sage ich ganz leise , und du verschweigst es ihm - - - sogar zuweilen auch unser Pedehr ? « » Hm ! « » Du sollst nicht bloß brummen , sondern mir eine deutliche Antwort geben ! « » Wenn dein Frenk maidanosu gut ist , bekommst du sie , sonst aber nicht . « » So ist sie mir gewiß . Ich fliege nach meiner Küche ! « Und sie flog ! Ihre helle Gestalt schien den Boden nicht zu berühren , und die weißen Falten ihres Gewandes wehten wie Flügel hinter ihr . » Ihr werdet sie schon noch kennen lernen , « scherzte der Pedehr . » Sie greift zuweilen derart in die Zügel der Regierung ein , als hätte sich jedermann , vom Ustad an bis zum kleinsten Pferdehüter herab , als ihren Tifl zu betrachten . Wir aber sind damit gern einverstanden . Sie hat ein eigenes Gefühl für den rechten Augenblick . « Diese seine letzteren Worte interessierten mich . Auch ich lernte während unsers Aufenthaltes im » hohen Hause « Pekala von dieser Seite kennen . Es giebt glücklicherweise nicht wenige solcher Leute . Wohl dem Menschen und wohl auch seiner Umgebung , der , wie der Pedehr sich ausdrückte , » ein eigenes Gefühl für den rechten Augenblick « besitzt ! Aber was heißt das ? Sind diese Worte der richtige , treffende Ausdruck für das , was sie eigentlich sagen sollen ? Nein ! Man bedient sich hierfür oft auch des Ausdruckes Instinkt ; man sagt , daß derartige Personen instinktiv handeln . Aber was ist Instinkt ? Naturtrieb ! Was versteht man unter Natur ? Man spricht auch von einer » geistigen Natur « . Was heißt » natürlich « ? Körperliches , Geistiges , Seelisches kann » natürlich « sein ! War es eine Folge des Instinktes , des Naturtriebes , daß Pekala grad in dem Augenblicke bei uns erschien und dem Ereignisse eine so unerwartete Wendung gab , an welchem wir mit den drei Personen auf » dem toten Punkte « standen ? Gewiß nicht ! Sie befand sich in ihrer Küche und wußte gar nicht , was hier bei uns gethan oder gesprochen wurde . Mancher bringt die Ahnung mit dem Instinkte in Verbindung . Hatte Pekala etwas geahnt ? Nein ! Auch pflegt man instinktiv und unwillkürlich gleichzustellen . Hatte Pekala die Küche unwillkürlich verlassen ? War ihre Strafrede eine unwillkürliche Mitteilung ? Auch nicht ! Man beobachte die Personen , welche jenes » Gefühl für den rechten Augenblick « besitzen ! Man wird da oft von feinem Sinn , von Zartgefühl , von Takt und dergleichen sprechen ; man wird das , was sie thun , ihrer besonderen Einsicht , ihrer Unterscheidungsgabe , ihrer Scharfsichtigkeit zuschreiben : aber alle diese Ausdrücke sind unzureichend , und selbst wenn man das , was sie bedeuten , addieren könnte und dann die Summe prüfte , so würde man finden , daß dieses Exempel ein ganz falsches sei . Turenne sagte einst zu einem seiner Generale : » Ihr kommandiert nicht , sondern ihr werdet kommandiert ! « Ist die Ahnung für den » rechten Augenblick « eine Thätigkeit von mir , oder wird sie mir gegeben ? Ist es richtig , zu sagen , daß ich ahne , oder habe ich zu sagen , daß mir diese Ahnung irgendwoher komme ? Ich handle unwillkürlich , also ohne Willkür , ohne Willen . Der Antrieb kommt nicht von mir . Von wem sonst ? Jedenfalls von einer Seite , auf welcher es größere Einsicht giebt , als ich besitze ! Und diese außer mir existierende und auf mich wirkende größere Klugheit soll ich als einen in mir verhandenen Naturbetrieb bezeichnen ? Nein ! Wer aber ist der Turenne , der mich im » rechten Augenblicke « vorwärts kommandiert ? Wie schaut er aus ? Wo ist der erhabene Punkt , von welchem aus er , was ich denke , will und thue , dirigiert ? Ist er jenes für uns leider noch so außerordentliche unbekannte Wesen , welches wir die » Seele « nennen ? Wenn diese Seele sowohl in uns als auch außerhalb von uns in der Weise thätig ist , daß beide Arten dieser Thätigkeit in innigem Zusammenhange miteinander stehen , so ist es erklärlich , warum wir die uns von außen her gegebene » Ahnung « für eine innere Thätigkeit von uns selbst halten . Und es gilt hierbei , der Wahrheit gemäß zuzugeben , daß der Turenne da draußen unendlich mehr überschaut , als unser schwacher , blöder Blick erfassen kann . Das sind nicht etwa metaphysische Schlüsse , sondern sie gründen sich auf täglich sich wiederholende Vorkommnisse in Innern meiner vor aller Augen existierenden Persönlichkeit . Wer nicht gelernt hat , die Vorgänge seines innern Lebens ebenso unausgesetzt wie scharf und unbefangen zu beobachten und zu vergleichen , dem wird es allerdings bequemlich sein , sehr vieles , was er nicht zu begreifen versteht , ganz einfach postlagernd nach dem Reiche des Uebersinnlichen zu adressieren , damit er , der physisch gern Bequeme , hinter seinem eigenen Schalter ruhig schlafen könne . - Als der Pedehr sich entfernt hatte , holte Tifl für Hanneh , Kara und mich ein niedriges Serir123 und brachte uns dann die von Pekala so energisch verteidigte Frenk maidanosu-Suppe , welche wir zusammen aßen . Dann ging ich schlafen , denn der heutige lange Aufenthalt in der ozonreichen , freien Luft hatte mich ermüdet . Als ich am nächsten Morgen erwachte , war Kara schon wieder ausgeritten , doch ohne Tifl , weil dieser durch verschiedene Besorgungen in Betreff der gefangenen Soldaten zurückgehalten wurde . Halef war einmal für kurze Zeit aufgewacht . Er hatte mit Hanneh gesprochen . Es waren zwar nur wenige Worte gewesen , aber so lieb und klar , daß die Gute sich ganz glücklich über diesen Fortschritt fühlte . Als Schakara mir das Frühstück brachte und ich mich nach dem kranken Scheik der Kalhuran