hatte ich ihnen Raum gegeben , so parierte ich mein Pferd und winkte den anderen , auch innezuhalten . Ich sah nämlich eine Spur . Ich stieg ab , sie zu untersuchen . Sie stammte von zwei Pferden , die nicht denselben Weg wie wir gekommen waren , sondern links von der Höhe herab , und zwar vor höchstens einer Stunde . Es gab also zwei Reiter , die da vor uns waren . Wer sie waren , konnte ich aus den Spuren nicht ersehen , jedenfalls aber Indianer . Ich nahm meinen Revolver aus der Tasche . Wir ritten weiter , aber langsam und vorsichtig , so geräuschlos wie möglich , immer einer hinter dem andern , ich voran . Wir folgten den Spuren , die in dem weichen , von den Höhen herabgeschwemmten Boden sehr deutlich zu sehen waren . Sie führten am Flusse hin , zwischen den Büschen hindurch , nach dem hinteren Teile der Talpfanne . » Sie sind nach der Höhle , « sagte Intschu-inta . » Sie kennen sie ! « » Und zwar so gut , « fügte ich hinzu , » daß sie quer über die wilden Vorberge gekommen sind und sie dennoch gefunden haben . Ihre Kenntnis ist also genauer noch als die deine . « Wir näherten uns dem Ende des Tales . Es hörte da auf , wo der Fluß direkt aus dem Innern des Berges trat . Eine Oeffnung führte hinein . Sie war dreimal breiter als der Fluß und nur so hoch , daß ein Reiter hinein konnte , ohne sich bücken zu müssen . Das war der Eingang zu der großen Höhle , die wir kennen lernen wollten . Vor diesem Eingange gab es einen kleinen , freien Platz , der von dem herabstürzenden Steingeröll bestrichen wurde und darum vegetationslos war . Am Rande dieses Platzes angekommen , hielten wir an , denn nun sahen wir die beiden Reiter , die wir suchten . Sie waren abgestiegen und lagen auf dem Bauche an der Erde , mit den Köpfen über etwas Weißes gebeugt , was ein Papier oder sonst dem ähnliches zu sein schien . Ihre Pferde knusperten von den letztjährigen Zweigen der Büsche . Die beiden Sättel lagen in der Nähe , dabei einige Taschen und Pakete , auch die Gewehre . Wir stiegen ab und führten unsere Pferde eine kleine Strecke zurück , um sie dort anzubinden , sonst konnten wir durch sie verraten werden . Dann kehrten wir wieder nach dem Buschrand zurück , um die beiden Männer zu beobachten . » Kennst du sie ? « fragte ich das Herzle . » Nein , « antwortete sie . » Du hast sie aber gesehen ! « » Nein , gewiß nicht ! « » Aber doch ! Sogar mehrere Stunden lang ! « » Wo ? « » Im Hause des Todes , bei der Beratung der Häuptlinge . Es sind die beiden Medizinmänner der Kiowa und der Komantschen , welche den Altar öffneten . « » Wirklich ? « » Ganz gewiß ! « » Dein Auge ist sicherer als das meine . Ich habe sie nur bei dem ungewissen , flackernden Licht der Feuer gesehen . « » Ich auch . Aber der Westmann gibt sich vor allen Dingen Mühe , sich die Gesichtszüge derer , die ihm wichtig sind , so gut wie möglich einzuprägen . Darin bist du nicht geübt . Das Papier , mit dem sie sich beschäftigen , kann kein gewöhnliches sein . Mir scheint , es ist eine Karte oder so etwas . Sie fahren mit den Fingern darauf herum , heftig , als ob sie sich stritten . Sie sprechen dabei so laut , daß man es sogar hier bei uns fast hören kann . Ich schleiche mich hin , sie zu belauschen . « » Ich mit ? « » Nein liebes Herzle , « lachte ich . » In welcher Sprache willst du lauschen ? Und dein Anschleichen dürfte wohl etwas laut ausfallen . « » Schade ! Ich möchte gern auch mittun ! Wie nun , wenn sie dich ermorden wollen ? Erschießen , erschlagen oder erstechen ? « » So kommst du schnell , mir zu helfen ! « » Das darf ich ? « » Ja , das darfst du ! Du darfst sogar dabei schreien und brüllen und heulen , so sehr und so viel du nur willst ! « » So geh ! Ich komme sogar auf alle Fälle ! « Ich gab Pappermann und Intschu-inta die nötige Anweisung und trat dann zwischen die Büsche , um mich zu den Indianern hinzuschleichen . Das fiel mir nicht schwer , denn sie waren so sehr mit sich selbst beschäftigt , daß sie weder Augen , noch Ohren für etwas anderes zu haben schienen . Ich kam so nahe an sie heran , daß ich von dem Strauche aus , der mich verbarg , mit meiner Hand den Fuß des auf dem Bauche ausgestreckten Kiowa hätte ergreifen können . Das Thema , welches sie behandelten , war von größter Wichtigkeit , nicht nur für sie , sondern ebensosehr auch für mich . Das , was ich für Papier gehalten hatte , war nicht Papier , sondern Leder , seidendünn pergamentartig zubereitetes Leder , auf beiden Seiten beschrieben oder wohl auch bemalt . Die eine Seite enthielt eine genaue Zeichnung des Mount Winnetou und den Situationsplan des » Schlosses « , welches der » Bewahrer der großen Medizin « bewohnte . Auf der anderen Seite befand sich eine ebenso genaue Karte des Inneren der großen Höhle , vor welcher wir uns befanden . Das wußte ich schon nach Verlauf der ersten Minute , in der ich lauschte . Die Unterhaltung war sehr bewegt . Die Karte wurde bald hinum- und bald wieder herumgedreht . Man nannte , suchte und fand die verschiedensten Namen , Stellen und Punkte . Das alles hörte ich und merkte es mir . Ich erfuhr ,