Kluft hinschwebte , die das Geschick und unser eignes Gefühl des Rechten zwischen uns zog . Wir sind mit unserm Loose zufrieden . Der irdische Schmerz ist niedergekämpft und nur die reine Freude , einander gefunden zu haben , ist uns geblieben . Bei jeder Erdennoth , jedem Zweifel , der im Gewühle des Lebens sich an mich drängt , hebt und hält mich das Bewußtseyn , daß er lebt , daß er kein Gebilde meiner Fantasie ist . Und auch ich - ich bin dessen überzeugt , - auch ich erscheine ihm zum Trost , wenn er es bedarf . Weiter haben wir für dieses Leben keine Wünsche mehr , sogar der , einander hier noch einmal wieder zu sehen , verstummte allmählig . Doch will ich meinem jungen Freunde nicht bergen , daß die Ruhe , welche jetzt mich beseligt , nur im schweren Kampfe errungen ward . Hippolit ! auch Sie sind zu diesem Kampfe berufen und werden siegen . « » Nimmermehr ! « rief Hippolit in leidenschaftlichem Schmerz . » Wie könnte ich je dahin gelangen , wo Gabriele in der Glorie einer Heiligen strahlt ! Seliger Engel ! warum bliebst du nicht in deinen Himmeln ? Warum mußtest du in dieser entzückenden Gestalt herabschweben , uns zu verderben ? « » Hippolit ! ich wiederhole es , Sie betrüben mich mit diesem wilden leidenschaftlichen Wesen ; Sie ängstigen mich , und es ist wohl besser , ich ende dieses Gespräch , um schriftlich einen vielleicht günstigern Moment zu treffen , « sprach Gabriele sehr ernst , als wolle sie aufstehen und das Zimmer verlassen , doch Hippolits Verzeihung erflehender Blick und sein sichtbares Bestreben , sich zu mäßigen , bewogen sie , noch zu bleiben . » Verzeihen Sie mir die Behauptung , « sprach endlich Hippolit , » Gabriele , schönes engelreines Wesen ! was Sie Liebe nennen , ist es nicht . So lieben nicht sterbliche Menschen ; wie Sie jenen namenlosen Glücklichen lieben , so lieben selige Geister « - » So lieben Frauen , « unterbrach ihn Gabriele , und ihrem Augen leuchteten in verdoppeltem Glanze . » Wie gern stimmte ich in kindlicher Demuth diesem Ausspruche bei , « rief Hippolit und wagte erröthend kaum , die Augen aufzuschlagen , aber ich darf gegen Sie nicht falsch seyn , « fuhr er fort . » Ich muß es bekennen , ein feindliches Geschick hat schon früh mich mit der Kehrseite des Lebens bekannt gemacht . Aus Erfahrung , deren ich jetzt nur in tiefer Beschämung gedenke , weiß ich , wie einsam Gabriele auf der Höhe steht , die über ihr Geschlecht sie erhebt , wie ohne alle Ahnung dessen « - Ein zürnender Ausruf Gabrielens unterbrach ihn . » Fürchten Sie nichts ! « fuhr er bittend fort ; » kein kühn ausgesprochnes Wort soll Sie beleidigen ; möge der Himmel mich noch elender machen , als ich es bin , wenn je die hohe Ehrfurcht mich verläßt , die in Ihrer Nähe mich immer ergreift . Doch wenn Sie je - wenn jemals - ach ! wie fange ich es an , um Ihnen gegenüber , das was ich denke , was ich fühle , in Worte zu fassen ? Wie soll ich Sie erbitten , es nicht Lästerung zu nennen , wenn ich bekenne , daß ich jetzt , von Ihrem holden Vertrauen beruhigt , ihn nicht mehr beneide , dessen nie zuvor geahnetes Daseyn schon gestern die Bosheit Ihrer Feindin und die unbedachte Vertraulichkeit Ihres Freundes mir verriethen . In nie gefühlten Qualen der Eifersucht jagte es mich in Wahnsinn und Tod . « » Sie sollen ihn auch nicht beneiden , Sie sollen neidlos ihm nacheifern , Sie sind es werth , neben ihm zu stehen , « sprach Gabriele mit begütigendem Tone , doch Hippolit fuhr fort , wie nachdenkend vor sich hin , weiter zu sprechen . » Dieß ruhige Gefühl wäre Liebe ? Nein , ich wiederhole es , Gabriele hat nie die Liebe gekannt . O - kennten Sie dieses verzehrende Feuer , dieß Wünschen ohne Namen und Ziel , diese Unmöglichkeit , anders wo zu athmen , als in der Nähe des Geliebten ! - O Gabriele , was soll aus mir werden ? Was soll mich schützen vor Wahnsinn und Verzweiflung ? « rief er , von seinem Schmerz aufs neue überwältigt ; » was kann mich retten ? « » Was auch mich und meinen Freund vor Untergang und Unwürdigkeit schützte , « erwiderte Gabriele fest und mild . Sie faßte die Hand , mit welcher er im wildem Unmuthe sein Gesicht verhüllte . » Blicken Sie mich an , « sprach sie ; » glauben Sie , daß diese Augen nie weinten ? Daß nicht auch meine Brust in schlaflosen Nächten nach Trost , nach Hoffnung , nach Beruhigung schmerzlich rang ? daß nicht auch er ? - o Hippolit , ich fordre ja nichts Unmögliches , nur was ich und er auch thaten und trugen . « » Entfernung ist Tod ! « rief Hippolit , alle Mäßigung vergessend , im wilden Schmerze . » Und Sie glauben mich zu lieben ? Kennt Liebe denn Trennung ? Ist sie nicht ewige Nähe ? Giebt es für sie Raum oder Zeit ? « erwiderte ihm Gabriele . Lange kämpfte sie mit ihm , erschöpfte Gründe und Bitten , um ihn zu einem Schritt zu bewegen , den sie im Fall seines unüberwindlichen Widerstandes entschlossen war , selbst zu thun . Mit der Ueberzeugung von Hippolits wirklich leidenschaftlicher Liebe war ihr auch die Nothwendigkeit klar geworden , ihn aus ihrer Nähe zu entfernen . Sie fühlte unendliches Mitleid mit ihm in ihrem Herzen , es betrübte sie unsäglich , ihn wieder ganz allein seiner leidenschaftlichen Natur überlassen zu müssen , ihn Rathund Hülflos in die ihm so gefährliche Welt hinauszustoßen . Auch dachte sie nicht ohne ein sehr schmerzliches Gefühl für sich selbst an die Trennung von