Augen , dann einige Zettel sprechen , die herumgingen und die Mittel enthielten , die man anwenden sollte , um den kirchlichen Oppositionsgeist zu mehren . Vorzugsweise wurde die schon vor Ankunft des Dechanten besprochene Stiftung einer neuen Bruder- und Schwesterschaft des Athanasiusvereins und gerade zur Erinnerung an einen um den Glauben bedrängten , flüchtigen , verfolgten , hier zu Lande liebevoll aufgenommenen Kirchenlehrer wieder aufgenommen ... Die Regierung hatte schon lange ein mistrauisches und abgeneigtes Auge gerichtet auf die große Zahl geistlicher Vereine , die scheinbar nur dem gottseligen Leben und einer gegenseitigen sittlichen Aufsicht gewidmet waren , mehr aber noch eine Organisation des Zusammenhangs auch für oppositionelle Zwecke wurden . Es ließ sich voraussehen , daß dieser neue Athanasiusverein von obenher den entschiedensten Anstand finden mußte . Der Dechant hörte allem , was zur Durchsetzung dieser wichtigen Angelegenheit in hiesiger Gegend nun beschlossen werden sollte , nur seufzend zu und war um so mehr zerstreut , als er nur immer offen vor sich ausgebreitet seine Brieftasche liegen hatte , die er an solchen Conferenztagen schon frühmorgens mit Fünf- und Zehnthalerscheinen zu füllen pflegte , um nur immer schnell durch seine Spenden zu den Gemeinzwecken sich vom Reden oder ausdrücklichen Beistimmen loszukaufen . Er hatte diese Klagen schon so oft gehört ! Er hatte sie so oft gelesen ! Er war auf zehn Exemplare des » Kirchenboten « abonnirt ! Er kannte diese immer gleiche Rhetorik der Römlinge ! Er kannte den Inhalt dieser verbotenen Broschüren und las sie nicht mehr . Von allem , was man an Thatsachen vorbrachte , gab er die Hälfte zu , aber die Erledigung der andern schien ihm ganz an einer andern Stelle zu liegen als im fernen Rom . Heute , wie man nun sogar von fehlenden katholischen Obersten sprach , mußte er gar auflachen und sagen : Aber ihr wunderlichen Leute ! Ihr überlegt gar nicht , ob in unsern katholischen Adels- oder Bürgerfamilien überhaupt das Bedürfniß da ist nach einer öffentlichen Bewähr , das Bedürfniß des Emporsteigens nach Ehrenstellen und Auszeichnungen ! Wo ich noch hinsah und ich habe die Jahre , hingesehen zu haben , haben wir hier zu Lande und drüben unsere eigene Art , uns das Leben zu gestalten ! Am liebsten hocken wir auf unserer Hufe und suchen das nicht , was wir demgemäß auch nicht finden können . Wenn ihn Hunnius widerlegen wollte , so störte diesen jetzt das allgemeine Aufstehen aller , um die Zeichnung zu sehen , nach der zehntausend zinnerne Medaillen gegossen werden sollten . Der Mönch hatte die Zeichnung mitgebracht : Maria mit dem Kinde öffnet ein Gitter , hinter welchem ein Bischof , es sollte Athanasius sein , gefangen sitzt ... Der Mönch war dabei aufgestanden und zeigte sich von einem langen , magern Wuchse . Die braune Kutte , von der weißen Gürtelschnur festgehalten , ging bis zu den nackten , nur von einer Sandale geschützten Füßen . Es war viel , daß der Mönch sich jetzt zu einigen Erläuterungen herbeiließ . Er hatte bisher ab und zu nur seinem Glase zugesprochen , hatte eine Cigarre nach der andern von einem vor ihm stehenden Teller , der deren eine Anzahl enthielt , weggeraucht und immer geschwiegen . Sein Schweigen war gebieterisch . Es sagte zu denen , die da sprachen , fast soviel als : Entwickelt euch ! Steckt getrost eure kleinen Lichter auf , bis Ich kommen werde ! Pater Sebastus mochte etwas mehr oder weniger als dreißig Jahre zählen . Je länger er saß , rauchte oder trank , desto blasser wurde er . Alle wußten , daß der Gast ein Convertit war , eine hohe Bildung genossen hatte , mit Feuer und Geist schriftstellerte und in der Residenz des Kirchenfürsten seit kurzem zu hoher Anerkennung gekommen war . Wenn die weißen länglichen Finger der magern , doch hübschen Hand zuweilen auf dem Tische leise trommelten , so war es , wie im Takt zu einem inwendigen Rhythmus seiner Gedanken , die laut gesprochen ohne Zweifel bedeutsam gewesen wären . Als er jetzt mit einer eigenthümlich leisen , fast heisern , aber außerordentlich sichern Stimme zu sprechen anfing , bot Hunnius allgemeine Ruhe . Jeder setzte sich , und selbst der Dechant war gefesselt von einer Weise , die ihm heute an seiner Tafel bei der Redseligkeit seiner übrigen Gäste weniger aufgefallen war . Einige Mitglieder unsers hochwürdigsten Domcapitels , begann fast silbenzählend Pater Sebastus , wohnten kürzlich einer Vorlesung bei , die von einem der auf der nahe gelegenen Universität angestellten und zu diesem Zweck herübergekommenen jüngern Professoren vor einem gemischten Kreise der Residenz des Kirchenfürsten gehalten wurde ... Der Mönch pausirte . Er zerdrückte die Asche seiner Cigarre und legte diese fort . Der Gegenstand derselben - fuhr er fort - Das zufällige Rücken eines Stuhls schien ihn zu stören . Er sah nach der Gegend des Geräusches und wiederholte , während Hunnius ein scharfes St ! wie auf seiner Kanzel beim zu frühen Nasenputzen ertönen ließ : Der Gegenstand derselben war an sich ein unverfänglicher , ließ aber einen historischen Rückblick auf die Kämpfe der Welfen und Ghibellinen zu . Pater Sebastus stockte von neuem . Aber ein Blick rundum bewies ihm , daß alles jetzt in einer Weise an seinen Lippen hing , wie er dergleichen noch vielleicht von Göttingen , wo er docirt haben sollte , gewohnt war ... Der Redner , fuhr er mit immer gleicher Gelassenheit , doch pointirt und fest fort , sprach in einer Stadt , die fast ausschließlich nur unsern Glauben bekennt ; und doch hatte er jenen Standpunkt , den die protestantische Wissenschaft mit der ihr eigenen Einseitigkeit für die Würdigung des Mittelalters aufgebracht hat . Alles , was in einem Zusammenhange mit Rom steht , ist nach dieser Lehre Tyrannei und Finsterniß ; alles , was dagegen die deutschen Kaiser wollten , ist Vernunft oder Freiheit . Dem anwesenden überwiegenden Theil der Gesellschaft , den Damen , war der von dem Professor entwickelte Gegensatz völlig