die Stelle ihrer vorigen Lebhaftigkeit . Man sah , daß sie über einem Entschluß brütete . Gott weiß , woher diesem sonst so sanften , so schüchternen Mädchen die List , die Kühnheit kam , Alles das in ' s Werk zu setzen , was sie that . Genug , an einem Abend trat sie bleich , verstört , mit verweinten Augen , und einer unruhigen Heftigkeit in ihrem ganzen Wesen in mein Zimmer , sie sah sich überall ängstlich , scheu herum . Sind wir allein ? fragte sie mit dumpfer hastiger Stimme , dann warf sie sich an meine Brust , und mit einem schmerzlichen Schrei rief sie : Ich habe ihn gesehen ! - nun will ich sterben - er stirbt auch ! Es war ihr auf Wegen , über die ich erstaunte , als sie späterhin uns Alles zu erzählen vermochte , gelungen , die Wachen zu bestechen , und verkleidet in sein Gefängniß zu dringen . O welch ' ein Wiedersehen nach drei Jahren ! Sie war der Verzweiflung nahe . Aber Florianus Geist erhub und stärkte sie . Noch ein Mal vor dem gewissen Tode erlaubte er sich , den Regungen seines Herzens ganz zu folgen , noch ein Mal schwelgten ihre Seelen in den leidenschaftlichen Ergießungen unglücklicher Zärtlichkeit , noch ein Mal wiederholte er ihr , was durch drei Jahre sein Mund streng verschwiegen hatte , das Geständniß seiner grenzenlosen Liebe , seiner Trauer um sie , seiner heißen Sehnsucht nach diesem Augenblick , den er , ach ! nicht so bald , und nicht auf diese Art zu erleben glaubte . In ihre treue Brust legte er seine Geheimnisse nieder . Sie preßte in dem kurzen Raum von ein paar Stunden , der ihnen vergönnt war , alle Leiden , alle Hoffnungen , alle bitteren Erfahrungen von drei traurigen Jahren , und alle wehmüthige Seligkeit eines solchen Wiedersehens zusammen . Sie genoß dies traurige Glück mit vollen Zügen . Sie riß sich endlich halb ohnmächtig aus seinen Armen , und mit dem festen Bewußtseyn , ihn nie wieder auf dieser Erde zu sehen , und kam in diesem Zustande zu mir . Nie werde ich den Eindruck dieser Stunde vergessen . Eine Art von Schauer überfiel mich , der Gedanke , wie mir zu Muthe wäre , wenn ich an Valeriens Stelle wäre , und eben so von Agathokles scheiden müßte , drängte sich mir mit einer marternden Lebhaftigkeit auf , und ich weiß nicht , was es ist , Junia ! aber ich kann ihn seit dem nicht wieder los werden . Bei jeder Veranlassung , oft sogar ohne dieselbe steigt er in meinem Gemüthe empor , umzieht meine Seele mit düstern Schatten , und erscheint nicht selten in ängstenden Träumen unter tausenderlei Gestalten und Zusammenstellungen wieder . So bleibt , wenn an einem trüben Herbstmorgen die Sonne endlich das schwere Gewölk zertheilt , noch hier und dort auf den Bergen der düstre Nebelflor , die Ueberbleibsel der Nacht , gelagert , und ach ! oft noch , ehe die Sonne sinkt , steigt er herauf , und begräbt den kurzen Tag in schnelle Schatten ! O meine Junia ! Wenn das nur keine Ahnungen sind ! Ich darf meinem Agathokles nichts davon sagen , er verweiset sie in das Reich der Träume , aber ich habe mehr als eine Ursache , für meine Zukunft besorgt zu seyn . Florianus heldenmüthiger Tod , seine letzte Ermahnung an die Christen , die gesegneten Folgen , die man wirklich schon in dem Betragen unsrer Brüder fühlt , ihre größere Standhaftigkeit , ihre muthige Verachtung irdischer Vortheile haben , wie ich fürchte , einen gefährlichen Funken in Agathokles Seele geworfen ! Den Tag , wo Florianus starb , sah ich ihn zum ersten und letzten Male . Der Zug ging in höchster Feierlichkeit , denn das Volk vermuthete nichts weniger als seinen Tod , vor unserm Hause vorüber . Er kam - im vollen Schmucke seines Ranges , ungefesselt an der Seite des Präfects , ein schöner Mann in der vollen Reife der Jahre , groß , edel , kräftig . Sein dunkles Auge war mit einem Ausdruck von Wohlwollen und innerer Hoheit bald auf das Volk , das ihn umgab , bald auf seinen Begleiter gerichtet , mit dem er ruhig und , wie es schien , von gleichgültigen Dingen sprach . Nur ein paar Mal sah ich ihn den Blick zum Himmel richten ; dann aber war auch eine Verklärung darinnen , die mehr als Alles , was ich wußte , den nahen Bürger einer bessern Welt verkündigte , der im Begriff war , sein Leben für seine Ueberzeugung aufzuopfern . Alles , was ich vorhin von ihm gehört hatte , und jetzt sah , machte es mir sehr wahrscheinlich , daß er eine solche Leidenschaft in Valeriens Herzen hatte entzünden können . Er hatte den Götzen nicht geopfert , seine Religion nicht abgeschworen , wie es das getäuschte Volk erwartete - in dem beigeschlossenen Blatt findest du die weitläufige Erzählung des ganzen Vorfalls - und endigte nun in den Fluthen des Anasus sein Leben . Valeria war auf Alles vorbereitet . Sobald die schauerliche Scene vorüber , und der unwürdige Präfekt in seinem Palast angelangt war , eilte sie zu ihm , und ihr Gold erhielt , was ihren rührendsten Bitten nicht gewährt wurde , die traurige Gunst , den Leichnam ihres geliebten Freundes im Anasus suchen , und auf eine anständige Art bestatten zu lassen . Der Strom war von einem Gewitterregen in den Gebirgen zu einer außerordentlichen Höhe angeschwollen , und tobte in seinen Ufern strudelnd und reißend dahin . Kein Schiffer wollte es wagen , einen Kahn durch die wilden Fluthen zu drängen - aber was wäre der Liebe und dem Golde unmöglich ! Valeria bestieg selbst einen Fischernachen , eine übermäßige Belohnung verschaffte ihr ein Paar kühne Ruderer , sie zwangen den Kahn mitten durch die schäumende Fluth , und fanden bald unweit der Brücke unter den