» und sind dort beide zu früh gestorben . Kein Wunder übrigens , da sie gar zu leicht lebten , und weder sich , noch ihr schönes Talent irgend schonten . Überhaupt aber , Freund , ich möchte mir wegen der Konfusion Vorwürfe machen , die wir durch unser Komödienspielen dort in der Gegend , wo bis dahin dergleichen nie war erhört worden , angerichtet haben . Du hast es noch mit angesehen , wie jener Ehrenberg von den Dummköpfen bewundert wurde . Was aber wirst du sagen , wenn ich dir erzähle , daß er jetzt ein Gutsbesitzer und wohlhabender Mann ist ? Er richtete auf den Gütern von Dülmen und Bellmann ein schönes Nationaltheater ein , man gab die brillantesten Stücke , und von den Weibern spielten die ergrauenden Töchter der Witwe die Hauptrollen . Plötzlich wollte die eine von diesen mit aller Gewalt den Ehrenberg heiraten . Widerspruch von allen Seiten . Aber er kam zu spät , die Liebenden hatten im festen Vertrauen auf ihr Glück ein Hausmittel angewendet , so daß die Mutter wohl ihre freiwillige Zustimmung geben mußte , wenn sie nicht den Ruf ihrer Tochter preisgeben wollte ; wie denn die Unvermählten immer im hoffnungslosesten Zustande gerade dann leben , wenn sie recht guter Hoffnung sind . Die Theaterwut hatte so überhandgenommen , daß Bellmann und selbst Dülmen von Zeit zu Zeit mitspielten , die jungen Bellmänner , die von Natur Enthusiasten waren , nicht einmal zu nennen . Aber auch aus dieser Begeisterung hat sich eine Mesalliance entsponnen , die ebenfalls schon ihre guten Früchte , das heißt Kinder , getragen hat . Da die Lene immer zur Aushülfe herbeigeholt wurde , ja offne große Rollen übernehmen mußte , so hat in einigen der älteste Sohn Bellmann sie so reizend gefunden , daß er sie in einer mondhellen Nacht entführte , und sie nach zwei Tagen als angetraute Gattin in das Haus seines Vaters zurückbrachte . Der verwilderte Schulmeister hat seitdem immer die allerwichtigsten Rollen gespielt , und erkennt kaum den großen Ehrenberg für seinen Nebenbuhler . Er hat sich Stiefeln machen lassen , von solcher Künstlichkeit , daß man jetzt sein hölzernes Stelzbein gar nicht mehr gewahr wird , und so hat er zum Erstaunen der Welt den Kaspar den Thorringer , sowie den Otto von Wittelsbach , und selbst den König Philipp im Don Carlos dargestellt . Die Edelleute , die ihn beschützen und bewundern , sind in den Narren so vernarrt , daß er jetzt wie ein Bruder mit ihnen lebt . Da er sein Schulamt ganz versäumte , bekam er anfangs oft Verweise , manches Mal selbst scharfe , dann Drohungen , und endlich , weil nichts fruchtete , hat man ihn abgesetzt . Der Adel der Provinz hat aber für den großen Mann eine Subskription eröffnet , so daß er sich jetzt viel besser , als bei seiner Schule steht . Nun dirigiert er mit Ehrenberg bei Dülmen , Bellmann , der Freifrau und einigen anderen Edelleuten das Theater und unterrichtet die wißbegierige Jugend im Spiel . Auch der Verwalter Lenz hat , voll Begeisterung , die Ökonomie aufgegeben , und ist seiner schönen Stimme wegen jetzt Tenorist bei einem großen , namhaften Theater . Ich wünsche diesem lieben Mann von Herzen Glück und eine fernere Ausbildung seines schönen Talentes . « » Freilich « , sagte Leonhard , » ist dein gutgemeinter Scherz zu einer ziemlichen Verwilderung ausgeartet . So geht es aber oft im Leben , und es ist eine gute Andeutung oder Allegorie für die Geschichte der deutschen Kunst . Es wäre eigentlich nicht uneben , wenn ein guter Kopf die Historie unserer wirklichen deutschen Bühne beschriebe , und uns zeigte , daß es dort eigentlich ebenso hergegangen sei . Zettel hat ja doch eigentlich bei uns über Sommernacht , Elfen , Fürsten und Herren , und die ganze anmaßliche Aristokratie den Sieg davongetragen . « » Er ist aber selbst Aristokrat « , wandte Elsheim lachend ein , » und seine Kameraden erkennen ihn als den besten ; müßte er nur nicht eigentlich von dem ganz unfähigen Mondschein verdrängt werden ? Nun aber « , fing Elsheim nach einer Pause wieder an , » habe ich dir so viel gebeichtet , und deiner Neugierde genuggetan - doch du - wie ist es dir denn ergangen ? Wo bist du damals geblieben ? Wie kommt es , daß ich dich so verändert , und zu deinem Vorteil verwandelt , wiedertreffe ? Nun sprich auch einige gescheite Worte , um mich darüber aufzuklären . « » Wie gern « , sagte Leonhard . » Du mußtest , um der Liebe zu Albertinen fähig zu werden , dich in Charlotten vergaffen , und so war es notwendig , daß ich ein anderes poetisches Abenteuer bestehen , eine alte Sehnsucht meines Herzens sich erfüllen mußte um jetzt ohne Resignation , ohne Gefühl eines Mangels , mit meiner Friedrike ganz und auf meine Lebenszeit glücklich zu sein . Ich nannte dir damals jene Kunigunde , die ich in der Nähe von Bamberg hatte kennen lernen ; du erinnerst dich vielleicht noch , was mir mit ihr begegnete - « » Wohl erinnere ich mich « , sagte Elsheim ; » es ist eine Geschichte , die sich nicht so leicht vergißt . « » Ich ging wieder von Nürnberg nach Bamberg « , fuhr Leonhard fort ; » man kann nicht andächtiger sein , als ich es auf meiner Wallfahrt war . Die Eltern lebten noch , und waren durch die Großmut eines künftigen Eidams nach dem Elend vieler Jahre wohlhabend geworden . Kunigunde , voll , frisch , schöner , als je , lebte noch in dem letzt leeren Hause , in dem Gärtchen , unter den alten Geräten , und hatte mich mit der größten Sicherheit erwartet . « » Dich ? erwartet ? « rief Elsheim im größten Erstaunen . » So ist es « , antwortete Leonhard , » ich traf sie in dieser