seiner Wohnung gewesen , und da Rachel es also mochte gut befunden haben , darüber zu schweigen , so that Ulrich um ihretwillen das Gleiche . Der Jude zeigte zuerst die alte kriechende Höflichkeit , sagte , daß er in Noth und Angst wiederkäme , um von Ulrich einen großen Dienst zu erbitten , durch den er allein großes Unglück von ihm abwenden könne . Ulrich entgegnete ruhig , daß er sich wundern müsse , wie Ezechiel noch zu ihm kommen könne , nachdem er schon das vorige Mal sein Vertrauen zurückgewiesen - inzwischen aber erkannt habe , wie recht er daran gethan , da der Jude nur ein lügenhaftes Spiel mit ihm getrieben , um durch ein unredliches Mittel irgend einen unredlichen Zweck zu erreichen ; es sei wohl besser , wenn sie einander aus dem Wege gingen und vergäßen , je einander darauf begegnet zu sein . Diese Worte drängten den Juden rasch zum Ziel , da er daraus sah , daß Ulrich in keinem Falle ihm vertrauen würde , und daß es unmöglich sein werde , durch List und Verstellung etwas von ihm zu erreichen , so griff er gleich zu seinem letzten , und wie er meinte , unfehlbaren Mittel : der Drohung . » Muß ich mich doch verwundern , « begann er , » daß Ihr mir möget also schnöde begegnen . Ist es nicht in meiner Macht , Euch ganz und gar zu verderben ? Hab ' t Ihr nicht aus dem Benediktinerkloster fortgeholfen einem Mönch , der verurtheilt gewesen zum Tode ? Hab ' t Ihr nicht damit selbst verwirkt den Tod vor dem geistlichen Gericht ? Ihr und Euer Freund , der mit Euch gewesen ist , und der Novize , der Euch geholfen hat ? Denkt Ihr , ich weiß das Alles nicht haarklein ? Aber ich weiß auch noch mehr . Wird nicht ein Baubruder , der nicht keusch und züchtig lebt , sondern mit Frauenzimmern sich abgiebt und zur Nachtzeit in ihre Wohnungen dringt , mit Schimpf und Schande verwiesen aus der Genossenschaft freier Steinmetzen ? Denkt Ihr , ich weiß nicht , daß Ihr Euch hab ' t eingelassen mit der schönen Frau von Scheurl , und daß Ihr trotzdem seid nachgeschlichen dem armen Judenmädchen - seid zur Nachtzeit in die verachtete Judengasse geschlichen , weil Ihr hab ' t gewußt , ich sei auswärts , hab ' t Ihr mir wollen verführen mein einziges Kind ? « » Haltet ein , so frech zu lügen ! « rief Ulrich erglühend . » Oho ! « antwortete der Jude ; » ich habe viele Zeugen , und Ihr vermöget weder mich einer Lüge zu zeihen , noch eine dieser Anklagen abzuwälzen , wenn sie werden angebracht wieder Euch . Wenn die That sich läßt so klar beweisen , gilt auch das Zeugniß des Juden , wenn Ihr das etwa darum verachten solltet ; es giebt genug Christen , die mit mir das Alles bezeugen werden - und soll Euch bleiben nicht die mindeste Ausflucht . Aber ich hab ' ein dankbar Gemüth und nicht vergessen , daß Ihr Euch einmal angenommen meiner und meines Kindes , und hab ' t mir herausgegeben den gefundenen Ring darum will ich schweigen , wenn Ihr mir nur thut einen einzigen kleinen Gefallen : verschaffet mir denselben Ring wieder von der Frau von Scheurl - denn der Ritter von Streitberg wollte einlösen sein Pfand , und will mir nun an Leib und Leben , weil ich es habe vorher gelassen aus meinen Händen . « » Der Ritter von Streitberg wird Euch schwerlich viel schaden , « antwortete Ulrich , » denn die Nürnberger werden nicht eher von Weyspriach ' s Burg ziehen , bis sie sich der beiden gefährlichen Straßenräuber bemächtigt - und mir scheint , Ihr thätet besser , Euch als ein Feind dieser Herren zu zeigen , als zuzugeben , daß Ihr allezeit gemeinschaftliche Sache mit ihnen gemacht . Im Uebrigen muß ich Euch wiederholen : sag ' t über mich aus , wahr oder falsch , was Ihr woll ' t - ich kann Euer Verstummen nicht durch etwas erkaufen , das mir ganz unmöglich ist zu thun - « » Ist nicht unmöglich ! « feil ihm der Jude in ' s Wort . » Trotzdem , daß Ihr mich nimmer hab ' t haben wollen zum Liebesboten , hab ' t Ihr Euch doch gegen mich verrathen ; ich weiß nun um so mehr , wie Ihr steht mit der Frau von Scheurl , und daß sie Euch wird jeden Wunsch erfüllen , den Ihr von ihr fordern möget , schon damit sie nicht - « » Still ! « gebot Ulrich und stampfte unwillig mit dem Fuße . » Ich höre nicht länger solch ' unsinniges Gewäsch mit an . Ich kann nicht thun , was Ihr woll ' t ; thut selbst , was Euch gut dünkt , redet mir nach , was Ihr wollt und wo Ihr es wollt ; ich habe kein Mittel , Euer Schweigen zu erkaufen und Euch vom Lügen-und falschem Zeugnißreden zurück zu halten , denn ich verschmäh ' es , Euch wieder zu drohen wie Ihr mir : daß es mich auch nur ein Wort kostet , und Ihr seid überwiesen an Streitberg ' s und Weyspriach ' s Schuld mit Theil zu haben - seid versichert , man wird keine langen Umstände mit dem Juden machen ! « » Gott meiner Väter ! « rief der Jude , » Ihr redet das nur so in das Blaue hinein ; der Jude Ezechiel ist alt und erfahren genug , um zu wissen , wie es mit ihm steht und was er hat zu thun oder zu lassen . So lange Weyspriach ' s Burg noch steht , gebe ich Euch Bedenkzeit , so lange werde ich schweigen . Schafft Ihr mir bis dahin den Ring , so seid Ihr für alle Zeiten meiner Dankbarkeit gewiß . Dann