Antwort flog die Erzählung des Vorfalls gestrigen Tags , entstellt , vergrößert und gehässig gemacht , rings umher , von dem Oberstrichter , seinem Sohne und des Schultheißen Neffen verbreitet . Die Dagobert Zunächststehenden wichen um mehrere Schritte zurück , denn der Angeklagte hatte ja mit Juden zu thun gehabt , und den Nachrichter berührt , war vielleicht von dem letztern wieder berührt worden . Die Frauen , die am längsten für ihn Theilnahme gehegt , rümpften , da sie von der Judendirne hörten , höhnisch die Nase . Die Frau von Dürningen mit ihrer Tochter sah scheu und befangen , obwohl nicht zürnend nach dem Jüngling . So sehr indessen Mehrere auf des Schultheißen rücksichtslose Schmachrede einen heftigen Ausbruch von Dagobert ' s Wuth befürchteten , den wieder andre , der Folgen wegen , wünschten , so sehr hatten sich diese geirrt . Die letzten Worte des Stubenmeisters hatten eine himmlische Ruhe über das Antlitz des Beleidigten verbreitet . - » Ich dachte bis jetzo unter gefühlvollen Menschen zu stehen ; « erwiederte er , sich ernst umschauend : » doch hab ' ich mich geirrt . Es ist wohl keiner unter all ' diesen edeln Herren , der nicht sein Geld verschwendete , um einem lahmen Pferde wieder auf die Beine zu helfen ; keine unter all ' diesen Frauen , die nicht ihr Herz zerrissen fühlte , sähe sie ihren Schooßhund in Gefahr . Doch sprechen sie über mich das Urtheil , weil ich mit den erbarmenswerthesten Menschen Mitleid fühlte ; weil ich eine Grausamkeit abwehrte , die nur in dem traurigsten Verfolgungsgeist , nicht im Richteramte ihren Grund findet . In Gottesnamen denn ; ich wußte nicht , daß Juden weniger als Hunde und Gäule sind , und diese Lehre ist der Verweisung aus diesem Hause wohl werth . Ich gehe mit Freuden , und thue dieses ohne Groll , denn ich erzähle nicht einmal den ehrsamen Anwesenden , was zwischen dem gestrengen Herrn Schultheiß und dem schlechten Judenarzt Joseph abgeredet worden ist . « - Mit einem mitleidigen Blicke streifte er noch einmal alle Umstehenden , besonders den höhnisch lächelnden Oberstrichter und den verlegnen Schultheiß , gürtete langsam seinen Stoßdegen um , band das Piret unterm Kinn fest , und verließ ohne irgend ein Zeichen des Lebewohls , wie ein im Rückzuge noch furchtbarer Feind , das Tafelzimmer . Sein Scheiden war das Zeichen zu offnem Zwiste in der Gesellschaft . Manche , mit dem Geschlechte der Frosche theils befreundet , theils verschwägert und verbunden , erkühnten sich , dem Stubenmeister Vorwürfe über sein hartes Benehmen gegen den Sohn eines angesehenen Altbürgers und Schöffen zu machen . Ohne Dagobert ' s Schuld an dem Vorfalle in der Judengasse vertheidigen zu wollen , theils von Vorurtheile befangen , theils zu muthlos , um gegen die Vorurtheile Andrer anzukämpfen , sprachen sie von dem zahlreichen Anhange Diether ' s , der sich in seinem Sohne schwer beleidigt sehen würde ; von der Rache , die wohl auf eine oder die andre Weise nachfolgen dürfte . Die Widersacher bestritten hingegen verächtlich alle Mahnungen , verlachten jede Drohung , und gedachten des Ausgewiesenen und seines Vaters mit den ehrenrührigsten Beinamen . » Sie mögen versuchen , wie weit ihre Ohnmacht reicht ; « rief der Schultheiß : » ich habe meine Pflicht gethan , und werde als Stubenmeister wie als Schultheiß mein Recht behaupten . « - » Für rebellische Bürger gibt es noch Thürme ! « drohte der Oberstrichter . - » Was ist hier auch viel zu scheuen ? « lachte des Schultheißen Neffe : » Dagobert ' s Wandel auf dem Concil ist stadtbekannt , sein Leumund nicht ehrenvoll . « - » Der verruchte Mensch will nicht einmal der Mutter Gelübde erfüllen , und Pfaffe werden ! « klagte der Vetter der Frau von Dürningen mit heuchlerischer Miene . - » Wohl uns , wenn der lüderliche Pickelhäring sich nicht mehr in adliger Gesellschaft zeigen darf ; « schrie des Oberstrichters Sohn , und der Schultheiß fügte , wie mit prophetischer Zuversicht hinzu : » Es dürften vielleicht bald ganz andre Dinge von dem Hause der Frosche zur Sprache kommen ! « - Die dem geschmähten Geschlechte Anhängenden brachen schmollend und zürnend auf ; die Freuden des Festes waren gestört , und aus der fröhlichen Ostertafel eine gallige Gasterei geworden , an welcher Feindseligkeit und Haß ihr Panier aufsteckten . - Verachtung gegen seine Feinde , aber auch ein ruhiges Bewußtseyn im Herzen , hatte Dagobert sein väterlich Haus wiedergefunden . Vollbrecht öffnete ihm die Thüre . » Wo ist mein Vater ? « fragte er den Knecht . - » Der gestrenge Herr hat sich durch den Peter zum Stadthauptmann leuchten lassen , um ihm die Anzeige von dem Raube zu machen . « - » Gut ; « versetzte Dagobert : » Die zurückgekommenen Leute meiner Schwester ? « - » Sie schlafen schon in wohlverriegelten Stuben , « berichtete Vollbrecht : » denn die ehrsame Frau meinte , sie könnten wohl selbst allenfalls das arme Fräulein getödtet , oder an einen Räuber verkauft haben . « - » Möglich wär es allerdings ; « erwiederte Dagobert : » ich will morgen die Leute sprechen . Gib mir die Kerze , und warte indessen auf den Vater . « - Dem wie aus dem Himmel herabgefallnen Bubenstück nachsinnend , stieg Dagobert die Treppe empor , und kam eben an Frau Margarethens Gemache vorüber , als dessen Thüre sich leise öffnete , und der Altbürgerin Stimme ein leises : » Junker Dagobert ! seyd Ihr ' s ? « daraus vernehmen ließ . - » Ja freilich ehrsame Frau ; « antwortete der junge Mann : » Behüt ' Euch Gott und segne Euern Schlaf . « - » O bleibt , « flüsterte Margarethe , mit der weißen Hand aus dem Halbdunkel , hervorwinkend : » laßt mich den Augenblick benutzen und tretet bei mir ein . « - Dagobert stutzte , und