Herablassung eines adeligen bereite ; du aber mußt mich mit einer Feinheit zu entschuldigen wissen , die kaum zu schätzen ist . « » Hr . v. Harnisch « , führte drunten Walt ihn ein , » fand mich in meinem Zimmer ; wie sollt ' ich , Demoiselle , nun mein Vergnügen schöner teilen , als daß ichs mit ihm und mit Ihnen zugleich teilte . « Er warf dies so leicht hin und bewegte sich so leicht auf und ab - auf den teils von Flitte bisher polierten Rädern , teils auf den vom Wein eingeölten - , daß Vult ihn heimlich auslachte und sich dabei ärgerte ; er verglich still den Bruder mit Minervens Vogel , mit einer Eule , der der Vogelsteller gewöhnlich noch einen Fuchsschwanz anheftet . Das erstemal , da ein Mensch , den wir vorher als unbeholfen gekannt , uns beholfen und gewandt vorübertanzt , will er unsrer Eitelkeit durch einen Schein der seinigen nicht sonderlich gefallen . Vult war sehr artig - sprach über Malen und Sitzen - lobte Flittes Miniatur-Punktierkunst als ziemlich ähnlich , ob die Farben-Punkte gleich so wenig als roter und weißer Friesel ein Gesicht darstellten - und lockte dadurch den Bruder , der aufrichtiger lobte , in den Ausbruch der schelmischen Zartheit hinein : » Raphaela ist ja nicht weit von Raffael . « Als jene indes nach ihrem Trauerreglement der Lust , sich ihr Freudenöl in Tränentöpfen zu kochen , auf des Flötenspielers Musik , dann schnell auf die Blindheit und deren schönen Eindruck auf andere verfiel und sich nach seinem Augen-Stand erkundigte , unterbrach Vult sie kurz : » Das war nur ein Scherz für mich und ist vorüber Hr . Notar , wie können wir beide so müßig dastehen und reden , ohne zum Malen zu helfen ? « - » Hr . von Harnisch ? « fragte Walt , ohne comment zu sagen . » Kann denn nicht einer von uns , Freund , vorlesen « , versetzte Vult , » ist nichts dazu da ? - und ich dazu die Begleitung blasen ? - Wie oft sah ich auf meinen Reisen , daß Personen , welche saßen , sich hoben und entfalteten , weil nichts die Physiognomie , welche der Maler auffangen will , in ein so schönes Leben setzt als eine mit Musik begleitete Vorlesung von etwas , das gerade anpaßt ! « - Raphaela sagte , sie nehme freilich ein Doppelgeschenk von Musik und Deklamation dankend an . Vult faßte einen nahen Musenalmanach - blätterte - sagte , er müsse klagen , daß in allen Musenkalendern leider der Ernst zu hart mit dem Spaß rangiere , wie in J. P ... s Werken , wolle aber Hoffnung geben , daß er vielleicht durch Töne zu diesen Mißtönen Leittöne herbeischaffe - und reichte Walten eine Elegie , mit der Bitte , sie vorzulesen und darauf unbekümmert die satirische Epistel und dann das Trinklied . Da dieser erfreuet war , daß er seinem Feuer eine Sprache , obwohl eine nachsprechende , geben durfte : so verlas er so heiß , laut und taub das sehr rührende Gedicht , daß er gar anfangs nicht vernahm , mit welchen närrischen 6 / 8-Takten , Ballett-Passaden , sogar mit einem Wachtelruf ihn der Bruder flötend sekundierte . Erst als er die satirische Epistel vorlas , hörte er in der Kälte einigen Wider-Ton , daß nämlich Vult dem Witze mit Lagrimosis-Passagen und einigen Silben aus Haydns sieben Worten zur Seite ging ; er nahm sie aber für Überreste voriger Rührung . Dem Trinkliede nachher setzte Vult mehrere Languidos-Halte , gleichsam schwarz und weiße Trauerschneppen an . Der Widerstreit preßte den Zuhörern einen gelinden Angstschweiß aus , der eben , wie Vult fest behauptete , ein Gesicht , das sitze , beseele . Aber plötzlich trat ein ganz anderer Miß- und Dur-Ton , der vier Fuß lang war , höflich mit dem Hut in der Hand ins Zimmer . Es kam nämlich der Reisediener des Kaufherrns in Marseille , bei welchem Flitte lange gewesen , und präsentierte ihm einen fälligen Wechsel , den er auf sich ausgestellt . Flitte verlor die Farben , die er Raphaelen geliehen , und verstummte ein wenig , und wurde wieder reich an roter . Endlich fragte er den Reisediener : » Warum er so spät am Verfalltage komme ? Jetzt hab ' er eben nichts . « Der Diener lächelte und sagte , er habe ihn vergeblich gesucht zu seinem Verdrusse , denn er müsse jede Minute fort , sobald er die Valuta habe . Flitte zog ihn aus dem Zimmer auf ein Wort ; aber fast noch unter dem Worte trat der Fremde wieder mit gezuckten Achseln ein und sagte : » Entweder - oder - ; in Haßlau gilt das sächsische Wechselrecht . « Lieber fuhr Flitte in die Hölle , welche wenigstens gesellig ist , als in die Einsiedelei des Kerkers ; dennoch lief er ohne eine sanfte Miene auf und ab und murmelte fluchende Angriffe ; endlich sagt ' er französisch Raphaelen etwas ins Ohr . Diese bat den Reisediener so lange um Geduld , bis eine Antwort auf ein Blättchen von ihr zurück sei ; es war eine Bitte an ihren Vater um Geld oder Bürgschaft . Flitte setzte sich wieder zum Malen mit jener Folie des Stolzes nieder , wovon der Diener eigentlich den Juwel besaß . Walt jammerte leise und flatterte so ängstlich um den Bauer als Flitte in demselben und folgte jedem Umherschießen des eingekerkerten Vogels außen am Gitter nach . Vult beobachtete scharf den gewandten Diener : » Sollt ' ich Sie nicht « , sagt ' er , » in der Gegend von Spoleto schon gesehen haben , wovon die alten Römer , wie bekannt , die Opfer-Tiere hergeholt wegen der weißen Farbe ? « - » Ich war nie da und reise bloß nördlich ( sagt ' er ) , mein Name klingt zwar italienisch , aber nur meine Großeltern warens