Wenige wissen es - aber in den Herzen dieser Wenigen ist die Bewunderung desto tiefer eingegraben , - welche Kämpfe in jenen Tagen der König bestand , welche hohen Lockungen dem Hause Hohenzollern wurden und wie schwer der gerechte Sinn Friedrich Wilhelm ' s damals in die Wage der Völkerschicksale fiel ! - Dagegen hat er eben so treu sein Freundeswort gehalten und durch keine Drohung , kein Drängen von der andern Seite sich bewegen lassen , sich den Feinden anzuschließen . Preußens eherne Haltung hat offenbar Rußland gerettet ! - - Bereits am 17. hatten die Türken eine Insel auf der Donau zwischen Kalafat und Widdin besetzt , doch war noch keine Feindseligkeit erfolgt . Omer Pascha rechnete den 24. als den Ablauf der dem Fürsten Gortschakoff gesetzten Frist . Am 20. beriefen Lord Stratford und Herr de Latour die Flotten nach Constantinopel . In diesem letzten Augenblick machte der österreichische Gesandte , Baron von Bruck , noch einen Versuch und drang auf Aufschub der Feindseligkeiten . Lord Stratford interessirte sich scheinbar dafür und in der That wurde im Divan durch den Einfluß der Friedenspartei der Aufschub um zehn Tage beschlossen und der Ferman an den Sirdar dem Sultan zur Unterzeichnung vorgelegt . Für Rußland wäre dieser Aufschub von großer Wichtigkeit gewesen , da bei der verhältnißmäßig geringen Zahl des Besatzungsheers in den Fürstenthümern wichtige strategische Operationen und Vorbereitungen noch im Rückstand waren . - - Während Welland mit Paduani über die am Tage vorher bei dem englischen Gesandten stattgefundene Conferenz der Vertreter der vier Großmächte sich unterhielt , hörte der Baron offenbar zerstreut und mit wichtigen anderen Gedanken beschäftigt der Unterhaltung zu und blickte häufig nach dem Eingang des Gartens . Auch Paduani schien verstimmt und nachdenkend und lenkte mehrmals das Gespräch auf Vorbedeutungen und Ahnungen . » Es ist heute ein Tag unangenehmer Erinnerungen für mich , « sagte er endlich , » und ich habe mich seit dem frühen Morgen mit einer seltsamen Unruhe getragen . Glauben Sie an Ahnungen , Doctor ? « » Im Allgemeinen nicht , - in einzelnen Fällen : Ja ! Der Dänenprinz hat Recht , wenn er sagt , es ist Vieles zwischen Himmel und Erde , das wir nicht begreifen können . Ueberdies leben wir ja im Lande der Vorbestimmung und dürfen also an einer Ahnung derselben nicht zweifeln . « » Ohne Winkelzüge - sagt Ihnen Ihre Erfahrung Ja oder Nein ? « » Ich lernte in Paris einen jungen Engländer kennen , Master Morton , Capitain bei der schottischen Garde . Er ist der jüngere Sohn der berühmten schottischen Familie der Earls von Faulconbridge , in denen das zweite Gesicht seit Jahrhunderten sich vererbt haben soll . Es wiederholte sich auch bei seinem Vater . Im Jahre 1835 gegen Ende Novembers kam Lord Faulconbridge von London nach seinen Besitzungen in Schottland , wo seine Familie , darunter der Sohn , der mir die Thatsache mitgetheilt , ihn bereits erwartete . Als der vierspännige Reisewagen in die breite Ulmenallee einbog , die zum Schloßportal führte , sah der Lord dieses plötzlich mit Fackeln erleuchtet und eine Schaar Männer , welche in tiefer Trauer einen von der inneren Halle aus kommenden Leichenzug zu erwarten schien . Zum Tode erschrocken befahl er zu halten , aber schon war die Vision verflogen . Weder der Postillon noch die Diener hatten Etwas gesehen . Lady Faulconbridge suchte ihrem Gemahl das Ganze auszureden , aber am dritten Tage um die Stunde des Gesichts sank der Lord plötzlich zu Boden , als er sich mit den Seinigen eben zum Diner niederlassen wollte . Ein Nervenschlag hatte ihn getroffen . Capitain Morton war fest überzeugt , daß auch ihm sein Tod vorher verkündet werden würde . « Paduani hatte den Kopf in die Hand gestützt . » Ihnen , Doctor , Ihnen - Ihre eigenen Erfahrungen ? « Der Arzt sann einige Augenblicke nach . » Zwei Erinnerungen aus meinem Leben sind es , welche mir jene unerklärlichen und doch unleugbaren Fäden nahe gebracht haben , durch welche der Mensch mit der Geisterwelt in Verbindung zu stehen scheint . Ich erzähle sie Ihnen wohl ein ander Mal . « » Nein , jetzt , ich bitte Sie . Sie möchten sonst keine Zeit mehr dazu haben ! « Welland schaute den Italiener bei den seltsamen Worten aufmerksam an ; das Gesicht desselben hatte eine aschbleiche Farbe angenommen , er befand sich offenbar in der größten Aufregung , der er mit aller Mühe Herr zu werden suchte . Der Arzt schüttelte den Kopf , doch folgte er seinem Wunsche . » Ich war , « erzählte er , » ein junger Mensch von 16 Jahren , und in Breslau auf Schulen . Meine Eltern hatten mich bei einem Gelehrten in Pension gegeben , der in einem frühern Kloster an der Oder wohnte . Die älteste Tochter der Familie , Amalie , war eine Blondine mit herrlichen Locken , so schön , wie ich sie nie wieder im Leben gesehen , ein Madonnengesicht , die Stirn von breiten Goldflechten gleich einem Diadem eingefaßt , das erste und einzige Weib , in das ich wahrhaft verliebt gewesen bin . Es war eine halb kindische Leidenschaft , denn das Mädchen war mehrere Jahre älter als ich und trug den Gram einer unglücklichen Liebe im Herzen . Ein junger interessanter Maler war von ihr durch die Eltern getrennt worden und bald darauf in räthselhafter Weise verschwunden - man glaubte an einen Selbstmord , später erwies sich , daß er im Duell gefallen und von den Secundanten in die Oder geworfen worden war . Ein einziges Andenken war dem Mädchen aus der Zeit ihres Umgangs geblieben , ihr eigenes von dem Geliebten entworfenes aber nicht beendetes Portrait , von dem auffallender Weise nur der Kranz der goldenen Haare vollendet war , während das Gesicht noch in der Scizzirung der ersten Anlage verschwamm . - Ich war etwa ein Jahr im Hause gewesen , als Amalie plötzlich an einer nervösen Krankheit starb