinen Vögeln irgend einen verzauberten Ritter gefangen , wie so damals die kindischen Märchen umgingen , der sich an mir hätte rächen müssen . Ein alter Abt nahm mich gutmütig auf und brachte mich zu einem Haufen anderer Knaben , die ihn sehr demütig begrüßten , aber entsetzlich über ihn schimpften , als er den Saal verlassen hatte ; auch hörte ich bald von ihnen so boshafte Reden , so schlimme Streiche , wie Heldentaten erzählen , daß ich meiner Unschuld mir bewußt wurde . Nach einigen Tagen , wo mein Vater mit dem Abte mochte gesprochen haben , wurde ich zu ihm gerufen ; er fragte mich so sonderbar aus , ich wußte nicht , was er wollte , ich mußte ihm so viel von meiner Schwester erzählen , daß ich ihm endlich den Argwohn nicht verbergen konnte , sie möchte mich verleumdet haben , wie sie uns zuweilen in sonderbarer Laune allerlei vorerzählte , von Zwergen und Zuckerhäuschen , die wir nachher umsonst im Walde aufgesucht hatten . Der Abt bestätigte meine Vermutung , wahrscheinlich aus guter Absicht , um die vom Vater ihm vorerzählte strafbare Neigung zwischen uns gänzlich zu unterdrücken , aber er wußte nicht , daß er den schönsten Funken offener , hingebender Freude und Freundlichkeit für alle Zeit in mir auslöschte ; wem sollte ich trauen , da meine liebreiche Gloria mich verlästert . Weh mein Kopf : Denke ich der Freudenfülle Meiner ersten Jugendzeit , Schäm ich mich der leeren Stille , Und mich faßt ein tiefer Neid , Und wen kann ich mehr beneiden , Als mich selbst in Jugendfreuden . « Der alte Rappolt hielt sich hier den Kopf , dann fuhr er fort : » Von meinen Klosterjahren weiß ich dir wenig zu sagen ; « der Ernst , womit alles Feierliche getrieben wurde , die Strenge aller Gesetze bezwangen mich mit den Jahren ; außer dem Kloster schien mir bald nichts Herrliches mehr zu wohnen , um uns her lag die große Einsamkeit , wir hörten nichts , als das wilde Geschrei der Bären , Wölfe und Lüchse daher , und in seltenen Tagen kamen Wallfahrten von armen Köhlern und Waldbauern , deren rohe Unwissenheit mich erschreckte ; die Anstrengung des Kirchendienstes , das Wachen und Lernen war die kräftigste Buße ; alle meine liebe wendete sich zu den gnadenreichen Bildern der Mutter des Herrn , die mir wie ewige Lichter in der Kirche brannten , zu denen ein heiliger Zauber alles schöne Licht aus der unendlichen Luft hinriß . Nachdem ich meine Gelübde als ein Nachfolger des heiligen Franziskus abgelegt hatte , ward ich nach andern Klöstern auf die Wanderschaft gesendet ; o der Greuel , die ich anschauen mußte , welche Buhlerei mit der Welt , die sie aufgegeben hatten , welche Üppigkeit mit den Gaben der Armut ! Oft saß ich im Beichtstuhl und konnte vor dem Schreien der Chorherren , die in der Kirche saßen und spielten , die Beichte der armen Sünder nicht vernehmen ; ich sah die Mönche in die Häuser zu den Frauen schleichen , wenn die Männer zur Arbeit ins Feld gegangen , da tobte ich und ward von vielen übermannt , geschlagen , in Kerker geworfen und ohne Zehrung weiter geschickt . In solcher Armut kam ich eines Abends von Kostnitz die Hügel herunter , und Gottes Herrlichkeit spiegelte mir aus dem See in die Seele ; die Berge hatten sich in Feuer gekleidet , und es schien alles wie zum Tage des Gerichts , wo die Toten erwachen und die Lebenden ihnen gleich sind und mit ihnen sich mischen ; da schien ich so frei von aller Welt , daß ich bald einzukehren vergessen und mit Verwunderung auf meinem Kopf fühlte , daß meine Locken mir vom Scheitel abgeschoren . Einige Ritter trabten mit Frauen auf mutigen Rossen vorüber , sie sahen mich nicht und sprachen mit einander von süßem Liebesspiel , von der Nacht und von der Jagd ; mir ward so weh ums Herz , gern wäre ich als ihr geringster Diener mitgezogen ; aber schnell waren sie mir aus den Augen , und ich stand vor einer Klosterpforte , wo ich ohne Nachdenken anklingelte . Mir wurde aufgetan , da es aber zu spät war , um mit den andern Mönchen im Refektorio zu speisen , so wurden mir einige Nahrungsmittel in meine Klause gereicht ; ich sprach wenig , und der Mönch , der mir die Gastfreundschaft tat , schien auch nicht zum Reden geneigt ; beim Abschiede sagte er mir , ich möchte mich durch keinen Lärm im Schlaf stören lassen , ich sei zu weit gegangen , um die Messe mitzusingen . Aber der Schlaf versteckte sich meinen offenen Augen , die in die Nacht , wie in ein Grab starrten ; das erhitzte Blut glänzte in Feuergestalten vor mir , und ich mußte immer meines Bruders Wolf und meiner Schwester Gloria denken , von denen ich so lange nichts gehört hatte ; sie sahen mich unendlich traurig an und zerflossen dann in Lichtwolken . Dieser Bilder überdrüssig , wollte ich erst auch den Fackelschein , der bei meinem Fenster , das nach dem Klosterhof sah , vorüberzog , für eine Täuschung kranker Sinne halten , bis ein leises Beten mich überzeugte , daß dort ein Fest gefeiert werde . Das Fenster war der Sommerluft geöffnet , ich trat heran und sah eine Reihe von Mönchen mit Fackeln in den Händen aus der geöffneten Knochenkammer hervorgehen , die leise betend sich im Kreise stellten . Die letzten , die