sich ansahen , denn Wagen stand an Wagen , waren sie einander wieder ganz fremd ; es war aber in der Stimme etwas , das die tiefste Vergangenheit , die fröhlichste Jugend in ihnen erweckte . Der alte Graf stieg aus dem Wagen , der andre Reisende gleichfalls ; » heiliger Gott « , schrie der andre auf , » welch ein Unglück , kein Wort weiß ich davon , das schöne Schloß des Grafen ist abgebrannt , gut daß er das nicht erlebt hat ! « - Der Graf erkannte an diesem kurz ausgesprochenen » gut « seinen alten Freund und späteren Feind , den Fürsten ; so mitleidig hatte er ihn nie gedacht , nie so alt ; er war in seinen Gedanken noch immer der rasche Jäger , der über Felsengeklüfte den Kühnsten voraushetzte . - » Ach mein gnädiger Fürst , die Jahre haben mich unkenntlich gemacht , die Sonne meine Haut und das Feuer meine Fehler verbrannt ; es ist alles anders geworden , alles durchs Feuer gegangen , mein gnädiger Fürst , mir ist alles verloren und vergessen , nur die frühe Vertraulichkeit , in der wir der Welt Lust und Freuden durchstrichen , fleht zu Ihnen um Nachsicht , um ein mildes Verzeihen späterer Irrungen ; erlauben Sie , daß ich Ihre Hand küsse . « - Der Fürst sah ihn mit großen Augen an , wie ein altes teures Bildnis , welches nach einander viele ungeschickte Hände so wie die Zeit entstellend übergemalt ; er konnte kein Wort sagen und ließ sich unbewußt die Hand küssen ; nachher umarmte er ihn , dann weinte er und die Zunge war ihm gelöset und strömte über in alter Vertraulichkeit : » Sieh , ich wollte allen schmerzlichen Erinnerungen eines festlichen Einzuges entgehen , wollte einsam nach dem Schlosse zurückkehren , denn wie stimmte der Jubel meines guten Völkchens zu meiner Trauer , Frau und Kinder von mir entzweit zu wissen ; sieh nur und da kommst du so lebhaft und rufst mir dies und tausend andres mit lebendiger Stimme wieder auf ; meine Frau war dir sehr gut , sie spricht noch oft von dir ; einmal war ich sogar eifersüchtig auf dich . « - Und so wechselten beide mit Anklängen alter Zeiten , neuer Schmerzen ; die Wagen waren längst auseinander gehoben , aber ihre Hände ließen nicht von einander ; endlich zwang sich der Graf zum Abschiednehmen . » Torheit « , rief der Fürst , » du bist jetzt in meiner Gewalt , in meines Herzens Bannmeile , dich lasse ich jetzt und nimmer von mir , wir haben einander bis an unser Lebensende zu erzählen ; du hast Frau und Kinder , ich habe keine und verlange Ersatz vom Schicksale . Ich könnte nicht ruhig sterben , wenn mich kein Freund begleitete ; hast du zum Bauen nicht mehr Lust und Zeit , so ziehe zu mir , mein Schloß ist ganz leer . « - Der Graf gestand ihm , daß sich eine Geisterfurcht seit der Nacht seiner bemächtigt habe , sonst triebe ihn nichts fort ; er wäre ja bloß darum des weiten Weges gekommen , um sich hier wieder anzusiedeln ; dabei erzählte er ihm seinen wunderbaren Empfang im Schlosse . - Der Fürst sah tiefsinnig vor sich hin , und schrieb mit dem Stocke einige Züge in den Boden : » Ich kann die Gespenster bannen , denn sieh , ich bin auch ein Gespenst , ein Gespenst , das nur noch von dem träumenden Genusse früherer Tage , von seinen Gewohnheiten lebt . « - » Wer ist dann mehr Gespenst als ich « , rief der Graf , » einem fremden Weltteile klimatisiert , machte ich aus Nacht Tag , aus Tag Nacht : nun wohlan , so wollen wir es mit unsern unruhigen Brüdern der Mitternacht aufnehmen ! « - - Er winkte seinem Wagen und sie kehrten alle um ; er selbst ging Hand in Hand mit dem Fürsten zum Schlosse . Auf dem Wege fragte den Fürsten eine ausgestellte Wache , ob er nichts von ihrem Fürsten unterweges gehört , ob er noch eintreffe . Der Fürst zog seinen Geldbeutel , gab ihm ein Goldstück und fragte ihn , wer darauf abgebildet . - » Unser gnädiger Fürst « , antwortete die Schildwache . - » Nun so behalt ' s « , sagte der Fürst , » damit du ihn wiederkennst , wenn er kommt . « - Die Schildwache dankte verwundert und versicherte : seinen Landesherrn wollte er schon erkennen , der hätte bei ihm Gevatter gestanden . Der Fürst und der Graf gingen nachdenklich an das Schloßtor , es war verschlossen ; sie klopften an , der Türsteher fragte : » Wer da ? « - » Dein Fürst , Alter ! « rief der Fürst . - » Ach ja , der gnädige Fürst « , weinte der Alte , öffnete die Türe und umfaßte seine Kniee . - » Der kennt mich noch , weil er blind ist « , sagte der Fürst weggewandt zu dem Grafen . - Sie durchwanderten nun die alten Zimmer , die ihnen jetzt festlich dünkten , die ihnen sonst mit ihrer alten Pracht lächerlich gewesen ; der Graf stellte dem Fürsten seine Frau und Kinder vor , der sich in ihre fremde Art leicht zu finden wußte ; sie mußten alle auf dem Schlosse wohnen . Unterdessen hatte sich die Nachricht von des Fürsten Ankunft in der Stadt verbreitet ; die festlichen Anstalten , die bekannten weißgekleideten Mädchen , die zitternd eine Rede abquälen , die Blumen , die Kanonenschüsse , die er vermeiden wollte , nichts wurde ihm geschenkt ; doch von dem überraschenden Jubel von allen Seiten angezündet , brannte das ganze kunstreiche Feuerwerk in rascher Unordnung vor ihm ab , so daß er in der Gesellschaft des alten Freundes alles mitzugenießen vermochte . Festlicher füllte sich bald das Schloß nach des Grafen Anordnung mit morgenländischen Teppichen