, daß hierauf alles ankommt . Bestehet nämlich das Himmelreich im Jenseits , so hat Christus von einer Kraft des Herzens gesprochen , die erst den Auferstandenen eigentümlich . Wir gebrechlichen Kinder der Erdenwelt sind dann wohl zu entschuldigen , so wir nicht die Gesinnung finden , die unser Heiland meint . « Ich verwunderte mich über diese Tiefe des Nachdenkens , ungewöhnlich bei einem Hirten und ehemaligen Soldaten , und über seine wohlgesetzte Sprache , die einen unterrichteten Geist verriet . Drum fragte ich : » Ihr habet wohl viel über solche Fragen gesonnen und auch gelesen ? Wes Standes waren Eure Eltern ? « » Mein Vater besaß reich Gut bei Schatzlar , und ich ward mit Sibylle unter Anwendung gelahrter Bücher erzogen . Drauf hat man meinem Vater den Prozeß gemacht wegen seiner Teilnahme an der böhmischen Glaubensverteidigung , hat unsere Güter konfisziert und uns an Leib und Leben bedräuet . Nach Sachsen sind wir entwichen , und da mein Vater bald darauf verstorben , hab ich die Muskete ergriffen und zur sächsischen Fahne geschworen - teils um das Leben zu fristen , teils um den Glauben zu verteidigen . Nach jahrelangem Soldatenleben hat sich ereignet , was der Herr Prädikant bereits weiß . Meine Schwester Sibylle aber ist es gewesen , die mit Agnetens Hilfe mich dem blutigen Handwerk abspenstig gemacht . Laß uns in Frieden leben , hat sie gesagt , denn der Krieg ist die Hölle , das Himmelreich aber ist bei uns , wir brauchen nur seine Pforten aufzutun , so gehen wir allsogleich , noch im diesseitigen Leben , hinein , und kein hart Brot darf uns solch Himmelreich verleiden . Ein gnädig Geschick hat es damals gefügt , daß ich einem Offizier begegnet bin , dem ich bei Steinau das Leben gerettet . Der war invalide worden . Wie er nun vernommen , ich wolle den Kriegsdienst verlassen , hat er zu mir gesprochen : Ich bin ein Fiskal der konfiszierten Herrschaft Schaffgotsch , und so Er ein friedlich Leben in bäuerischer Arbeit führen mag , will ich Ihm Anstellung gewähren . So sind wir zuerst auf das Vorwerk Reibnitz , diese Ostern aber in die Baude am Breiten Berge gekommen . Vor drei Wochen haben wir erfahren , daß Ihr , Herr Johannes , auf der Abendburg hauset und einer Weisheit mächtig seid , so meine Zweifel heilen kann . « Es dünkte mich , Sibylle habe noch etwas auf dem Herzen , und so sagte ich : » Rede Sie frei heraus , liebwerte Jungfer , so Sie zu reden begehret ! « Sie errötete . » Daß Ihr keine Predigten zu einer Gemeinde haltet , bedauern wir zwar ; doch ist das Euer freier Wille , so wollen wir darob nicht mit Euch rechten . Sollten aber die Leute zu Schreiberhau , denen Ihr doch früher gepredigt habt , von Euch abgefallen sein ... « Sie zögerte fortzufahren ; ich half ihr : » Wären sie es nicht , auch dann hätte ich aufgehört , ihnen zu predigen . Zum Überflusse aber sind sie abgefallen . Einen Schwarmgeist schilt mich ihr neuer Kanzelprädikant , und manche Leute sagen mir Schlimmeres nach . Nicht wahr , ihr habet auch davon vernommen ? Da nimmt es mich wunder , daß ihr überhaupt gekommen seid . « Verlegen schlug Sibylle die Augen nieder , um mich gleich darauf freundlich anzublicken : » Wir trauen Euch . « Und Heinrich fügte hinzu : » Nun ja , ein Mann von Giersdorf hat Euch einen Schwarzkünstler geheißen , so in seiner Abendburghöhle Dämonen halte , die ihm bei der Goldbereitung zu Diensten . Weil aber die Leute gleichzeitig berichtet haben , daß Ihr in Dürftigkeit lebet , so ward ihnen von mir die Antwort : Ein armer Eremite kann doch kein Teufelsbündler sein ; wer sich auf schwarze Kunst versteht , Gold machen und Dämonen beschwören kann , der nähret sich nicht von Beeren und Pilzen , sondern schwelget in Saus und Braus . « Düster blickte ich drein ; Waldhäusers Wort , niemand könne den Folgen seiner Werke entgehen , war an mir erfüllet . Ich selber war schuld an dem Gerede , daß ich Gold in der Abendburg bereite . Tötendes Gift war allbereits meiner Aussaat entsprossen , und noch wucherte sie weiter - das Vertrauen der Leute zu vergiften ... Aus meiner Nachdenklichkeit weckte mich das Sausen der Tannen . Mein Blick schweifte hinüber zum Breiten Berge und suchte nun die Baude , bei der die seltsamliche Frau Agnete jetzo ihre Herde hüten mochte . Da meinte Sibylle : » Links an der Kuppe des Breiten Berges liegt unsere Baude , auf der grünen Matte , nahe dem Walde . Ihr sehet den Rauch emporsteigen . Aber nun lebet wohl ! Wir müssen heim . « Ich erhub mich : » So lebet wohl und habet Dank für euren Besuch . Entbietet eurer Agnete meinen Gruß und am nächsten Sonntage werde ich euch dreien die gewünschte Predigt halten . « » Durch ein Briefel will ich Euch nähere Nachricht geben , « sagte Sibylle und drückte meine Hand . Nun gingen die beiden , ich schaute nach , bis sie im Walde verschwunden . » Wessen wird sie im Himmelreiche sein ? « Diese Worte gingen mir durch den Sinn , und nicht auf Agneten , sondern auf Thekla bezog ich sie . » Bestehet das Himmelreich im Jenseits ? « hatte Heinrich gefragt . » In uns ist das Himmelreich ; wir brauchen nur seine Pforten aufzutun , so sind wir darin , noch im diesseitigen Leben . « Also meinte Agnete , und ich stimmte ihr bei . » Dorten wird man nicht freien , noch sich freien lassen ; denn im Himmel ist man den Engeln gleich und Gottes Kind . « Diese Antwort des Heilands hatte ich zur meinen gemacht . Nun aber fragte ich mich : » Und du selber ? Beherzigest du für dich