ich ihm nicht zu folgen vermag . Industriealismus , Kapitalismus , sie haben nun einmal das Heft in Händen und werden sich ' s nicht durch die glänzendste Künstlerphantasie entwinden lassen ... Selbst königliche Macht ... Die Zeiten Ludwigs des Ersten sind nicht mehr die Ludwigs des Zweiten ... « Es klingelte . Achthuber eilte an die Thür und steckte den Kopf hinaus . » Nein , Isidor , melden Sie dem Herrn Bankier Weiler , daß ich ihn jetzt unmöglich befriedigen kann ... In vierzehn Tagen wollen wir sehen ... Wie ? Pfand ? Er soll sich selbst oder den Gerichtsvollzieher herausbemühen und sich nehmen in drei Teufels Namen , was ihm gefällt . Bargeld hab ' ich jetzt nicht . Den Wechsel nehmen Sie nur wieder mit . Adieu ... Nochmal : nein ! Vorwärts , sag ' ich ... Betrachten Sie sich meinetwegen als hinausgeworfen ... « Die Thür flog zu . Zwischen den dichten rötlich-blonden Augenbrauen des Künstlers stand eine düstere Falte . Zu Drillinger zurückkehrend : » Ich bitte um Vergebung . Ja , ja , das Geld im Kleinen ist ein schändliches Ding . Mein Bankier hat eine wahnsinnige Inkasso - Wut ... Mit Millionen ! ist bequemer arbeiten , die sind weit nobler und gefügiger , als die Tausender . Kleine Summen sind immer plebejisch ... « Drillinger hatte sich schweigend erhoben . Der Zwischenfall , von dem er unfreiwilliger Zeuge gewesen , drückte auf seine Stimmung und ließ die kaum verscheuchte Schwermut wieder die Oberhand gewinnen . » Wollen Sie einen Blick auf meine Arbeiten werfen ? « fragte Achthuber sich zusammennehmend . » Es sind Einfälle darunter , die Ihnen nicht mißfallen werden . Einzelne frühere Werke werden Sie bereits vom Kunstverein her oder aus Kritiken kennen . Was ich im Kunstverein ausstellte , war natürlich dummes Zeug , Schaugericht für Krethi und Plethi ; ist auch längst verkauft . Dergleichen mache ich nie wieder . Konzessionen schwacher Stunden und gewisser Bedürftigkeiten , deren man sich besser schämt . Die Kritik pflegt solche Sünden natürlich mit höchstem Lobe auszuzeichnen . Waren Sie nicht selbst eine zeitlang kritisch thätig ? Es ist mir als ... kurz vor meinem Abstecher nach Amerika ... « » Meinen Sie mein journalistisches Unternehmen mit dem Baron Almen ? Ein unglücklicher Versuch . Seitdem habe ich die Hand von der Presse gelassen ... « » Das verdenke ich Ihnen nicht . Unsere Preßverhältnisse lassen viel zu wünschen übrig . « » Wo ein Preßbandit möglich ist , wie dieser Kloakenhäuptling ... « » Den rechne ich nicht zur Münchener Presse . Nein , das möchte ich unserer Journalistik nicht anthun , so wenig ich mich ihr zu Artigkeiten verpflichtet fühle ; sie hat mich , besonders in meinen Anfängen , oft gemein genug behandelt . Jetzt schweigt sie mich fleißig tot , das nehme ich ihr weniger übel . Aber dieser Preßbandit ist für mich doch nur eine lustige Person . Neulich wollte er sich auch an mir reiben , aber ich habe ihm einstweilen einige Hiebe brieflich aufgesalzen , die fruchten werden . Ich stehe nämlich in gewissen Beziehungen zu ihm , sehr sonderbarer Natur , von früher her , durch sein Weib ... Nicht wahr , da staunen Sie ? Kennen Sie sein Weib ? Ich meine nur so ... « » Vom Sehen ? Allerdings . « » Natürlich nur vom Sehen . Ich auch . Nur habe ich sie besser gesehen , als irgend einer , als Aktmodell nämlich , in ganzer Figur , wie sie Gott geschaffen und ein Tätowierkünstler verbessert hat . Das ist eine furchtbar komische Geschichte . Nach der Anrempelei des Preßbanditen habe ich keine Veranlassung mehr , sie länger geheim zu halten . Also die Donna kam aus Hamburg hieher , aus irgend einem Matrosen-Paradies . Eine teufelmäßige Schönheit , die hier zuerst mit Modellstehen ihren Weg machen wollte . Die wenigsten Künstler wußten etwas mit ihr anzufangen ; auch wollte sie sich nicht weiter als bis zu den Lenden hergeben . Da kam sie zu mir - und beehrte mich mit einem unfaßlichen Vertrauen . Das heißt : Hofbräuhaus-Bock drei Glas , hierauf Marsala anderthalb Flaschen und einige Fingerhüte voll Chartreuse hatten sie beschwipst ... Daran war ich nicht ganz unschuldig ... Gewisse Frauen sind erst im beschwipsten Zustande zu ergründen , dann aber unfehlbar ... Und meine Entdeckung ! An der Innenseite beider Schenkel von der Kniekehle bis oben hinauf tätowiert : einen Löwenkampf unter Palmen darstellend ! Die Bestien fletschen die Zähne , hauen mit den Schwänzen um sich , packen sich im Nacken , in den Flanken - ein dämonisches Kampfbild , naiv aufgefaßt , grotesk dargestellt , aber von unerhörter Wirkung an dieser Stelle ... « » Das möcht ' ich wahrhaftig ... nein , nicht in natura , aber in einer beglaubigten Abschrift sehen . « » Der Wunsch ist berechtigt und soll erfüllt werden . Sie sind zwar nicht der Erste , dem ich ' s zeige , aber der Erste , dem ich den Namen der Besitzerin des lebendigen Originales mitteile . Kommen Sie ! « Achthuber führte den Baron in eine verschlossene Abteilung des Ateliers . » Das ist mein Raritätenkabinet , das ich nur ganz Intimen öffne . Einem Freunde Zwergers biete ich den Eintritt als Gastgeschenk . « » Ich werde diese Auszeichnung zu würdigen wissen , « antwortete der Baron verbindlich . » Das , ist der Tempel der Natürlichkeit oder sagen wir schöner : Vermählung von Natur und Kunst . Für klassisch verdorbene Akademikeraugen ein Ort des Schreckens und der Qual ... « fuhr der Bildhauer fort , nachdem er von einigen Gruppen und Statuen die schützende Hülle , grobe , staubgraue Tücher , genommen . Längs der Wand standen auf einem niedrigen Simse eine Reihe von kleineren Skizzen . » Suchen Sie ! « rief Achthuber . » Hier das Frauenzimmer auf dem ominösen Stuhl ? Erlauben Sie , das ist unerhört , das