' ich die Thür , wenn er sich noch einmal in meinem Hause blicken läßt ! Er und der Baron wendeten sich dabei gleichzeitig nach der Seite um , an welcher der Marquis sich vorhin befunden , indeß sie gewahrten , daß er den Saal verlassen hatte , und leidenschaftlicher , als der Amtmann seinen Herrn jemals gesehen , rief dieser : Stecken Ihm auch die aufsässigen Gedanken im Sinne ? Vergißt Er , daß ich Sein Herr bin ? Wo ist Sein Haus , Er Unverschämter ? Aber grade die Maßlosigkeit des Barons brachte Adam zur Besinnung , und sich gewaltsam fassend , sagte er : Ich vergesse nicht , daß ich in den Diensten des gnädigen Herrn bin , aber ich bin nicht sein Knecht , nicht sein Höriger : Ich bin ein freier Mann , gnädiger Herr ! Wo ich und meine Väter mit Ehren seit langen Jahren Haus gehalten haben , da ist mein Haus , und ich müßte kein Mann von Ehre sein , wenn ich da nicht Jedermann die Thüre wiese , der mit Unehren sich an meine Schwester wagt ! Er war blaß geworden , während er so sprach ; auch der Freiherr hatte die Farbe gewechselt . Nun denn , rief er , Hausrecht wider Hausrecht ! Ich will Ihm zeigen , wer hier Herr ist , da Er ' s zu vergessen scheint ! Er verläßt mein Haus und meinen Dienst ! Das traf den Amtmann , aber auch dem Freiherrn war nicht wohl zu Muthe , da er das Wort gesprochen . Einen Augenblick fühlte Adam , als sinke er in das Leere , indeß den Freiherrn wollte er das nicht merken lassen , und sich zusammennehmend , sagte er , ohne eine Miene zu verziehen : Der Herr Baron haben zu befehlen ! Aber gleich heute oder morgen kann ich nicht von hier fort - wie viel Zeit wollen der Herr Baron mir lassen ? Die anscheinende Ruhe seines Untergebenen reizte den Baron , und sein Zorn gegen die männliche Fassung Adam ' s , in welcher jener nur die jetzige ihm so verhaßte Auflehnung des bürgerlichen Standes gegen die über ihm stehende Classe des Adels sah , verhärtete seinen Sinn . Mach ' Er das mit sich selber ab ! gab er dem Amtmanne kurz zur Antwort , kehrte ihm den Rücken und entfernte sich durch die Seitenthür , durch welche der Marquis vorhin gegangen war . Der Amtmann stand eine Minute lang regungslos auf seinem Platze , dann ging er langsam durch den Haupteingang von dannen . Fünfzehntes Capitel Es war ein schwerer , gewichtiger Schritt , mit dem der Amtmann durch die breiten Gänge , durch die hohe Eintrittshalle und über die weit hingelagerte Rampe hinabschritt , aber das Herz war ihm noch schwerer . Was er jetzt erlebt hatte , was ihm eben jetzt widerfahren , war keine Kleinigkeit . Siebenundzwanzig Jahre hatte sein Urgroßvater die Arten ' schen Güter verwaltet , achtundvierzig Jahre sein Großvater . Zu seines Vaters Zeiten hatte Baron Franz die hundertjährige Dienstzeit der Steinerts auf Schloß Richten feierlich begangen . Der reichverzierte silberne Pokal , den der Freiherr damals seinem Amtmanne verehrt , stand noch mit dem Eichenkranze , der freilich welk geworden war , voran im großen Glasschranke . Seit acht Jahren , seit seines Vaters Tode , wirthschaftete Adam nun für den Baron , und als er die Stelle angetreten , war er mit dem guten , festen Glauben darangegangen , hier zu leben und zu schaffen und zu sterben wie die Amtleute vor ihm , wie sein Vater und dessen Vater auch . Allerdings hatten seitdem die Zeiten und die Zustände sich sehr verändert . Er konnte nicht mehr , wie sein Vater es gethan , am Neujahrstage es dem Herrn vermelden , daß und welchen Ueberschuß die Güter eingetragen . Es war seit den acht Jahren immer mehr aufgegangen , als man eingenommen hatte ; der Kirchenbau , die Unterstützung der vielen Flüchtlinge , das breite , keinen Zeitverhältnissen sich unterordnende Gesellschaftsleben und die große Prachtliebe des Barons , welche von der Herzogin genährt ward , hatten in wenig Jahren nicht nur die angesammelten Capitalien aufgezehrt , sondern , da man in den letzten Jahren oft schnell das Geld gebraucht , mannigfache Anleihen nöthig gemacht , für die man bei den unruhigen Zeiten ungewöhnlich hohe Zinsen zahlen müssen , die man nicht immer gleich zu decken im Stande gewesen war und welche neue Anleihen erfordert hatten . Freilich waren diese Verlegenheiten durch Aufnahme einer Hypothek auf Rothenfeld , in welcher Adam , um keine fremden Hände an das Gut heranzulassen , durch Herrn Flies sein und Eva ' s Vermögen angelegt , für den Augenblick beseitigt worden und wenn Adam sich auch Sorge darüber machte , daß schon wieder neue Wechsel für den Freiherrn zu zahlen waren , so hatte er auch wieder besser als ein Anderer die Hülfsquellen der Arten ' schen Besitzungen gekannt und sich damit beruhigt , daß Alles noch auszugleichen und herzustellen sei , wenn man einmal mit dem unnützen Kirchenbaue fertig und der kostspieligen Flüchtlinge ledig geworden sein würde . Auf Jahre hinaus hatte er seine Berechnungen , seine Plane angelegt ; all sein Sinnen , all seine Kraft und Gedanken hatte er an die Verwaltung dieser Güter geknüpft . Von früh auf , durch eine hundertjährige Vergangenheit , durch alle seine Familien-Erinnerungen gewöhnt , das Schicksal der Steinert ' s mit dem der Herren von Arten , denen sie dienten , unzertrennlich verbunden zu denken , war ihm erst in den allerletzten Zeiten je zuweilen die Vorstellung gekommen , daß es so nicht immer gehen , daß Verhältnisse eintreten könnten , unter denen er nicht im Stande sein würde , die Herrschaft weiter zu bewirthschaften . Es hatten ihm das jedoch so entfernte Möglichkeiten gedünkt , daß er sich nie lange , nie ernstlich mit ihnen beschäftigt ; und daß er , einer von den Steinerts , einer von den