eigne Namen , wie Roquairol und Zesara , mit den weiten Maschen seines Nachtgarns aufgefischt . Kaum war der leise Lektor hinaus , so trat er mit dem Ohr in der Hand froh ins Zimmer herein und foderte ihr einen Bericht von den Berichten ab . Er hielt es unter seiner Würde , je seinen Argwohn - der sich auch in der freundlichsten und frohesten Laune seine Argusohren und - Augen nicht zumachen ließ - oder sein Horchen nur mit einer Silbe oder Schamröte zu verkleistern oder zu decken ; die schönen Lilien der ungefärbtesten Unverschämtheit waren ihm nicht aufgemalt , sondern eingebrannt . Die Ministerin ergriff sogleich die weibliche Partei , die Wahrheit zu sagen - zur Hälfte ; nämlich die angenehme von Roquairols gut aufgenommenen Annäherungen zum Wehrfritzischen Hause , dessen Landgut und Landschaftsdirektorat recht anpassend dem Schwiegervater angegossen waren . Indes hatte dieser in der Gattin Antlitz den Trauerrand um dieses frohe Notifikationsschreiben viel zu klar und breit gesehen , um sich nicht nach dem vortönenden Wort Zesara , das sein zarthöriger Blech-Sucher auch mit aufgefasset , obwohl vergeblich zu erkundigen ; denn die Mutter hatte ihre fromme Tochter zu lieb , um ihr diesen Wolf in ihr Eden nachzuhetzen ; sie hoffte sie daraus auf eine sanftere Art durch Gottesstimme und Engel zu bringen ; und umging seine Frage . Aber der Wolf rannte nun auf seiner Fährte weiter ; er bekam Darmgicht - so wurde dem Doktor Sphex gesagt - , foderte von diesem schnelle Hülfe und auch einige Nachrichten von seinem Mietsmann , dem Grafen . Herr und Madame Sphex waren ohnedies dem aufgeblasenen Jüngling so gram - durch ihre ausgeschickten vier Kinder , als enfants perdus in jedem Sinn , als vier Gehörknochen jeder Stadt-Sage , war viel von Blumenbühl und Lilar auf Avisjachten heimzubringen . - - Kurz die Gehörknochen griffen in fremde so gut ein , daß Froulay in einigen Tagen imstande war , mit seiner Lilienstirn bei der Griechin nach einem Briefe an seinen Sohn zu fragen , den er mitnehmen wolle . Er fand einen , den er recht freudig erbrach , ohne doch etwas von Albanos oder Lianens Hand darin zu finden , ausgenommen einige dumme Anspielungen Rabettens auf jenes Paar , welche für den Minister so viel waren , als hätt ' er mit seinen scharfen Mautners-Suchnadeln in Lianens Herz gebohrt und darin auf das konterbande getroffen . Ohne langes knechtisches Kopieren des vorigen Siegels setzte er das zweite auf den Brief und ging erleuchtet davon . Wir können ihm alle nachfolgen , wenn wir uns nur wenige Minuten zu seiner Rechtfertigung aufgehalten haben bei meinem Schutz- und Stichblatt für das zweite Briefsiegel in Staatssachen . Ob dem alten Froulay das Examinatorium fremder Briefe als Minister oder als Vater zustehe - wiewohl dieser jenen , der Landesvater jeden andern Vater und seinen eignen dazu voraussetzt - , das will ich nicht entscheiden , außer durch die eben hergesetzte Parenthese . Der Staat , der die Postpferde vor die Briefe spannt , hat , scheint es , das Recht , diesen nicht sowohl blinden als blind machenden Passagieren genauer unter das geschlossene Siegel-Visier zu sehen , um zu wissen , ob er nicht seinen Feinden Pferde vorlege . Der Staat , ein immer ziehender Lichtmagnet , will ja nur Licht in der Sache und besonders Licht über alles Licht überhaupt ; er verlangt nur die Wahrheit ganz nackt , ohne Couvert ; alles , was durch seine Tore reitet und fährt , soll nur , sei es auch in ein Couvert gekleidet , den roten Mund aufmachen und sagen , was für Name und für Geschäfte . - Da der gemeine Soldat seine Briefe vorher seinem Offizier vorweisen muß - der Bastillen-Garnisonist seine dem Gouverneur der Mönch seine dem Prior - der amerikanische Kolonist seine dem Holländer132 ( damit er sie verbrenne , wenn sie über ihn klagen ) - : so kann wohl kein Staatsmann , er mag nun den Staat für eine Kaserne - oder für eine Engelsburg - oder für ein monasterium duplex - oder für eine europäische Besitzung in Europa ansehen , ihm das Recht absprechen , sich alle Briefe so offen zu erhalten , wie Fracht- , Adelskauf- und Apostelbriefe es sind . Der einzige Fehler ist bloß , daß er die Briefe nicht eher vorbekommt als zugepicht und zugesperrt ; das ist unmoralisch genug ; denn es nötigt die Regierung , auf- und zuzumachen - den Brief aus der Scheide zu ziehen und in sie zu stecken , wie der Koch mühsam die Schnecke aus ihrer Schale drehet und dann , sobald sie vom Feuer weg ist , in diese wieder zurückgeschoben aufsetzt . Letzteres ist der Punkt und Hauptwind , der uns weiterzuführen hat . Denn so allgemein es auch anerkannt , so wie Observanz sei , daß die Regierung aus demselben Grunde , woraus sie den letzten Willen öffnet , auch jeden vorvorletzten und endlich den ersten müsse früher entsiegeln können als der Erbe desselben - und daß ein Fürst noch viel leichter Diener-Briefe in dieselbe Entzifferungskanzlei ( und in ihr Vorzimmer , die Entsieglungskammer ) müsse ziehen können , worin Fürsten- und Legatenbriefe aufgehen vor der Springwurzel - : so ist doch das Korkziehen der Briefe - das Koppelsiegel - das Vikariatsiegel - das mühsame Nachmachen des L. S. oder Loco Sigilli etwas sehr Verdrüßliches und beinahe Abscheuliches ; aus dem Unrecht muß daher ein Recht gemacht werden durch gesetzliche Wiederholung . Etwas davon würde , hoff ' ich , sein , wenn befohlen würde , die Briefe nur auf Stempelpapier zu schreiben ; ein dazu eingesetztes Schau- und Stempelämtchen läse dann vorher alles durch . Oder man könnte die Pitschafte , als Münzstempel für Privatmünzen , nicht mehr zulassen . Es schlüge sich dann eine Siegel-Kammer mit großen Rechten ins Mittel und verpetschierte , wie jetzt den Nachlaß der Verstorbnen , alsdann der Lebendigen ihren . Oder - was vielleicht vorzuziehen - eine Brief-Zensur müßte anfangen . Ungedruckte