sie ja ! “ rief Herbert der Gesellschaft zu , die sie zu erwarten schien und im Fortgehen begriffen war . Sie stiegen herauf . Elsa nahm Hut und Tuch von dem Kleiderständer . „ Wo bleibst Du nur so lange ? “ fragte Herbert absichtlich laut . „ Mein Gott , wir sind ja durch den Garten geflogen ! “ rief Elsa . „ Haben Sie denn Flügel , Fräulein ? “ fragte spöttisch der Dozent . „ Ja , “ erwiderte Elsa mit verzücktem Blick auf Johannes . „ Sie sind mir wieder gewachsen . “ „ O dann bitte , “ neckte der unermüdliche alte Korpsbursche weiter und zündete sich zum Heimweg an der Korridorlampe eine Zigarre an , „ bitte , fliegen Sie uns doch einmal was vor , — das muß ja reizend sein ! “ „ Sie machen mich nicht irre , “ sagte Elsa mit Pathos : „ Jeder Mensch wird mit Flügeln geboren — “ „ Ja wohl , mit Nasenflügeln ! “ — „ Ach , — ich wollte sagen : Er versteht sie nur nicht zu gebrauchen ! “ „ Komm , liebe Elsa , laß uns gehen , mit den Herren ist nicht zu streiten , “ nahm Angelika das Wort . „ Verabschiede Dich bei der Mutter , wir haben ja einen Weg . “ Elsa tat , wie ihr geheißen . Hinter der Staatsrätin unter der Tür stand Ernestine in tiefer Niedergeschlagenheit . Elsa näherte sich ihr und flüsterte : „ Schlafen Sie wohl , — wenn der schüchterne Morpheus86 sich Ihrem gewappneten Genius überhaupt zu nahen wagt ! “ Ernestine verneigte sich stumm . Herbert zog Elsa fort , indem er ihr zuraunte : „ Mache ihr nur Elogen ! 87 Ich werde sie vernichten ! Der < < kleine > > Mann soll ihr noch fürchterlich groß erscheinen ! “ „ Gute Nacht , süße Mutter . Gute Nacht — arme Ernestine ! “ sagte Angelika und hatte kaum noch Zeit , Beide zu küssen , denn ihr ungeduldiger Gatte hob sie ganz einfach auf und trug sie mit der brennenden Zigarre im Munde die Treppe hinab . „ Gute Nacht , Professor Möllner , “ flüsterte Elsa : „ Das Bächlein zieht seinen Weg weiter dem Meere der Vergessenheit zu ! “ „ Gute Nacht , gute Nacht , “ erscholl es in allen Tonarten , und Vater Heim summte mit seinem rauhen Baß ein altes Burschenlied , in das die Herren luftig einstimmten , denn , die Störung durch die „ verrückte “ Hartwich ausgenommen , war es doch im Ganzen recht hübsch gewesen und Möllners Havana schmeckten auf dem Heimweg in der frischen Nachtluft vortrefflich . — Hätte nur die Hartwich nicht den Scherz mit der Elsa verdorben , das wäre zu köstlich geworden . — Da war ihnen denn doch die Elsa noch lieber , die war auch eine Närrin , aber über sie konnte man wenigstens lachen , das konnte man über die Hartwich nicht . Die Hartwich war auch noch so verteufelt gescheit und wußte ihre Narrheit zu verfechten ; da hörte ja aller Spaß auf ! — So plaudernd , singend , lachend zog der Schwarm am Hause vorüber in die stille , sternfunkelnde Nacht hinein . Die Staatsrätin war mit Ernestinen in das Zimmer zurückgekehrt . Johannes , der die Haustüre hinter den Gästen geschlossen hatte , trat wieder ein und nahm sich neben Ernestinen einen Stuhl . „ Komm Mütterchen , setze Dich zu uns und lerne unsere Ernestine erst noch ein wenig kennen , bevor Ihr schlafen geht . “ Doch die Staatsrätin nahm ihr Schlüsselkörbchen zur Hand : „ Ich bedaure , ich muß Wäsche herausgeben und das Bett des Fräuleins bereiten . Die Dienstboten haben noch mit Aufräumen zu tun . “ „ Mutter , laß doch die Regine das machen und bleibe bei uns , “ bat Johannes mit leisem Vorwurf . „ Die Tafel kann ja bis morgen stehen bleiben ! “ „ Das geht nicht wohl wegen des Silbers . Auch wird das Fräulein der Ruhe bedürfen . “ „ Ich beklage sehr , Ihnen so viel Mühe zu machen , “ sprach Ernestine peinlich berührt . „ O bitte , das tue ich ja mit Vergnügen ! “ Mit diesen kalten Worten verließ die Staatsrätin das Zimmer . Ernestine saß bleich und erschöpft da . Johannes faßte ihre Hand : „ Geduld , Geduld , meine Ernestine , sie wird sich — Ihr werdet Euch wiederfinden ! “ Ernestine schüttelte stumm das Haupt , schwere Wolken lagen auf ihrer Stirn : „ Auch hier ist keine Heimat für mich ! “ „ Noch nicht — aber sie kann es werden ! “ „ Nein — niemals ! “ Johannes preßte die Lippen schmerzlich zusammen : „ Ernestine , Du ahnst nicht , wie weh Du mir tust ! “ „ Ihnen , mein Freund ? Ihnen sollt ’ ich weh tun , dem Einzigen , der mir wohlgetan ? O nein , das will ich nicht , — gewiß nicht ! “ Und sie neigte sich mit tiefem , fast kindlichen Gefühl zu ihm und legte ihre Hand auf die seine . „ O , wenn Du so bist , “ sagte Johannes , sie mit heißer Liebe betrachtend , „ dann fragt man sich , ob Du denn dieselbe sein kannst , dieselbe Ernestine , die ihr köstliches , reiches , unergründliches Herz und alle seine Freuden einem Phantom opfern will , einem Streben , das nicht den tausendsten Teil des Glückes aufwiegt , das sie sich und Andern bereiten könnte . O mein Gott ! “ Er drückte seine Augen in Ernestinens Hand , sie ward von Tränen genetzt : „ Jedes Wort , das Du heute gesprochen , war mir ein Dolchstoß . War es denn möglich , daß Du so denken und fühlen konntest nach der Stunde , die wir heute zusammen erlebt ? O