ihm entfallen , schon züngelt ein Flämmchen nach ihr . Hans Gerwald springt hinzu und schleudert sie der Kleinen nach , die jetzt tief in einem Kellerloch steckt . » Hans ! « ruft Konrad . Der lacht hell auf : » Wenn die Puppe ihr Lebensglück ist - « Dann bricht er zusammen : » Mein Fuß ! « und ein langer Blick , wie gequälte Tiere ihn haben , die nicht reden können , trifft den Kameraden . Es kracht und prasselt von allen Seiten . Schon hat ihn Konrad auf den Armen wie ein kleines Kind . Der aber wehrt sich mit versagenden Kräften : » So laß - mich - doch liegen ! « Doch Konrad hält ihn umklammert . Ihm ist auf einmal , als rettete er etwas sehr Kostbares , Unersetzliches - ein Stück der Jugend , die aufbauen sollte , was jetzt in Trümmer fiel . Und wie Christoforos stark fühlt er sich . Sie kommen zu einem Chausseewärterhäuschen . Er stößt mit dem Fuß die Türe auf . In dem engen Raum dahinter liegen sie schon , die Verwundeten , dicht geschart , Mann an Mann . Sie wimmern leise . Der Sanitäter weiß kaum , wem er zuerst helfen soll . Aber der Eintritt der neuen Gäste läßt sie verstummen . Aller Augen richten sich auf sie , eine einzige Frage , die keines Worts bedarf . Und Gerwald hebt den Kopf - er lacht schon wieder - : » Wie ' s steht , wollt ihr wissen , Kameraden ? « sagte er mit ganz heller Stimme , » nun gut - wie anders als gut . Bis die Sonne sinkt , ist Preußen frei ! « Dann wird er sehr blaß . » Hm , « macht der Sanitäter , als er ihm den Stiefel aufgeschnitten hat . Konrad sieht ihn ängstlich an . Er schüttelt den Kopf : » Ein Dum-Dum-Geschoß offenbar . Wird lange dauern - « sagt er ganz leise . Noch ein Händedruck , den der Verwundete heftig erwidert . » Spätestens übermorgen bin ich doch wieder heil ? « hört er ihn noch inständig flehen . Dann ist er wieder auf der Straße und jagt dem Dorfe zu . Ein einziger brennender Trümmerhaufen empfängt ihn . » Nach der Feuerlinie entwickeln - « eine nicht mehr menschliche Stimme brüllt es aus Rauch und Flammen . Lähmendes Entsetzen - nur einen Atemzug lang - versteint alles . Dann : vorwärts - hinein ! Jeder Gedanke erlischt . Jedes Gefühl schrumpft zusammen . Beizender Rauch beklemmt den Atem . Er wirbelt empor , verhüllt den Himmel , als wollte er dem freundlich strahlenden das Gräßliche nicht schauen lassen , um dann , hohnlachend über das eigene Mitleid , aus den Dächern auszubrechen und die schwarzen Schwaden triumphierend mit gelbem und blauem Licht zu zerreißen . Danach streckt er sich schmal , weiß , langsam , wie die Seelen der Toten , aus berstenden Fenstern . Quer über die Straße jagen Tiere mit wahnsinnigem Gekreisch . Sie entfliehen dem brennenden Stall , sie prallen jenseits entsetzt zurück vor zusammenkrachenden Balken . Sie fallen . Und über verendete Leiber springt die stürmende Truppe wider die Menschenmauer , die ihren Weg versperrt . Das ganze Orchester der Hölle spielt dem satanischen Tanze auf : Kugeln , Granaten , Schrapnells - ein Pfeifen und Knattern , Heulen und Sausen . Die lebendige Mauer zerreißt - fällt auseinander - bricht in sich zusammen . Berge von Toten und Sterbenden häufen sich . Noch ein Bogenstreich des geigenden Teufels - das letzte Gekreisch der Getroffenen . Spätnachmittag war es . An einem weißleuchtenden Tag im August . Da fand Konrad Hochseß sich wieder unter einer einsamen Pappel am Weg . Er sah an ihr empor . Gedankenlos . Ihre Spitze war verdorrt . Richtig - alle Pappeln gehen ein - fuhr es ihm durch den Sinn - alle , die zu den Zeiten korsischer Weltherrschaft gepflanzt worden sind . Er begann langsam zu sich zu kommen . Warum lag er hier ? Er mußte doch - Dort unten am See war ein Menschengewühl - am See , der grünlich-blaue Hexenaugen hatte - Augen , die verraten , wenn sie lächeln . Dort kämpfen Kameraden - ! Er sprang auf - und sank ächzend zusammen . Was war das nur für eine Faust , die ihn festhielt ? Er besann sich : mit dem Kolben hatte er um sich geschlagen in die breiten , gelben Fratzen , die rechts und links um ihn aufgetaucht waren . Und dann hatte ihm jemand einen Stoß vor die Brust gegeben . Jemand ? - Wer ? Sehr groß war er gewesen - riesenhaft . Hatte einen Stab in der Hand gehabt - oder einen Speer . Und eine lange , graue Haarsträhne über dem linken Auge - Konrad lächelte matt : Wie dumm die Müdigkeit machte ! Und daß ihm just jenes vergessene Bild einfiel , - der einäugige Germanengott - , das über seinem Kinderbettchen gehangen hatte ! Seltsam : immer mehr Bilder kommen , lebendig gewordene . War jener dort nicht der ruhende Gigant aus der Mediceerkapelle , der alle Erkenntnis besaß und nicht sagen konnte , was er wußte ? Er hatte sich erhoben , war entwichen , um vor ihm den verschlossenen Mund zu öffnen - fast hätte er mit seinem marmornen Fuß die Wasserrose zertreten - Jörun Egils Wasserrose mit dem Käfer darin . - Daß der Prophet , der die neue Religion suchte , in den See gegangen war , weil - weil der Käfer die Blume fraß ! Warum hatte er nicht bis heute gewartet ? Jörun Egil - wie töricht bist du ! Siehst du denn nicht , daß es den Tod nicht gibt ? Daß Tod und Leben nichts sind , wie das Auf und Ab der Wellen ? Freilich - wenn du nur den Käfer siehst - nichts als den Käfer ! Konrads Kopf sank zurück