wollten uns ja damals gegenseitig die Köpfe einschlagen ! Nun , schon auf dieser Gesellschaft hat Deine Frau mit dem verdammten Bengel , dem Doctor Stein auf eine Weise coquettirt , daß es Allen auffiel , auch mir . Ich hatte die Sache indessen vollkommen vergessen , bis ich gestern wieder daran erinnert wurde . Ich war gestern , wie Du Dich erinnerst , früher von Stilow ' s weggegangen , weil mir , offen gestanden , der Wein zu schlecht war und ich großen Durst hatte . So gerieth ich denn in den Rathskeller , wo die Gesellschaft freilich gemein genug , der Wein aber vortrefflich ist . Es saßen so ein Dutzend Menschen : Literaten , Schauspieler und sonstiges Gesindel um einen Tisch , unter ihnen unser alter Bekannter , der Feldmesser Timm , der das große Wort führte . Ich setzte mich in einiger Entfernung , ließ mir ein paar Dutzend Austern und eine Flasche Champagner geben und hörte zu , weil ich wohl zuhören mußte . Sie sprachen Gott weiß was für verrücktes Zeug , von dem ich kein Wort verstand , und wollte eben einnicken , als plötzlich Dein Name genannt wurde , oder vielmehr nicht dein Name , sondern der Deiner Frau . Natürlich war ich sofort wieder hell wach . - Wer ist das ? fragte Einer . Eine ganz famose Person , sagte Timm . - Nun , und die poussirt Freund Stein ? - So ist es . - Ein verteufelter Kerl , dieser Stein . - Wie ist er denn an die gekommen ? Das ist eine lange Geschichte , sagte Timm , und nun steckten sie die Köpfe zusammen und sprachen so leise , daß ich das Uebrige nicht verstehen konnte . Jedenfalls lachten sie dabei wie toll , und ich hatte große Luft , ihnen meine Flasche an die Köpfe zu werfen . Weshalb hast Du ' s nicht gethan ? fragte Cloten . Ich fange in einem fremden Lokal nicht gerne Skandal an ; es ist mir zu oft schlecht bekommen , erwiderte Barnewitz , sich den Rest in sein Glas gießend . Eine Pause entstand , die Cloten mit den in heftigem Ton ausgestoßenen Worten unterbrach : Ich glaube kein Wort von alldem ! Barnewitz zuckte die Achseln . Es ist auch das Beste , was Du thun kannst . Ich verbitte mir dergleichen ! rief Cloten auffahrend . Ich sage nichts , als was die Welt sagt ; erwiederte Barnewitz , sein Glas behaglich schlürfend . Du meinst wohl : über Dich sagt die Welt nichts ? fragte Cloten höhnisch . Was sagt die Welt von mir ? rief Barnewitz , jetzt ebenfalls aufspringend . Der Teufel soll den holen , der es wagt - und ich dächte , Du hättest vor Allen Grund , Deinen Mund zu halten . Grund oder nicht . Ich sehe nicht ein , weshalb ich nicht eben so gut sprechen darf , wie Du . Du ! sagte Barnewitz , die Hände in die Taschen steckend , mit höhnischem Grinsen ; Du denkst wohl Wunder , welches Glück Du bei den Damen machst . Die Herren waren gezwungen , ihren Wortwechsel abzubrechen , denn gerade jetzt wurde die Thür zum Billardzimmer geöffnet und der Professor Jäger , nachdem er durch seine runden Brillengläser eine vorsichtigen Blick hineingeworfen , schlich in das Gemuch . Auf des Professors blassem Gesicht trat heute das stereotype Lächeln mit den heruntergezogenen Mundwinkeln um so mehr hervor , als er sich offenbar Mühe gab , die Stirn in die ernstesten Falten zu legen und durch die runden Brillengläser möglichst melancholisch drein zu schauen . So näherte er sich den beiden Edelleuten , machte ihnen eine sehr verbindliche Verbeugung und sagte : Ich bitte tausendmal um Entschuldigung , wenn ich die Herren störe , indessen - Kommen Sie her , Professor , sagte Barnewitz , der sehr froh über diese Störung war , trinken Sie ein Glas Pichon mit ; Kellner , noch eine - Bitte , bitte , danke ergebenst , bedaure nochmals unendlich , daß ich die Herren in diesem gemüthlichen Plauderstündchen unterbreche ; indessen ich hörte in Ihrem Hause , Herr von Cloten , daß ich Sie hier finden würde , und eine Sache von Wichtigkeit , die ich Ihnen mitzutheilen habe - Geniren sich die Herren nicht , sagte Barnewitz , ich gehe so lange in ' s Lesezimmer . Bitte , bitte - ich habe nur drei Worte - Na , immerzu , ruft mich nur , wenn Ihr fertig seid . Mit diesen Worten ging Barnewitz in das Nebengemach , wo er , die Ellenbogen auf den Tisch und das Haupt in die Hände gestemmt , sich in die Lectüre des Grünwalder Amtsblattes vertiefte . Er war kaum fort , als Professor Jäger sich zu Cloten wandte und in geheimnisvollem Flüsterton sagte : Herr von Cloten , ich habe Ihnen eine Nachricht mitzutheilen , die Sie erschrecken wird . Cloten wurde blaß und trat einen Schritt zurück . Sein erster Gedanke war , daß sein Pferdestall in Brand gerathen und Arabella und Macdonald , seine beiden Vollblutpferde , ein Raub der Flammen geworden . Aber der Professor ließ ihn nicht lange in dieser schrecklichen Ungewißheit , sondern sagte mit hohler Stimme , die Mundwinkel so tief herunterziehend , daß sie unter dem Kinn wieder zusammenzustoßen schienen : Ihre Frau Gemahlin - Ha ! rief Cloten , was soll ' s , was giebt ' s ? Ich weiß es nicht , erwiderte Jäger , aber ich fürchte Schlimmes . Sehen Sie dieses Blatt ; ich hab ' es so eben auf dem Schreibtisch meiner Frau gefunden , - doch bevor ich Ihnen , was auf dem Blatte steht , vorlese , schwören Sie mir , daß Sie nie sagen wollen , von wem diese Nachricht ursprünglich stammt . Ich schwöre , was Sie wollen , sagte Cloten , was hat ' s mit dem Blatt auf sich ? Gleich ,