, landete , sich ins Land schlich , bald hier , bald da einen Trupp der Feinde überfiel und zersprengte und solche Unsicherheit verbreitete , daß sich die Byzantiner nur in starken Abteilungen und nie zu weit von ihren Lagern zu entfernen wagten , während diese Erfolge die hart bedrängte , von steten Wachdiensten und Kämpfen angegriffene Mannschaft des Uliaris immer wieder ermutigten . Bei alledem konnte sich Totila nicht verhehlen , daß die Lage schon jetzt eine höchst bedenkliche und , sowie einige griechische Schiffe vor der Stadt erschienen , eine unhaltbare werde . Er verwandte daher einen Teil seiner Boote dazu , täglich eine Anzahl von wehrunfähigen Einwohnern aus Neapolis aufwärts nach Bajä und Cumä zu schaffen , wobei er die Anforderung der Reichen , daß diese Rettungsfahrten nur gegen Bezahlung stattfinden sollten , streng zurückwies und ohne Unterschied Arme wie Reiche in seine rettenden Schiffe aufnahm . Vergebens hatte Totila wiederholt und immer dringender Valeria gebeten , unter dem Schutz von Julius auf diesen Schiffen zu flüchten : noch wollte sie sich von dem Sarge ihres Vaters , noch von dem Geliebten nicht trennen , dessen Lob als des Schirmers der Stadt sie nur zu gern aus aller Munde einsog . Und ruhig fuhr sie fort , in dem väterlichen Hause ihrer Trauer und ihrer Liebe zu leben . Drittes Kapitel . In diesen ersten Tagen der Belagerung empfand auch Miriam die höchsten Freuden und die höchsten Schmerzen ihrer Liebe . Häufiger als je konnte sie sich in des Geliebten Anblick sonnen : denn die Porta Capuana war ein wichtiger Punkt der Befestigung , den der Seegraf oft besuchen mußte . In der Turmstube des alten Isak hielt er täglich mit Graf Uliaris den traurigen Kriegsrat . Dann pflegte Miriam , wann sie die Männer begrüßt und das schlichte Mahl von Früchten und Wein auf den Tisch gestellt , hinunterzuschlüpfen in das enge Gärtlein , das dicht hinter der Turmmauer lag . Der Raum war ursprünglich ein kleiner Hof im Tempel der Minerva , der Mauerbeschützerin , gewesen , der man gern an den Haupttoren der Städte einen Altar errichtete . Seit Jahrhunderten war der Altar verschwunden : aber noch ragte hier der alte , mächtige Olivenstamm , der einst die der Göttin geweihte Statue beschattet hatte : und ringsum dufteten die Blumen , die Miriams liebevolle Hand hier gepflegt und oft für die Braut des Geliebten gebrochen hatte . Gerade gegenüber dem riesigen Ölbaum , dessen knorrige Wurzeln über die Erde hervorstarrten und eine dunkle Öffnung in den Erdgeschossen des alten Tempels zeigten , war von dem Christentum ein großes , schwarzes Holzkreuz angebracht über einem kleinen Betschemel , der aus einer Marmorstufe des Minervatempels gebildet war : - man liebte , die Stätten des alten Gottesdienstes dem neuen zu unterwerfen und die alten Götter , die jetzt zu Dämonen geworden , durch die Sinnbilder des siegreichen Glaubens zu verscheuchen . Unter diesem Kreuz saß das schöne Judenmädchen oft stundenlang mit der alten Arria , der halbblinden Witwe des Unterpförtners , die , nach dem frühen Tod von Isaks Weib , wie eine Mutter das Heranblühen der kleinen Miriam mit ihren Blumen in dem öden Gestein der alten Mauern überwacht hatte . Da hatte diese viele Jahre lang still lauschend zugehört , wie die fromme Alte in fleißigem Gebet zu dem Gott der Christen flehte : und unwillkürlich war so mancher Strahl der mildern , hellern Liebeslehre des Nazareners in das Herz der Heranwachsenden gedrungen . Jetzt , da Alter und Erblindung die Witwe hilfsbedürftig gemacht , vergalt Miriam mit liebevoller Treue der Pflegerin ihrer Kindheit . Mit Rührung nahm Arria diese Treue hin ; ihr altes Herz umschloß mit Dank und Liebe und Mitleid das herrliche Geschöpf , dessen mächtige Liebe zu dem jungen Goten sie längst erkannt und beklagt , aber nie gegenüber der scheuen Jungfrau berührt hatte . Am Abend des dritten Tages der Belagerung schritt Miriam nachdenklich die breiten Mauerstufen nieder , die von der Turmpforte in den Garten führten : ihr edles , seelentiefes Auge glitt , in ernstes Sinnen verloren , über die duftigen Blumen der Beete hin : auf der letzten Stufe blieb sie träumend stehen , die linke Hand auf den Mauerrand lehnend . Arria kniete auf dem Betschemel , ihr den Rücken wendend , und betete laut . Sie würde die Nahende nicht bemerkt haben , wenn nicht geflügeltes Leben plötzlich den stillen Hof beseelt hätte : denn in den breiten Zweigen der Olive nisteten die schönsten weißen Tauben , der einsamen Miriam einzige Gespielinnen . Als diese die vertraute Gestalt auf den Stufen erscheinen sahen , erhoben sie sich alle , in schwirrendem Flug ihr Haupt umschwärmend ; eine ließ sich auf des Mädchens linke Schulter nieder , die andre auf das feine Gelenk der Rechten , die Miriam , aus ihrem Traume geweckt , lächelnd ausstreckte . » Du bist ' s , Miriam ! deine Tauben verkünden dich ! « sprach Arria sich wendend . Und das schöne Mädchen stieg die letzte Stufe nieder , langsam , die Vögel nicht zu verscheuchen ; die Abendsonne fiel durch die Blätter der Olive auf ihre pfirsichroten Wangen : es war ein lieblich Bild . » Ich bin ' s , Mutter ! « sagte Miriam , sich zu ihr setzend . » Und ich hab ' eine Bitte . Wie lautet , « fragte sie leiser , » dein Spruch vom Leben nach dem Tode , dein Glaubensspruch ? - ich glaube an die Gemeinschaft . « - - » An die Gemeinschaft der Heiligen , Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben . « - » Wie kömmst du auf diese Gedanken . « » Ei nun , « sagte Miriam , » mitten im Leben stehen wir im Tode , sagt der Sänger von Zion . Und jetzt wir besonders ! Fliegen nicht täglich Pfeile und Steine in die Straßen ? Aber ich will noch Blumen pflücken ! « sprach sie wieder aufstehend .