und Agnes war sehr glücklich , mal was andres zu haben als ihr Strickzeug und die schönen Bilder ansehn zu können . Denn es waren auch Schlösser drin und kleine Teiche , drauf Schwäne fuhren , und auf einem Bilde , das eine Beilage war , waren sogar Husaren . Engelke brachte jeden Morgen einen neuen Band , und mal erschien auch Elfriede , die Lorenzen , um nach Dubslavs Befinden fragen zu lassen , von der Pfarre herübergeschickt hatte . » Die kann sich ja die Bilder mit ansehen « , sagte Dubslav ; » am Ende macht es ihr selber auch Spaß , und vielleicht kann sie dem kleinen Ding , der Agnes , alles so nebenher erklären , und dann is es so gut wie ' ne Schulstunde . « Elfriede war gleich dazu bereit . Und nun standen die beiden Kinder nebeneinander und blätterten in dem Buch , und die Kleine sog jedes Wort ein , was die Große sagte . Dubslav aber hörte zu und wußte nicht , wem von beiden er ein größeres Interesse zuwenden sollte . Zuletzt aber war es doch wohl Elfriede , weil sie den wehmütigen Zauber all derer hatte , die früh abberufen werden . Ihr zarter , beinahe körperloser Leib schien zu sagen : » Ich sterbe . « Aber ihre Seele wußte nichts davon ; die leuchtete und sagte : » Ich lebe . « Das mit den Bilderbüchern dauerte mehrere Tage . Dann sagte Dubslav : » Engelke , das Kind fängt heute schon wieder von vorn an ; es ist mit allen vier Bänden , so dick sie sind , schon zweimal durch ; ich sehe , wir müssen uns was Neues ausbaldowern . Das is nämlich ein Wort aus der Diebssprache ; soweit sind wir nu schon . Übrigens ist mir was Gutes eingefallen : hol ihr eine von unsern Wetterfahnen herunter . Die stehn ja da bloß so rum , un wenn ich tot bin und alles abgeschätzt wird - was sie ordnen nennen - , dann kommt Kupperschmied Reuter aus Gransee und taxiert es auf fünfundsiebzig Pfennig . « » Aber , gnäd ' ger Herr , uns ' Woldemar ... « » Nu ja , Woldemar . Woldemar ist gut , natürlich , und die Comtesse , seine junge Frau , is auch gut . Alles is gut , und ich hab es auch nicht so schlimm gemeint ; man redt bloß so . Nur soviel is richtig : meine Sammlung oben is für Spinnweb und weiter nichts . Alles Sammeln ist überhaupt verrückt , und wenn Woldemar sich nich mehr drum kümmert , so is es eigentlich bloß Wiederherstellung von Sinn und Verstand . Jeder hat seinen Sparren , und ich habe meinen gehabt . Bring aber nich gleich alles runter . Nur die Mühle bring und den Dragoner . « Engelke gehorchte . Den ersten Tag , wie sich denken läßt , war Agnes ganz für den Dragoner , der , als man ihn vor Jahr und Tag von seinem Zelliner Kirchturm heruntergeholt hatte , frisch aufgepinselt worden war : schwarzer Hut , blauer Rock , gelbe Hosen . Aber sehr bald hatte sich das Kind an der Buntheit des Dragoners satt gesehen , und nun kam statt seiner die Mühle an die Reihe . Die hielt länger vor . Meistens - wenn sie nur überhaupt erst im Gange war - brauchte das Kind bloß zu pusten , um die Mühlflügel in ziemlich rascher Bewegung zu halten , und der schnarrende Ton der etwas eingerosteten Drehvorrichtung war dann jedesmal eine Lust und ein Entzücken . Es waren glückliche Tage für Agnes . Aber fast noch glücklichere für den Alten . Ja , der alte Dubslav freute sich des Kindes . Aber so wohltuend ihm seine Gegenwart war , so war es auf die Dauer doch nicht viel was andres , als ob ein Goldlack am Fenster gestanden oder ein Zeisig gezwitschert hätte . Sein Auge richtete sich gerne darauf ; als aber eine Woche und dann eine zweite vorüber war , wurd ihm eine gewisse Verarmung fühlbar , und das so stark , daß er fast mit Sehnsucht an die Tage zurückdachte , wo Schwester Adelheid sich ihm bedrücklich gemacht hatte . Das war sehr unbequem gewesen , aber sie besaß doch nebenher einen guten Verstand , und in allem , was sie sagte , war etwas , worüber sich streiten und ein Feuerwerk von Anzüglichkeiten und kleinen Witzen abbrennen ließ . Etwas , was ihm immer eine Hauptsache war . Dubslav zählte zu den Friedliebendsten von der Welt , aber er liebte doch andrerseits auch Friktionen , und selbst ärgerliche Vorkommnisse waren ihm immer noch lieber als gar keine . Kein Zweifel , der alte Schloßherr auf Stechlin sehnte sich nach Menschen , und da waren es denn wahre Festtage , wenn Besucher aus Näh oder Ferne sich einstellten . Eines Tages - es schummerte schon - erschien Krippenstapel . Er hatte seinen besten Rock angezogen und hielt ein übermaltes Gefäß , mit einem Deckel darauf , in seinem linken Arm . » Nun , das ist recht , Krippenstapel . Ich freue mich , daß Sie mal nachsehn , ob unser Museum oben noch seinen Chef hat . Ich sage Chef . Der Direktor sind Sie ja selber . Und nun kommen Sie auch gleich noch mit ' ner Urne . Hat gewiß Ihr Freund Tucheband irgendwo ausgegraben . Oder is es bloß ' ne Terrine ? Himmelwetter , Krippenstapel , Sie werden mir doch nich ' ne Krankensuppe gekocht haben ? « » Nein , Herr Major , keine Krankensuppe . Gewiß nicht . Und doch is es einigermaßen so was . Es ist nämlich ' ne Wabe . Habe da heute mittag einen von meinen Stöcken ausgenommen und wollte mir erlaubt haben , Ihnen die beste Wabe zu bringen . Es ist beinah so was wie der mittelalterliche Zehnte . Der Zehnte , wenn ich mir