sich an den Pfarrer Fuhrmann ; dieser riet ihm , er solle den Lehrer ersuchen , aufs Gemeindeamt zu gehen , um die Auszahlung zu betreiben . » So etwas tu ich nicht , Herr Hofrat , ich mache nicht den Bittsteller mein Stolz erlaubt das nicht « , sagte Quandt . Der Hofrat zuckte die Achseln . » Geben Sie ihm doch die paar Taler einstweilen aus Ihrer Tasche « , sagte er , » man wirds Ihnen gewiß bald ersetzen . « » In Hinsicht auf den Hauser gibt es keine Gewißheiten « , versetzte Quandt ; » ich habe ohnehin Auslagen genug und weiß nicht , ob ich noch lange so zusehen kann . « Der Hofrat überlegte . » Er hat doch wohlhabende und reiche Freunde , « sagte er dann , » die können doch helfen . « » Ach du lieber Gott , « seufzte der Lehrer , » denen ist er viel zu interessant , als daß sie an seine kleine Notdurft denken . « » Ich will einmal morgen zu Ihnen kommen und den Hauser fragen , wozu er denn eigentlich so dringend Geld braucht « , schloß der Hofrat das Gespräch . Des Abends kam Caspar noch spät in Quandts Zimmer und flehte ihn mit aufgehobenen Händen an , ihn doch nicht aus dem Haus zu geben , er wolle ja alles tun , was man von ihm verlange ; » nur nicht zum Polizeileutnant , alles , nur das nicht « , sagte er . Der Lehrer beruhigte ihn nach Kräften und sagte , davon könne vorläufig keine Rede sein , der Polizeileutnant habe ihn bloß schrecken wollen . » Nein , « antwortete Caspar , » auch der Offiziant Maier hat heute auf dem Gericht davon gesprochen . « » Nun , Hauser , jetzt gebärden Sie sich aber wie ein kleiner Knabe und sind doch schließlich ein erwachsener Mann « , sagte Quandt tadelnd . » Ich kann das nicht ganz ernst nehmen , Sie lieben es zu übertreiben und sich kindisch zu stellen . Der Polizeileutnant würde Ihnen auch nicht den Kopf abbeißen , wennschon ich zugebe , daß er bisweilen etwas derbe Manieren hat . Aber Sie sind ja jetzt auch ein Christ in des Wortes voller Bedeutung , und ohne Zweifel haben Sie den Spruch schon gehört : Tue deinen Feinden Gutes , damit du feurige Kohlen auf ihrem Haupt sammelst . « Caspar nickte . » Es steht ein Gesätzlein darüber in Dittmars Weizenkörnern « , erwiderte er . » Ganz recht ; wir haben es ja zusammen durchgenommen « , fuhr Quandt lebhaft fort . » Wissen Sie was ! Damit Sie das schöne Merkwort genau im Gedächtnis behalten , schlage ich Ihnen vor , mir Ihre eignen Gedanken darüber niederzuschreiben . Ich will es meinetwegen als ein Pensum für sich betrachten und Sie können den ganzen morgigen Nachmittag dazu verwenden . « Caspar schien einverstanden . Der Hofrat kam nicht , wie er versprochen , am nächsten , sondern erst am zweitfolgenden Tag . Als er ins Zimmer trat , redete der Lehrer gerade mit zornigen Gebärden auf Caspar ein . Auf die Frage des Hofrats was Caspar verbrochen habe , sagte Quandt : » Ich muß mich doch gar zu viel mit ihm herumärgern . Vorgestern stellte ich ihm ein Thema für den deutschen Aufsatz , er versprach mir , es auszuarbeiten , und er hatte den ganzen gestrigen Nachmittag dazu Zeit . Soeben verlang ich nun sein Heft , und hier , überzeugen Sie sich selbst , Herr Hofrat , auch nicht eine Zeile hat er geschrieben . Eine solche Trägheit ist himmelschreiend . « Quandt reichte dem Hofrat das aufgeschlagene Heft : oben auf einer Seite stand der Titel des Aufsatzes : Tue deinen Feinden Gutes , damit du feurige Kohlen auf ihrem Haupt sammelst ; danach kam aber nichts , und die Seite war leer . » Warum haben Sies denn nicht gemacht ? « fragte der Hofrat kühl . Caspar antwortete : » Ich kann nicht . « » Das müssen Sie können ! « rief Quandt . » Vorgestern haben Sie mir ja erzählt , daß der Gegenstand in Ihrem Lesebuch behandelt ist , eine Gedankenfolge zu finden , hätte Ihnen also nicht schwerfallen können , wenn sie dort angeknüpft hätten . « » Probieren Sies doch einmal , Hauser « , fiel der Hofrat besänftigend ein . » Schreiben Sie meinetwegen nur ein paar Sätze nieder . Ich werde mich mit dem Herrn Lehrer ins Nebenzimmer begeben , und wenn wir zurückkommen , sollen Sie uns irgend etwas vorzeigen und den Beweis liefern , daß Sie wenigstens den guten Willen haben . « Quandt nickte und ging mit dem Hofrat hinaus . Als sie im Wohnzimmer waren , übergab der Hofrat dem Lehrer zwei Golddukaten und sagte , die seien von Frau von Imhoff , der er Caspars Verlegenheit geschildert habe ; die gütige Dame habe sich noch hoch entschuldigt , daß es nur so wenig sei , aber sie habe über das Geld keine freie Verfügung . » Übrigens war der Hauser gestern bei mir , « fuhr der Hofrat fort , » und zwar kam er , um mich zu bitten , ich möchte es doch verhindern , daß er dem Polizeileutnant in Pflege gegeben werde . « » Es ist doch des Teufels ; er belästigt alle Leute mit seinen kindischen Miseren , « klagte Quandt , » auch mich hat er schon darum angegangen . « » Vor dem Hickel scheint er ja eine Heidenangst zu haben . « » Ja , der Polizeileutnant ist eben sehr streng mit ihm . « » Ich sagte ihm , daß von meiner Seite eine solche Absicht nicht vorliege , und er möge nur seine Pflicht tun , dann werde ihm niemand zunahe treten . « » Sehr wahr . « » Wir redeten noch über seine Geldkalamität , und da wollte er nicht