heraus und an diese stille Stelle zurückzuziehen , deren weiter Wiesengrund ihn auch landschaftlich an die Tage seiner Jugend , an Lingen und Kleve erinnern durfte , und , werden wir kaum irregehen , wenn wir ihn , in jenem letzten kurzen Zeitabschnitte , der dem Einreichen beziehungsweise der Annahme seiner Demission unmittelbar vorausging , bereits innerhalb seiner Amtshauptmannschaft vermuten . Jedenfalls erfolgte , wie schon hervorgehoben , am 10. Dezember 1697 seine Verhaftung in Neustadt . Von jenem 10. Dezember an , wo man Danckelmann in Haft nahm und nach Spandau hin überführte , war es mit Neustadts historischer Zeit vorbei . Treffliche Kräfte waren auch noch weiterhin wirksam , aber kein Name wie Königsmarck , Prinz von Hessen-Homburg , Danckelmann war unter ihnen . Blicken wir zum Schluß noch auf das , was der Stadt aus ihrer historischen Zeit her geblieben ist . Die Amtsfreiheit an dem Knie gelegen , das die vom Bahnhofe kommende Straße durch Einmündung in die Hauptstraße bildet , ist dieselbe Lokalität , wo sich früher das Amt befand . Wie weit dies » früher « zurückreicht , ist fraglich . Gewiß ist nur , das sich das um 1787 von Neustadt nach dem benachbarten Dorfe Dreetz verlegte Amt in ebengenanntem Jahr ( wie sehr wahrscheinlich auch mehrere Jahrzehnte früher schon ) an dieser Amtsfreiheitsstelle befand . Was sich bis diese Stunde noch an Baulichkeiten daselbst vorfindet , repräsentiert einen leidlich modernen Privatbesitz , dem , mit Ausnahme zweier prächtiger alter Bäume , die die Auffahrt bewachen , jeder Hauch von Historischem fehlt . Die Kirche die sich fast in Front der Amtsfreiheit auf dem triangelförmigen Marktplatze der Stadt erhebt , ist eine Kuppelkirche und stellt in ihrem Grundriß ein kurzes griechisches Kreuz dar . Sie gibt sich sauber von außen und innen , womit so ziemlich erschöpft ist , was sich zu ihrem Lobe sagen läßt . In den vier abgestumpften Ecken des Kreuzes erheben sich die vier Fenster , hoch und lichtvoll und langweilig , wie denn überhaupt alles von jener symmetrischen Anordnung ist , die mehr durch Nüchternheit stört , als durch Übersichtlichkeit erbaut . Im östlichen Kreuzstück : der Altar , im nördlichen die Kanzel , und beiden gegenüber zwei Emporen , in die sich , wenn ich recht berichtet bin , die Honoratioren der Stadt und die Beamten des Gestüts gewissenhaft teilen . Das Letztere tritt uns hier noch einmal in seiner ganzen Distinguiertheit entgegen , und trägt unterhalb seines Chors ein großes vielfeldriges Wappen , das mir , seitens meines Führers , einfach als das » Gestüts-Wappen « bezeichnet ward . Es ist aber nur das Preußische . Eine daneben oder darunter befindliche Inschrift ist von relativer Wichtigkeit , insoweit sie uns positive Anhaltepunkte für die Geschichte der Stadt und dieser Kirche gibt . Sie lautet : » Anno 1666 hat das Feuer durch Gottes Schickung das Schloß , Kirche und Stadt allhier verzehrt und unter der hochlöblichen Regierung des Durchlauchtigen Kurfürsten und Herrn , Herrn Friedrich Wilhelm , Markgraf zu Brandenburg , hat der Durchlauchtige Fürst und Herr , Herr Friedrich , Landgraf zu Hessen-Homburg , Anno 1673 diese neue Kirche zu bauen angefangen . Anno 1686 ist abermal der neueste Theil der Stadt in Feuer aufgegangen ; jedoch ist noch in demselben Jahre die Kirche von Johannes Michael Helmich , Pfarrer allhier , eingeweiht worden . 1694 hat der Durchlauchtige und Großmächtigste Kurfürst und Herr , Herr Friedrich III. , das ganze Ambt erhandelt und seine Excellenz Oberpräsident Freiherr Eberhard v. Danckelmann als Amts-Hauptmann darin bestellt , welcher Anno 1696 den ganzen Kirchenbau zu Ende bringen läßt . « Der » Spiegelberg « dem wir uns zuletzt zuwenden , ist eine reizend gelegene Vorstadt am anderen Ufer der Dosse . Hier war es mutmaßlich , wo der Prinz von Hessen-Homburg jene eingangs erwähnten fünfundzwanzig Familien ansiedelte , die berufen waren , das bis dahin kaum über ein Dorfansehen hinausgewachsene Neustadt in einen Fabrikort umzuwandeln . Der Prinz war der Mann der Initiative , gewiß , aber wir werden seinem Verdienste kaum zu nahe treten , wenn wir , auch an dieser Stelle wieder , die Vermutung aussprechen , daß erst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts all das von ihm Gepflanzte wirklich reichliche Früchte trug . Die Neustädter Glasindustrie hatte zu dieser Zeit ein Ansehen gewonnen , und besonders seine Spiegel bildeten einen nicht unerheblichen Exportartikel . Was sich jetzt noch von Gebäuden auf dem » Spiegelberge « vorfindet , gehört nicht der Epoche des » Landgrafen « , sondern sehr wahrscheinlich den letzten Regierungsjahren Friedrich Wilhelms I. an , wenigstens scheint die Bauweise , die man kurzweg als eine kümmerliche Nachahmung des Holländischen bezeichnen kann , darauf hinzuweisen . Die Glasschmelze , vor allem aber das Langhaus , in dem ehedem die Spiegelplatten belegt wurden , – sie wirken wie bloße Schuppen , denen man bemüht gewesen ist , mittelst roten Anstrichs ein etwas höheres Ansehn zu geben ( ein Ansehn von dem , was sie nicht sind ) und erinnern dadurch an die derselben Zeit angehörigen Soldatenwesten , die gar keine Westen waren , sondern nur angenähte Tuchlappen . Am meisten tritt einem diese Dürftigkeit an dem hier errichteten reformierten Betsaal entgegen , der dasselbe Fachwerk und dieselbe rote Tünche zeigt , und seine Bestimmung durch nichts anderes andeutet als durch einen Dachreiter in Form eines aus Schindeln zusammengeklebten Schilderhauses . Zu Häupten desselben ein Glöckchen . Das Ganze fiel uns auf , wenn auch nur durch seine Wunderlichkeit . Wir traten deshalb dicht an die hohen , aus kleinen grünen Scheiben zusammengesetzten Fenster heran und sahen in den Betsaal hinein , der aus einem Katheder und sechs Bank- und Pultreihen bestand . Auf den Pulten lagen viele Gesangbücher aufgeschlagen , als habe eben erst eine Gemeinde diesen Betsaal verlassen . Und doch waren es über drei Jahre , seit man sich hier zum letzten Male versammelt hatte . Das Ganze berührte mich unheimlich , etwa wie ein angerichtetes Mahl , das von langer