des Hauses einen tiefen Eindruck , und es herrschte noch ein langes Schweigen , als er schon weggegangen war , um eiligst nach Warschau zurückzukehren . Valerius hatte in Betrachtung dieser Gruppe alles übrige vergessen , und erst , als die Leute sich trennten , und alle nach der Stadt aufbrachen , dachte er daran , sich nach Konstantien umzusehen . Wie es zu gehen pflegt , hatte das Gerücht von drohenden Vorfällen sich dahin verwandelt , daß alle glaubten , es sei schon Trauriges vorgefallen . Der Herr des Hauses , die Staatsmänner fuhren eiligst nach Warschau , und was an unwichtigen Besuchen da war , lief erschrocken und fragend durcheinander . Kasimir war mit dem Grafen Heinrich Ostrowski nach der Stadt gefahren und hatte Valerius dringend gebeten , sogleich nachzukommen . Dieser eilte in das Schloß und fragte nach der Fürstin . Ein vorübereilender Bedienter deutete auf die offene Saaltür . 29. Der Saal war leer . Durch die dem Eintretenden gegenüberliegende Tür eilten eben noch ein paar Gestalten , wie es schien , von den beunruhigenden Gerüchten davongejagt . Valerius hörte aber dennoch deutlich die muntere , lachende Stimme Konstantiens . Er trat tiefer ins Gemach und erblickte nun einen Balkon , der auf den Garten hinaus ging , ein leichtes , flatterndes Dach von gestreiftem Stoffe beschattete ihn . Dort saß die Fürstin halb nach der Gegend , halb nach dem Saale zugekehrt , wenn sie die Augen wendete , so mußte sie gerade auf Valerius blicken , der schweigend , in ihrem Anschauen verloren , stehen geblieben war . Der weißseidene leichte Schal flatterte wieder um ihre Schultern , aber heute war er keine Freudenflagge . Vor ihr saßen zwei Männer mit dem Rücken nach dem Innern des Saales . Das Gespräch zwischen den drei Personen bewegte sich in jenen kleinen französischen Kreisen um ein holdes Nichts , das die Konversation dieser Art mit zierlichen , antithetischen oder sonst kokettierenden Phrasen behängt . Es war das Spielen mit den Schalen und Hülsen der Sprache , wie sich ' s die sogenannte gute Gesellschaft angeeignet hatte . Da man diesen höheren Geselligkeitston zumeist aus Frankreich entlehnt hat , und er dort unter einem Regenten seine höchste Ausbildung erhielt , welcher alle Tätigkeit und Macht des Staates in sich vereinigte und jedes Mitdenken und Mitwirken der übrigen , selbst der höheren Mitglieder des Staates , ausschloß , so hat er vielleicht schon von daher diesen Charakter der Unbedeutendheit mitgebracht . Es war eine Unterordnung oder gar eine Schmeichelei gegen die Despotie , eine Konversation zu erfinden , die sich mit nichts beschäftigte und doch geistreich schimmerte . Die Bemühungen der Fronde lösten sich in Epigramme auf , und diese Epigramme zerflossen endlich in den charakterlosen Esprit . Dieser Esprit hat in Frankreich selbst mit der wiedererrungenen Selbständigkeit der Individuen schon lange den verlorenen Charakter reklamiert , die großen Beziehungen der Sprache sind dort längst wieder bis in die kleinsten Spielereien derselben zurückgekommen , aber die französierenden Ausländer treiben noch immer das alte leere Spiel mit den Glasperlen des großen Ludwig . Valerius hörte mit Verwunderung zu , wie die geistreiche und energische Fürstin sich in solcher Unterhaltung gefallen konnte . Aber Erziehung und Gewohnheit sind bekanntlich die zweiten Schöpfer , und die schöne Frau war ganz à son aise - da fiel ihr Blick zufällig in den Saal , und sie sah den Geliebten stehen . Ein hohes Rot bedeckte ihr Gesicht , und sie erhob sich wie unwillkürlich von ihrem Sitze . Die beiden Herren sprangen erschrocken auf und fragten , - Valerius sah zum ersten Male William wieder . Er war einer von den beiden . Konstantie trat rasch in den Saal . - » Wie kommen Sie hierher ? « und ohne Antwort zu erwarten , setzte sie mit leiserer Stimme hinzu : » Wann bekamen Sie meinen Brief ? « » Im Angesichte des Feindes , den wir eben angreifen wollten . « » Und der Angriff war Ihnen wichtiger ? « Die beiden Männer waren unterdes ebenfalls herangetreten , das leise Gespräch mußte aufhören , Valerius und William begrüßten sich mit einem wunderlichen Gemisch von Frostigkeit , alter Freundschaft und landsmannschaftlichem Interesse . Die Fürstin stellte Valerius dem andern Herrn vor , er überhörte den Namen des polnischen Fürsten . Man ging im Saale auf und ab . Das Gespräch hatte ein gespanntes , zerrissenes Wesen . Valerius fühlte sich verletzt von dem stolzen , kalten Benehmen Konstantiens und setzte ihm alle schroffe Entschlossenheit entgegen , welche ihm eigen war . Nur einen Moment kam eine gewisse Wärme in Konstantiens Ton , als sie auf den Arm im schwarzen Tuche deutete und nach seiner Verwundung fragte . Um seine Anwesenheit zu rechtfertigen - denn er hätte in diesem Augenblicke selbst Konstantien nicht zugestehen mögen , daß er zum Teil ihretwegen da war - erzählte er kurz , was man in Warschau befürchte . » Man ist nicht streng genug gegen den Pöbel gewesen , « sagte der Fürst . » Die dreist gelösten Verhältnisse , « setzte William hinzu , » deren innere Heiligkeit der freche Geist des Jahrhunderts überspringt , rächen sich früher oder später überall . « Valerius verging vor Pein , er schützte Befehle vor , die ihn nach Warschau riefen , und empfahl sich . Einen Augenblick schien die Fürstin bestürzt zu sein , aber der alte Stolz trat schnell wieder auf ihre Lippen , sie entließ ihn stumm und zeremoniös . Er warf sich in den Wagen , und von allerlei Qualen gemartert kam er nach Warschau . Ob es Eifersucht allein , oder auch gekränkter Stolz war , was ihn peinigte , das wußte er selbst nicht zu sagen . Die Straßen waren von Menschen erfüllt , die in der Dunkelheit des Abends drohenden Gespenstern gleich hin und her zogen . Er eilte zum alten Grafen , um vielleicht dort etwas Näheres über die getroffenen oder zu treffenden Maßregeln zu erfahren , denn daß Kasimirs Vermutungen