Deinem Herrn auf Dir , der Dich damit beschwert ; Man neide nicht zu sehr die Dir vertraute Würde , Du bist , wer es bedenkt , mehr des Bedauerns wert . Ihn selbst begleitete dies Gefühl beständig . Alle Zeit bemüht , durch Zurückweisung erneuter Ehren , sich dem Haß der Höflinge zu entziehen , geschah schließlich doch , was ihm eine Vorahnung von Anfang an gesagt hatte : Neid und Intrige gewannen die Oberhand . Dem drohenden Sturze wenigstens nach Möglichkeit auszuweichen , bat er selbst um seinen Abschied , der ihm auch unterm 27. November 1697 gegeben wurde . Er zog sich nach Neustadt a. D. , zu dessen Amtshauptmann er 1694 oder nach anderen Angaben erst 1696 ernannt worden war , zurück , woselbst er nunmehr Tage der Ruhe zu finden hoffte . Die Bosheit seiner Feinde jedoch war nicht erschöpft . In Sorge , daß er aus seiner selbstgewählten Verbannung jeden Augenblick wieder in ihrer Mitte erscheinen könne , gab man ihm schuld , mit fremden Potentaten eine nicht zulässige Korrespondenz geführt zu haben , und auf diese Beschuldigung hin ward er am 10. Dezember 1697 in Neustadt festgenommen . Die später gegen ihn ausgearbeitete Prozeßschrift bestand aus 109 , nach anderer Angabe sogar aus 290 Anklagepunkten . Man führte den Beklagten von Neustadt nach Spandau , dann zwei Monate später nach Peitz . » Dabei – so heißt es in unserem mehrzitierten Flugblatte – blieb es übrigens nicht , man nahm ihm auch alle seine Güter . Endlich gegen Ausgang des Jahres 1707 , als dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm der erste Sohn geboren worden war , ward er in Freiheit gesetzet , mit der Ehre oder vielmehr mit der Schande , unter den Delinquenten , denen die Solennität dieser Geburt ( eines Prinzen ) die Gefängnisse geöffnet hatte , voran zu stehen . Dabei war seine Freiheit so eingeschränket , daß er weniger einem freien Menschen als einem Gefangenen glich , der seine Ketten mit sich schleppet und nicht aus dem Gesicht gelassen wird . Nur in dem kleinen Bezirke von Cottbus durfte er sich sehen lassen und spatzieren gehen . « So gingen die Dinge bis 1713 . Unmittelbar nach der Thronbesteigung Friedrich Wilhelms I. wurde Danckelmann freigegeben und durch den König nach Berlin berufen . Dieser benutzte vielfach seinen Rat , gab ihm aber sein Vermögen nicht zurück . Danckelmann starb 1722 im achtzigsten Lebensjahre . * Erscheinung und Charakter Danckelmanns finden wir in der bei Peter Marteau erschienenen Broschüre wie folgt beschrieben : » Danckelmann war von einer großen Taille , etwas korpulent , aber allezeit von gutem Ansehen . Sein Geist hatte den Stempel des Bedeutenden ; er war gediegen , zuverlässig , scharfsinnig , mit einem guten Judicio begabt , dabei durch gute Studia , sowie durch vieljährige Erfahrung bei Hofe , große Affairen und unermüdlichen Fleiß ausgebildet . Hervorragend wie seine Klugheit war seine Redlichkeit , die ihn jederzeit nur auf das allgemeine Beste und das Interesse seines Herrn bedacht machte . Er trennte das Eine nicht von dem Andern . Solche allzu aufrichtige Sitten , ein etwas allzu ernsthafter Humeur ( er soll nie gelacht haben ) und allzustrenge Formen , waren nicht bequem , einen guten Hofmann zu machen . Er wollte lieber dem Fürsten Instruktion geben , indem er ihm die Wahrheit sagte , als ihm schmeicheln , indem er ihm die Wahrheit verhehlte ; er wollte lieber den Calumnien seiner Neider sich unterwerfen und dabei seine Schuldigkeit thun , als dem Fürsten gefallen und ihn danach verrathen . « So die P. Marteausche Broschüre . Damit stimmen durchaus die von Besserschen Verse : Was fordert man von Dir ? Verlanget man Geblüte ? Du hast ein alt Geblüt ; verlanget man Gestalt ? Du hast sie , und noch mehr , Du hast auch ein Gemüte , Das mehr zu schätzen ist , als Ansehn und Gewalt . Verlangt man Wissenschaft ? In Dir sind alle Künste ; Verlangt man Tugenden ? Wer kennt nicht Deine Treue ? Wer nicht Dein edles Herz entfernet vom Gewinnste , Wie groß , wie unverzagt , wie standhaft solches sei . 73 Nach diesem Versuch einer kurzen Charakteristik , erübrigt uns nur noch , unter Hinzufügung einiger Züge , zu rekapitulieren , inwieweit Danckelmann in Beziehung zu Neustadt trat . Es ergibt sich dabei das Folgende : 1694 wurde Neustadt , wie weiter oben erzählt , seitens des Kurfürsten erworben und Danckelmann zum Amtshauptmann bestellt . Es scheint , daß der Ankauf überhaupt nur geschah , um eine neue , einträgliche Stellung für ihn zu kreieren . Wir finden nämlich in der dieser Skizze vorzugsweise zugrunde gelegten Schrift von 1712 die nachstehende Stelle : » Den Ankauf der Grafschaft Spiegelberg , womit der Kurfürst ihn begnadigen wollte , suchte Danckelmann zu hintertreiben . « Da es eine » Grafschaft « Spiegelberg nirgends gibt , so ist hier selbstverständlich jene Neustädter Fabrik-und Spiegelmanufaktur-Vorstadt gemeint , die bis diesen Tag den Namen » Spiegelberg « führt . Daß Danckelmann , solange ihn die Fülle seiner Ämter – er war auch Erbpostmeister geworden – in Berlin festhielt , oft und andauernd in Neustadt verweilt habe , läßt sich nicht annehmen ; andererseits ist es unzweifelhaft , daß er mit der ihm eigenen Umsicht alle dortigen Unternehmungen , die seit dem Ausscheiden des Prinzen von Hessen-Homburg ( 1678 ) ins Stocken geraten waren , wieder in Gang brachte . Die reichen Mittel , über die teils sein Vermögen , teils seine hohe Stellung ihm Verfügung gab , erleichterten ihm dies . Besonders scheint er sich auch an Vollendung und Ausschmückung der , wie wir wissen , 1673 begonnenen und 1686 eingeweihten Kirche beteiligt zu haben . So fand ich unter andern im Bratring : » Erst 1696 wurde der innere Ausbau der Kirche durch den Amts-Hauptmann von Danckelmann beendigt . « Schon damals mochte der Wunsch in ihm lebendig sein , sich je eher je lieber aus den Kabalen des Hofes