silberne Halsband um , das der Baron mir gleich verehrte , als er meine Tugenden entdeckt . Die folgenden Augenblicke sind der Literatur und den schönen Künsten gewidmet . Wir gehen nämlich in eine Restauration oder in ein Kaffeehaus , genießen Beefsteak oder Karbonade , trinken ein Gläschen Madeira und gucken etwas weniges in die neuesten Journale , in die neuesten Zeitungen . Dann beginnen die Vormittags Visiten . Wir besuchen diese , jene große Schauspielerin , Sängerin , ja auch wohl Tänzerin , um ihr die Neuigkeiten des Tages , hauptsächlich aber den Verlauf irgendeines Debüts von gestern abend , zu hinterbringen . Es ist merkwürdig , mit welchem Geschick der Baron Alzibiades von Wipp seine Nachrichten einzurichten weiß , um die Damen stets bei guter Laune zu erhalten . Niemals ist es der Gegnerin oder wenigstens Kombattantin gelungen , sich nur einen Teil des Ruhms anzueignen , der die Gefeierte krönt , die er soeben im Schmollzimmerchen heimsucht . - Man hat die Arme ausgezischt - ausgelacht - Und ist denn wirklich erhaltener glänzender Beifall nicht wohl zu verschweigen , so weiß der Baron ganz gewiß ein neues skandalöses Geschichtchen von der Dame aufzutischen , das ebenso begierig vernommen als verbreitet wird , damit gehöriges Gift die Blumen des Kranzes vor der Zeit töte . - Die vornehmeren Visiten bei der Gräfin A. , bei der Baronesse B. , bei der Gesandtin C. u.s.w. füllen die Zeit aus bis halb vier Uhr ; und nun hat der Baron seine eigentlichen Geschäfte abgemacht , so daß er um vier Uhr sich beruhigt zu Tische setzen kann . Dies geschieht gewöhnlich wieder in einer Restauration . Nach Tische gehen wir zu Kaffee , spielen auch wohl eine Partie Billard und machen denn , erlaubt es die Witterung , eine kleine Promenade ; ich beständig zu Fuß , der Baron aber manchmal zu Pferde . So ist die Theaterstunde herangekommen , die der Baron niemals versäumt . Er soll im Theater eine überaus wichtige Rolle spielen , da er das Publikum nicht allein von allen Verhältnissen der Bühne und der auftretenden Künstler in Kenntnis setzen , sondern auch das gehörige Lob , den gehörigen Tadel anordnen , so aber überhaupt den Geschmack im richtigen Geleise erhalten muß . Er fühlt einen natürlichen Beruf dazu . Da man den feinsten Leuten meines Geschlechts ungerechterweise den Eingang in das Theater durchaus nicht verstattet , so sind die Stunden während der Vorstellung die einzigen , in denen ich mich von meinem lieben Baron trenne und mich allein auf meine eigne Hand belustige . Wie dies nun geschieht , und wie ich die Konnexionen mit Windspielen , englischen Wachtelhunden , Möpsen und andern vornehmen Leuten benutze , das sollst du künftig erfahren , guter Murr ! - Nach dem Theater speisen wir wieder in einer Restauration , und der Baron überläßt sich in heitrer Gesellschaft ganz seiner frohen Laune . Das heißt , alle sprechen , alle lachen und finden alles auf Ehre göttlich , und keiner weiß , was er spricht , und worüber er lacht , und was als auf Ehre göttlich gerühmt werden darf . Darin besteht aber das Sublime der Konversation , das ganze soziale Leben derer , die sich zur eleganten Lehre bekennen , wie mein Herr . Manchmal fährt aber auch wohl der Baron noch in später Nacht in diese , jene Gesellschaft und soll dort ganz exzellent sein . Auch davon weiß ich nichts , denn der Baron hat mich noch niemals mitgenommen , wozu er vielleicht seine guten Gründe haben mag . - Wie ich auf weichem Lager in der Nähe des Barons herrlich schlafe , habe ich dir schon gesagt . Gestehe aber nun selbst , guter Katz , wie nach der Lebensweise , die ich hier ausführlich beschrieben , mich der alte mürrische Oheim eines wüsten , liederlichen Wandels anklagen kann ? - Es ist wahr , daß ich , schon hab ' ich dir ' s gestanden , vor einiger Zeit gerechten Anlaß gab zu allerlei Vorwürfen . Ich trieb mich umher in schlechter Gesellschaft und fand eine besondere Lust darin , mich überall , vorzüglich in Vermählungsschmäuse ungebeten einzudrängen und ganz unnützen Skandal anzufangen . Alles dies geschah aber nicht aus reinem Trieb zu wüster Balgerei , sondern aus bloßem Mangel an höherer Kultur , die ich bei den Verhältnissen , wie sie in dem Hause des Professors bestanden , nicht erhalten konnte . Jetzt ist das alles anders . Doch ! - wen erblick ' ich ? - Dort geht der Baron Alzibiades von Wipp ! - Er sieht sich nach mir um - er pfeift ! - A revoir Bester ! « - Schnell wie der Blitz sprang Ponto seinem Herrn entgegen . Das Äußere des Barons entsprach ganz dem Bilde , das ich mir wohl nach dem , was Ponto von ihm gesagt , machen durfte . - Er war sehr groß und nicht sowohl schlank gewachsen als spindeldürr . Kleidung , Stellung , Gang , Gebärde , alles konnte für den Prototypus der letzten Mode gelten , die aber , bis ins Phantastische hinaus getrieben , seinem ganzen Wesen etwas Seltsames , Abenteuerliches gab . Er trug ein kleines , sehr dünnes Röhrchen mit einer stählernen Krücke in der Hand , über das er Ponto einigemal springen ließ . So herabwürdigend mir auch dieses schien , gestehen mußte ich doch , daß Ponto mit der höchsten Geschicklichkeit und Stärke jetzt eine Anmut verband , die ich sonst noch niemals an ihm bemerkt . Überhaupt , wie nun der Baron mit vorgestreckter Brust , den Leib eingezogen , mit einem sonderbaren ausgespreizten Hahnentritt weiter fortwandelte und Ponto in sehr zierlichen Kurbetten bald vorwärts , bald nebenher sprang und sich nur ganz kurze , zum Teil stolze Begrüßungen vorübergehender Kameraden erlaubte , so sprach sich darin ein gewisses Etwas aus , das , ohne mir deutlich zu werden , dennoch mir imponierte . - Ich ahnte , was mein Freund Ponto