. Nun konnte er aber mit so vorzüglichen Menschen in fernerer Unterhaltung von dem Geschäft nicht Rechenschaft geben , ohne des menschlichen Grundes zu gedenken , worauf das Ganze eigentlich beruhe . Wechselseitige Erklärungen und Bekenntnisse tiefer Herzensangelegenheiten entfalteten sich hieraus bei fortgesetztem Gespräch . Bis tief in die Nacht blieb man zusammen und verwickelte sich immer unentwirrbarer in die Labyrinthe menschlicher Gesinnungen und Schicksale . Hier nun fand sich Odoard bewogen , nach und nach von den Angelegenheiten seines Geistes und Herzens fragmentarische Rechenschaft zu geben , deshalb denn auch von diesem Gespräche uns freilich nur unvollständige und unbefriedigende Kenntnis zugekommen . Doch sollen wir auch hier Friedrichs glücklichem Talent des Auffassens und Festhaltens die Vergegenwärtigung interessanter Szenen verdanken , sowie einige Aufklärung über den Lebensgang eines vorzüglichen Mannes , der uns zu interessieren anfängt , wenn es auch nur Andeutungen wären desjenigen , was in der Folge vielleicht ausführlicher und im Zusammenhange mitzuteilen ist . Nicht zu weit Es schlug zehn in der Nacht , und so war denn zur verabredeten Stunde alles bereit : im bekränzten Sälchen zu vieren eine geräumige , artige Tafel gedeckt , mit feinem Nachtisch und Zuckerzierlichkeiten zwischen blinkenden Leuchtern und Blumen bestellt . Wie freuten sich die Kinder auf diese Nachkost , denn sie sollten mit zu Tische sitzen ; indessen schlichen sie umher , geputzt und maskiert , und weil Kinder nicht zu entstellen sind , erschienen sie als die niedlichsten Zwillingsgenien . Der Vater berief sie zu sich , und sie sagten das Festgespräch , zu ihrer Mutter Geburtstag gedichtet , bei weniger Nachhülfe gar schicklich her . Die Zeit verstrich , von Viertel- zu Viertelstunde enthielt die gute Alte sich nicht , des Freundes Ungeduld zu vermehren . Mehrere Lampen , sagte sie , seien auf der Treppe dem Erlöschen ganz nahe , ausgesuchte Lieblingsspeisen der Gefeierten könnten übergar werden , so sei es zu befürchten . Die Kinder aus Langerweile fingen erst unartig an , und aus Ungeduld wurden sie unerträglich . Der Vater nahm sich zusammen , und doch wollte die angewohnte Gelassenheit ihm nicht zu Gebote stehen ; er horchte sehnsüchtig auf die Wagen , einige rasselten unaufgehalten vorbei , ein gewisses Ärgernis wollte sich regen . Zum Zeitvertreib forderte er noch eine Repetition von den Kindern ; diese , im Überdruß unachtsam , zerstreut und ungeschickt , sprachen falsch , keine Gebärde war mehr richtig , sie übertrieben wie Schauspieler , die nichts empfinden . Die Pein des guten Mannes wuchs mit jedem Momente , halb eilf Uhr war vorüber ; das Weitere zu schildern , überlassen wir ihm selbst . » Die Glocke schlug eilfe , meine Ungeduld war bis zur Verzweiflung gesteigert , ich hoffte nicht mehr , ich fürchtete . Nun war mir bange , sie möchte hereintreten , mit ihrer gewöhnlichen leichten Anmut sich flüchtig entschuldigen , versichern , daß sie sehr müde sei , und sich betragen , als würfe sie mir vor , ich beschränke ihre Freuden . In mir kehrte sich alles um und um , und gar vieles , was ich Jahre her geduldet , lastete wiederkehrend auf meinem Geiste . Ich fing an , sie zu hassen , ich wußte kein Betragen zu denken , wie ich sie empfangen sollte . Die guten Kinder , wie Engelchen herausgeputzt , schliefen ruhig auf dem Sofa . Unter meinen Füßen brannte der Boden , ich begriff , ich verstand mich nicht , und mir blieb nichts übrig als zu fliehen , bis nur die nächsten Augenblicke überstanden wären . Ich eilte , leicht und festlich angezogen wie ich war , nach der Haustüre . Ich weiß nicht , was ich der guten Alten für einen Vorwand hinstotterte , sie drang mir einen Überrock zu , und ich fand mich auf der Straße in einem Zustande , den ich seit langen Jahren nicht empfunden hatte . Gleich dem jüngsten leidenschaftlichen Menschen , der nicht wo ein noch aus weiß , rannt ' ich die Gassen hin und wider . Ich hätte das freie Feld gewonnen , aber ein kalter , feuchter Wind blies streng und widerwärtig genug , um meinen Verdruß zu begrenzen . « Wir haben , wie an dieser Stelle auffallend zu bemerken ist , die Rechte des epischen Dichters uns anmaßend , einen geneigten Leser nur allzu schnell in die Mitte leidenschaftlicher Darstellung gerissen . Wir sehen einen bedeutenden Mann in häuslicher Verwirrung , ohne von ihm etwas weiter erfahren zu haben ; deshalb wir denn für den Augenblick , um nur einigermaßen den Zustand aufzuklären , uns zu der guten Alten gesellen , horchend , was sie allenfalls vor sich hin , bewegt und verlegen , leise murmeln oder laut ausrufen möchte . » Ich hab ' es längst gedacht , ich habe es vorausgesagt , ich habe die gnädige Frau nicht geschont , sie öfter gewarnt , aber es ist stärker wie sie . Wenn der Herr sich des Tags auf der Kanzlei , in der Stadt , auf dem Lande in Geschäften abmüdet , so findet er abends ein leeres Haus , oder Gesellschaft , die ihm nicht zusagt . Sie kann es nicht lassen . Wenn sie nicht immer Menschen , Männer um sich sieht , wenn sie nicht hin und wider fährt , sich an- und aus- und umziehen kann , ist es , als wenn ihr der Atem ausginge . Heute an ihrem Geburtstag fährt sie früh aufs Land . Gut ! wir machen indes hier alles zurecht ; sie verspricht heilig , um so neun Uhr zu Hause zu sein ; wir sind bereit . Der Herr überhört die Kinder ein auswendig gelerntes artiges Gedicht , sie sind herausgeputzt ; Lampen und Lichter , Gesottenes und Gebratenes , an gar nichts fehlt es , aber sie kommt nicht . Der Herr hat viel Gewalt über sich , er verbirgt seine Ungeduld , sie bricht aus . Er entfernt sich aus dem Hause so spät . Warum , ist offenbar