faßte mit der Hand einen Brocken Erde , ließ ihn hinunterfallen in die Grube und wollte wieder gehen . Graf Egge gewahrte ihn . » Franzl ! « rief er mit erloschner Stimme . » Komm her ! Gib mir die Hand ! « Es schüttelte den Jäger , als hätte ein Krampf seine Schultern befallen . Dem Grafen , der diesen ehrlichen Kummer erkannte , ging die kalte Ruhe in heißer Rührung unter , und er begann zu weinen . Robert , von dieser Schwäche seines Vaters peinlich berührt , zischelte dem Geistlichen ein paar Worte zu , worauf der Hochwürdige Herr den Jäger beiseiteschob und den Arm des Grafen nahm . » Kommen Sie mit mir in die Kirche , Erlaucht , bei Gott ist Trost , nicht bei Menschen . « Die Glocken läuteten zum Totenamt , und während das Grab geschlossen und der Hügel mit den hundert Kränzen bedeckt wurde , füllten sich alle Bänke der Kirche . In einem Winkel neben dem Portal stand der Seewirt und wartete , bis sich der Gottesacker geleert hatte ; dann drückte er den Hut übers Haar und rannte davon . Wenige Minuten später kam vom Seehof ein geschlossener Landauer gefahren und hielt vor der Kirchenmauer . Der Seewirt , der neben dem Kutscher auf dem Bock saß , sprang herunter und öffnete den Schlag . Tassilo stieg aus . Er schien seine Bewegung gewaltsam niederzukämpfen , doch sie redete aus seinem entstellten Gesicht . Als er zwischen den Grabsteinen und eisernen Kreuzen den blumigen Hügel sah , stockte sein Schritt . In der Kirche klangen rauschende Orgeltöne und die Stimmen des Chorgesanges ; aus einem offen stehenden Fenster quoll der Duft des Weihrauchs , und über den Scheiben flimmerte ein Widerschein der brennenden Kerzen . Man hatte schon zur Wandlung geläutet , als Tassilo den Friedhof verließ , in der Hand einen kleinen Zweig mit welkenden Blumen , den er von Kittys Kranz gebrochen hatte . Vor dem Wagen nickte er dem Seewirt zu . » Ich danke Ihnen ! « Er stieg ein und sagte heiser : » Den Brief an meine Schwester besorgen Sie selbst , nicht wahr ? « » Jawohl , Herr Graf . « » Jetzt , noch ehe die Messe zu Ende ist ? « » Sofort , Herr Graf . « Der Seewirt schloß die Wagentür und schlug , während die Kutsche davonrollte , in flinkem Gange die Richtung nach Schloß Hubertus ein . Die Orgel rauschte . Und als die von München verschriebenen Sänger ein schönes Lied begannen , zwitscherten die Vögel auf allen Akazienbäumen des Friedhofes . Unter dem Schlußgeläut der Glocken wanderte Graf Egge mit Robert und den Offizieren die Straße hinaus . Schweigend traten sie in den Park , und je mehr sie sich dem Schlosse näherten , desto längere Schritte machte Graf Egge , so daß Robert und die Offiziere hinter ihm zurückblieben . Als er den Flur betrat , warf er den Zylinder in einen Winkel und riß den schwarzen Rock herunter . » Moser ! Bring ' mir mein Jagdzeug , die Schuhe Modell 64 ! Flink ! « Er trat in die Kruckenstube . Moser sprang , daß ihm der Kopf rot wurde . Nach zwei Minuten hatte er alles beisammen : Joppe , Flanellhemd , Lederhose , Wadenstutzen und Schuhe . Während er seinem Herrn beim Umkleiden behilflich war , wollte er seinem Jammer Ausdruck geben . » Schweig ! « fuhr ihn Graf Egge an . Als er sich bückte , um mit den nackten Füßen in die Schuhe zu schlüpfen , fiel sein Blick unter das Bett . Er wurde unruhig und kaute am Schnurrbart . Dann sagte er plötzlich : » Da drunten liegt was . Her damit ! « Moser kroch unter das Bett . » Jesus Maria , das schöne Gwichtl ! « Mit kreideblassem Gesicht brachte er seinem Herrn die beiden Hälften des entzweigebrochenen Geweihes und stotterte : » Meiner Seel , Herr Graf , ich hab dös Gwichtl mit keiner Hand net angrührt ! « Graf Egge griff zögernd nach den beiden Stücken und betrachtete sie . » Was kann das Geweih dafür ? « Er reichte dem Büchsenspanner die Stangen . » Flick ' die Schale wieder zusammen ! Gib dir Mühe , daß man den Schaden nicht merkt . Dann male mir ein schwarzes Kreuz darauf und häng ' das Geweih dort über mein Bett ! « Diese Entscheidung schien sein gepreßtes Gemüt erleichtert zu haben . Er fuhr aufatmend in die Joppe . » Den Hut und die Büchse ! « Ehe Moser zur Tür kam , fragte Graf Egge : » Warum kommt die kleine Geiß nicht herunter zu mir ? Weiß sie nicht , daß ich schon daheim bin ? « Der Jäger stotterte ein paar Worte . Graf Egge hörte nicht . » Die arme Schmalgeiß ! Sie muß eine böse Stunde gehabt haben , so allein daheim ! « Mit dem Ellbogen schob er den Jäger beiseite und verließ die Stube . Im Flur hörte er aus dem Billardzimmer die Stimmen Roberts und der Gäste . Einen Augenblick zögerte er , als käme ihm die Pflicht des Hausherrn zum Bewußtsein . Unter einem Laut des Widerwillens verzog er das Gesicht und stieg die Treppe hinauf . » Grüß ' dich Gott , Geißlein ! Da bin ich wieder ! « sagte er , als er in Kittys Zimmer trat . » Eine bittere Stunde war ' s. Auch das hat überstanden sein müssen ! - Geiß ? Warum siehst du mich so merkwürdig an ? « Kitty stand mit dem Rücken gegen das Fenster ; in ihrem beschatteten Gesicht brannten die Augen , die starr am Vater hingen . Dieser Empfang verdroß ihn . » Ach so ? Vielleicht , weil ich schon wieder in den Ledernen stecke ? Ich hätte wohl bleiben sollen ? Das stimmt . Aber ich halt es hier nicht aus . Das Dach