. Eine unzählige Menge Volkes , und darunter sehr viele Christen , waren versammelt . Florianus erschien , im ganzen feierlichen Schmucke seines Standes , eine edle , ehrfurchtgebietende Gestalt , in der vollen Reise des männlichen Alters . Alle Augen waren auf ihn geheftet , Mitleid , Liebe , Neugier , Bewunderung und Mißbilligung malte sich auf den Gesichtern , je nachdem sein Vorhaben oder die Vorstellung , die man sich von ihm machte , die Gemüther verschieden bewegte . Das Opferfeuer vor einem Götterbilde wurde angezündet , der Priester reichte dem Centurio das Rauchfaß , und mit Anstand stieg er die Stufen hinauf , von denen er die Versammlung leicht übersehen konnte . Jetzt , statt zu opfern , wandte er sich gegen das Volk , und mit hinreißender Beredtsamkeit , und einem Ton der Stimme , der tief in die Herzen drang , mit flammendem Blick , die Gluth des edelsten Zornes auf der dunkeln Wange , Hub er an , seinen Abscheu vor der ihm zugemutheten Handlung , die Niedrigkeit des Götterdienstes , die Würde seiner Religion , und die hohe Belohnung der muthigen Bekenner zu schildern . Der Präfect gebot ihm Stillschweigen , aber das Volk , das den kühnen Redner zu hören wünschte , überstimmte den Befehl . Florianus fuhr fort , er ermahnte seine Brüder zur Standhaftigkeit , er verwies sie auf ein besseres Leben . Da drangen die Prätorianer ungestüm von allen Seiten herbei , ein wilder Tumult erhob sich , der Präfect , von Zorn außer sich , gab schnell Befehl zu seinem Tode , die Wache bemächtigte sich des Gefangenen , der ihrer Wuth überlassen wurde , das Volk suchte ihn zu befreien , aber seine Bemühungen waren vergeblich . Um keine Zeit zu verlieren , um keine Möglichkeit zur Rettung übrig zu lassen , schleppten die wüthenden Soldaten ihn auf die Brücke , und stürzten ihn von dort in die Fluthen des Anasus , der eben von heftigen Regengüssen im Gebirge geschwellt , strudelnd und schäumend daher brauste , und sein Opfer gierig verschlang1 . So endete dein trefflicher Freund ein Leben , das , stets der Tugend geweiht , auch noch in den letzten Augenblicken nur diesen Zweck hatte , und schied mit dem Bewußtseyn aus dieser Welt , ein hohes Beispiel gegeben , und einen Eindruck in den Gemüthern hinterlassen zu haben , der bald segensvolle Früchte der Treue , des Muths tragen würde . Ich setze nichts weiter hinzu . Alles , was ich sagen könnte , würde den Eindruck , den die einfache Erzählung bei dir sicher hervorbringen muß , nur schwächen oder stören . Ihm ist wohl , und selig derjenige , der einst mit solchem Bewußtseyn , zu solchem Zwecke , wie Florianus , sein Leben hingeben kann ! Leb ' wohl . Fußnoten 1 Der heilige Florian ist einer der bekanntesten und am meisten verehrten Volksheiligen in Oesterreich . Die Legende erzählt von ihm , daß er - ein römischer Offizier von bedeutendem Range - nach Laureacum , dem heutigen Enns , gekommen , um dort entweder die Christen zur Standhaftigkeit zu ermahnen , oder selbst zum Muster zu dienen , und für seinen Glauben zu sterben . Der Präfect Aquilinus ermahnte ihn , den Götzen zu opfern , er weigerte sich , und wurde in die Enns gestürzt . Hier soll nun eine christliche Matrone , mit Namen Valeria , seinen Körper aus dem Strom ziehen , und auf einem mit Ochsen bespannten Wagen bis an jenen Platz haben führen lassen , wo jetzt das bekannte schöne Stift Florian steht . Ich habe diese Geschichte so zu benutzen gesucht , wie sie in meinen Plan zu taugen schien , und die wunderbare Erzählung von der Entstehung einer Quelle am Fuße des Berges , um die müden Thiere zu laben , die den Wagen nicht mehr weiter ziehen wollten , auf etwas andere Art eingeflochten . 93. Theophania an Junia Marcella . Laureacum , im Julius 304 . Ich habe sehr trübe Tage durchlebt , meine Junia ! Schon seit ich Noricum betrat , verging vielleicht keine Woche , wo nicht irgend ein Beispiel unerhörter Grausamkeit von Seiten unserer Verfolger , oder schimpflicher Weichheit und niedrigen Eigennutzes von Seiten so mancher Abtrünnigen mein Herz mit Trauer , meine Einbildungskraft mit düstern Bildern erfüllte . Das traurigste von Allen erlebte ich hier in Laureacum . Florianus ist todt . Er fiel , ein Opfer des Hasses , ein strahlendes Beispiel für so Manche seiner Brüder , schmerzlich und ewig von dem zärtlichsten Herzen betrauert , das vielleicht je in einer weiblichen Brust schlug . Sie erfuhr seine Nähe , seine Anwesenheit an dem Orte , wo sie sich zufälliger Weise befand , nur durch die Nachricht von seiner Gefangennehmung , von seiner dringenden Gefahr . Er war nicht fern , er athmete eine Luft mit ihr , nach drei hoffnungslosen Jahren hatte ihn ein günstiges Geschick in ihre Nähe gebracht , und - er war gefangen und die Möglichkeit , ihn noch ein Mal zu sehen , zu sprechen , für die sie noch vor wenig Monaten den Rest ihres Lebens hingegeben hätte , lag nun so nahe , und war ihr durch undurchdringliche Mauern , durch den strengen Befehl des Präfects , keinen Menschen mit dem Gefangenen sprechen zu lassen , verwehrt . Es ist schlechterdings unmöglich , den Zustand zu beschreiben , in welchem sich Valeria in dieser Zeit befand . Ich fürchtete , daß er ihr Leben aufreiben werde . Diese gespannte Thätigkeit , diese glühende Liebe , diese schwärmerische Verehrung , und diese Ueberzeugung ewiger Trennung ! All ' ihr Gold , alle Versuche , die sie auf jedem nur ersinnlichen Wege machte , um den Präfect mit Recht und Unrecht für ihren heißen Wunsch zu gewinnen , bewirkten ihres Freundes Freiheit nicht . Sie erhielt nicht ein Mal die Erlaubniß , ihn in Gegenwart von Zeugen zu sprechen . Eine finstere Stille trat nun auf ein Mal an