worden ; seine ostindischen Leute erstarrten vor den unbegreiflichen Erscheinungen , und waren ihm mehr Last als Hülfe . Nachdem er alles und alle im freien Felde geborgen , und die Bürger hörte , wie sie so nachlässig zum Löschen gingen , weil sie meinten , das sei Gottes Finger , der vor dem Einzuge ihres Fürsten , noch das hochmütige Schloß des Grafen habe demütigen wollen , daß er eine reine Aussicht aus seinen Zimmern bekomme , auch sei es schon lange darin umgegangen mit allerlei Erscheinungen ; da kam er auf den Glauben , das Feuer sei absichtlich angelegt gewesen . So bitter ihm dieser Gedanke im ersten Augenblicke war , so herrlich sich die schönen Verhältnisse des Gebäudes mit scheidender Sehnsucht in dem Feuer verklärten , so hatte er , der alles aufgeben , alles vergessen konnte , auch darüber sich bald gefaßt ; er zündete seinen Zigaro an einem heruntergestürzten brennenden Balken an , und ließ sich mit einigen müßigen Zuschauern in Unterredung ein . Er fragte zuerst nach dem Herzoge von A ... , der ihm ganz unbekannt sei ; sie verwunderten sich alle , daß er den nicht kenne , der habe die junge Gräfin Klelia geheiratet , sei aber nun schon lange tot , und der brave Graf Karl , der an Gräfin Dolores vermählt , sei mit ihr zur Witwe hingezogen , keiner wisse recht warum ; doch sage man , der alte Graf P ... sei so oft im Schlosse umgegangen und habe so viel Tumult nach seiner Art gemacht , daß sie es nicht aushalten können , gewiß wäre es , daß nach ihrem Abzuge kein Mensch vor seinem Spuken im Schlosse hätte aushalten können . - Der Graf war nicht wenig erstaunt , sich als ein Gespenst in seinem alten Wohnsitze anerkannt zu wissen ; er fragte mit einigem Herzklopfen , ob man nicht wisse , wo der alte Graf geblieben . - » Der hochmütige üppige Narr « , antwortete ein Bürger , » nachdem er unserm Fürsten mit Bauen und Fresserei alles gebrannte Herzleid angetan , mußte schuldenhalber davon laufen , ließ Frau und Kinder im Stich , und die Frau starb bald aus Gram . « - Jetzt wußte er genug von dem Schicksale der Seinen ; er drehte sich um , und das Gewissen zog eine tiefe Furche über seine Erinnerungen , wie der Ackermann über eine verfluchte und zerstörte Stadt . Er mußte fort , er wollte dieselbe Straße zurück , aber seine Pferde , die er den vorigen Tag sehr angestrengt , bedurften der Ruhe ; um nichts Übles mehr von sich zu hören , gab er sich für einen alten Freund des Grafen P ... aus , der ihn hätte besuchen wollen . - » Den Schelm « , sagte der Wirt , wo er abgetreten , » wollt Ihr besuchen Herr ? Da müßtet Ihr weit fahren und hoch steigen ; der ist in Amsterdam an den höchsten Galgen gegangen . « - » Bewahre Gott « , sagte der Graf . - » Ich schwöre es Euch bei Seel und Seligkeit « , antwortete der Wirt ; » ein holländischer Kaufmann , der ihn gar wohl kannte , hat ihn hängen sehen , weil er in Holland falsche Wechsel gemacht , und darüber Streit mit dem Erbstatthalter bekommen . « - Der Graf beschleunigte ungeduldig seine Abreise ; der Wirt konnte es nicht begreifen , daß er um den alten Spitzbuben , den Grafen so weit gefahren , und nicht einen Tag bleiben wolle , um den prächtigen Einzug ihres Fürsten zu sehen , der nach so vielen Jahren des Elendes wieder zurückkehre , den sie auf Händen in die Stadt tragen würden ; » ja daran erkennt man gleich den Herren Engländer « , versicherte der Wirt . - Der Graf sah tief gekränkt zum Fenster hinaus nach der Brandstätte ; viel Rauch , aber wenig Flamme stieg mehr auf . Mehrere Mauern waren halb eingestürzt , sie waren nicht dauerhaft gebaut , die übrigen besonders an den Zuglöchern der Fenster sehr geschwärzt . Das altertümliche fürstliche Schloß trat glänzend hervor im Morgenrot ; der Wächter blies mit seinem Horn von der hohen Zinne den Tag an , es schien noch Jahrhunderte zu überschauen und des Grafen luftiges Gebäude , das so lange darauf zu spotten schien , lag da wie eine untergehende leichtsinnige Zeit reuig abbittend vor einer alten dauerhaften , wiederkehrenden , bescheidenern . - Der Graf konnte das alles nicht länger ertragen , ihm war zu Mute , als erginge über ihn das Totengericht der ägyptischen Könige ; er sah zu , ob sich seine Leute etwas erholt hätten , und befragte sie , wie es ihnen im Schlosse ergangen . Ihre verwirrten Aussagen kamen alle darauf hinaus , daß sie von einer Dienerschaft , die sehr prächtig gewesen , sehr gut aufgenommen worden ; daß sich aber auf wiederholtes Klingeln einer nach dem andern mit den Lichtern entfernt , und sie gleich darauf das Feuer bemerkt , auch niemand von den Dienern wiedergesehen hätten . Der Graf gebot ihnen zu schweigen , fragte noch , wann denn der Fürst ankäme ; der Wirt sagte , um Mittag , da ließ er anspannen , um ihn zu vermeiden . Achtes Kapitel Der alte Graf P ... begegnet dem Fürsten , der in sein Land zurückkehrt Als sie den Berg hinauffuhren und der Graf in tiefen Gedanken sich noch einmal nach seiner ganz vergangnen , ganz untergegangenen Zeit umblickte , wurde er durch einen heftigen Stoß erweckt , sein Kutscher war sehr ungeschickt mit einem anderen Wagen zusammengefahren ; der Postillon wollte mit Schlägen über ihn her fallen , aber eine gebietende Stimme im Wagen gebot ihm Frieden , und er gehorchte im Augenblicke ; auch der Graf gebot seinem Kutscher , lieber zu helfen statt zu zanken . Die beiden Stimmen erkannten sich ; in der Stimme liegt die dauerndste Eigentümlichkeit des Menschen ; als sie