wäre sie mit der Faust endlich lösen , rief : Steh , Bube ! Steh ! Aber Hackert entrann und als ihm Dankmar noch nachrief : Eine Kugel in dein Ohr , Mörder ! Wo ist mein Pferd , Gauner ? ... war er plötzlich ganz verschwunden . Dankmar fühlte sich in einer Stimmung , als hätte ihm Liebe und Wein die Zunge gelöst und zum Redner gemacht , dem Worte nur ein dürftiger Nothbehelf für Thaten sind . Er schickte Hackerten die tollsten Shakspeare ' schen Flüche und lange , kunstvolle Verwünschungen nach , bis er zuletzt über sich selbst lachte und im steten Hinblick auf die Stelle , wo Hackert verschwunden war , fast über die Leiter stolperte , die quer im Wege lag . Was hat er mit dieser Leiter gewollt ? sagte er sich , und darüber sinnend , fiel ihm der Thurm ins Auge , der nun dicht in der Nähe stand . Der Gedanke , mit kurzem Proceß seinen theuern neuen Freund , den gefangenen jungen Fürsten , zu befreien , ergriff ihn so lockend , wie der Kitzel zu dem fröhlichsten Abenteuer . Nun sind wir einmal im Zuge ! sagte er sich , lud die schwere , irgendwo aus einem Bauerhofe entwandte Leiter , an der er mit Vergnügen bemerkte , daß sie für das Thurmfenster lang genug sein mußte , sich auf und schleppte sie an dem einen Ende auf dem Rücken , an dem andern hinter sich her im Grase zu dem kleinen Hügel hin , wo der Thurm völlig unbewacht in der Stille der Nacht wie eine friedliche Warte und Einsiedelei lag . Die Eisenstäbe oben aus der Mauer auszuwühlen , war schwer und doch vielleicht bei der Schadhaftigkeit und Zerbröckelung des Kalkes nicht unmöglich , wenn nur Egon die Messer und Gabeln von ihrem Mittagessen zurückbehalten hatte . Sorgfältig schaute sich Dankmar um . Hackert war verschwunden , Alles still . Nur Käfer summten im Grase und dann und wann platzte ein humoristischer Froschruf auf vom Felde her , wo es moorige Stellen gab .... Dankmar war so guter Laune , daß er sich zu seinem Unternehmen erst noch eine Cigarre anzündete . Die Leiter , aufgerichtet an dem Thurm , reichte vollkommen an das vergitterte Fenster , das zu Egon ' s Gewahrsam gehörte . Vorsichtig kletterte er , noch einmal sich mit Behutsamkeit umblickend , die Sprossen hinauf . Leider sah er schon auf halber Länge , daß die Eisenstäbe dick waren , und als er über sich hinaufgriff , fühlte er wol auch , wie fest sie saßen .... Das Fenster stand auf . Der volle Mondenschein fiel in die dunkle Kammer , die er schon von unten als die rechte erkannte . Egon ! rief er bis hinauf und lauschte . Keine Antwort . Er stieg höher und blickte in das offene Fenster . Wie groß war sein Erstaunen , als er drinnen nirgend eine Spur des Prinzen entdeckte ! Vielleicht hätte er versteckt in einem Winkel schlafen können ... er spähte ... er übersah das ganze kleine Gemach . Er rief einige male mit unterdrückter Stimme : Egon ! Egon ! Es gab keine Antwort . Um ganz sicher zu sein , zog er ... die Cigarre war in der Aufregung weggeworfen ... noch sein Streichfeuerzeug und machte mit mehren zusammengehaltenen Zündhölzchen , um die Wirkung des Scheines zu verstärken , Licht ... Der hellere Glanz bestätigte ihm nur , was er schon im Mondenscheine gesehen hatte . Der Gefangene war entweder schon befreit oder von selbst entflohen . Die Empfindungen , mit denen Dankmar nun die Leiter hinabstieg , waren getheilt . Ehe er jedoch nicht alle Umstände genau kannte , wagte er kaum ein Urtheil zu fällen . Wenn ihn Egon schon in der Krone aufgesucht hätte ? Beim Schließer nebenan wagte er nicht zu klopfen und anzufragen . Da im Anbau der Wohnung war Alles so still , so finster und schläfrig . War Egon entflohen , warum die Häscher wecken ? Auch drüben im Amthause sah man kein Lichtchen mehr . Im Dorfe nichts als Anzeichen des tiefsten Schlafes aller seiner Bewohner . Selbst in der Krone , zu der er langsam und nachdenklich schritt , hatte er Mühe , die Leute , die ihn erwarteten und im Erwarten eingeschlafen waren , zu wecken . Als er hörte , daß Niemand , auch nicht Einer , nach ihm gefragt hatte und somit der Gefangene ihm fast spurlos verschwunden war ( denn morgen in der Frühe hatte er wol keine Zeit mehr , ihm nachzuspähen ) , überkamen ihn die sonderbarsten und quälendsten Zweifel . Es war ihm fast , als wenn sein Fuß nicht mehr die Erde berührte , als wenn er mit seinen guten Absichten , mit all seiner Liebe und Aufopferung , wie ein Getäuschter , in der Luft schwebte und wahrhaft komisch erschien er sich , wenn er an seine Figur auf der Leiter dachte , wie er einen Gefangenen befreien wollte , der ihm vielleicht , es war ihm Dies ein höhnischer Gedanke , ein tolles Märchen aufgeheftet und zu einer Posse misbraucht hatte ! Die Einsamkeit der Nacht , die Qual der Schlaflosigkeit mehrte den lästigen Reichthum der Vorstellungen , die er sich über dies plötzliche Verschwinden machen mußte . Er sah sich mitten im Zuge von Dingen , die ihm plötzlich nun wie die Neckereien eines bösen Geistes vorkamen ... und wenn ihm nicht Eines sicher geblieben wäre , das Gefühl , mitten in diesem Spuk doch ein wahrhaft Wirkliches gehabt zu haben ... das warme Klopfen eines schönen Mädchenherzens an seiner von Lust und Liebe erfüllten Brust ... er würde wie in einem Chaos der unleidlichsten und leersten Eindrücke rathlos umhergetaumelt sein . An diese eine unleugbare und nicht mehr in Trug zerrinnende Thatsache hielt sich denn auch Dankmar . Sie gab ihm Besinnung , Ruhe , Gefühl der Sicherheit , Behaglichkeit und Schlaf . Er schloß aber doch die Augen viel