Gottes , an den er glaubte . Gottes Gesicht sah aus wie die unbegrenzte Nacht , wie ein riesenhafter Panzer aus blauem Stahl und hatte unzählbar viele Augen , solche , die groß und klar und herrlich , und solche , die winzig und geheimnisvoll waren . » Gott hat Augen nur für den Sehenden . Gott ist augenlos für die Blinden . « In den stillen , dunklen Dörfern brannte kein Feuer , nirgends sah man den Qualm einer Brandstätte , und dennoch war ein scharfer Rauchgeruch in der Luft . Er kam mit den Windstößen , die über den Untersberg herunterwehten , schwül wie ein Frühlingsföhn ; sie bliesen über den Kamm der Felswände die heiße Luft herüber , die hinter dem Untersberg von den brennenden Wäldern gekocht wurde . Je näher der kleine Trupp dem Tal von Berchtesgaden kam , um so nebliger wurde die Nachtluft . Und als es von der Ache hinaufging zum Stift des heiligen Peter , sah man in dem weißlichen Dunst auf keine hundert Schritte mehr . Die grauen , treibenden Schwaden , die wie der Dampf einer großen Badestube waren , rochen jetzt nach Harz , Wacholder und Fichtennadeln . Einer von den Trägern sagte : » Tät man den Husten haben , so wär ' s gesund . « Eine Glocke schlug die dritte Morgenstunde , als die Reisenden durch den Stiftshof kamen . Der war wie ausgestorben . Kein Eisen klirrte , keine Wache rief . Die ganze , noch übrige Wehrmacht des verwaisten Ländleins war in der Ramsau , die man wieder sanktpetrisch machte , war im Schwarzbachtal und beim heiligen Zeno , dessen herzogliche Hilfstruppe sich fast ohne Schwertstreich den Gadnischen ergeben hatte . Und da wurde der heilige Zeno so schwer um Gut und Besitz gebüßt , daß er für alle Zeiten aufhörte , eine politische Person zu sein und daß den geweihten Söhnen seiner Kirche aus Mangel an Beschäftigung nichts andres übrigblieb , als ihrem geistlichen Amt zu dienen und gute Priester zu werden . Herr Konrad Otmar Scherchofer tröstete sich als lächelnder Philosoph , der innerlich dem Besseren immer gewogen war . Doch sein sauerriechender Kaplan , Herr Franzikopus Weiß , der mit schweren Beulen und blauen Malen aus der Ramsau entronnen , konnte es nicht ertragen , daß seiner staatsmännischen Begabung der große Wirkungskreis entzogen werden sollte . Er konspirierte hinter dem Rücken seines Propstes und schrieb geheime Briefe . - In dem dichten Dunste , der über dem Marktplatz von Berchtesgaden lag , waren die Häuser still und dunkel . Nur ein einziges war wach . Gleich großen , trüb verschwommenen Laternen hingen die erleuchteten Fenster des Someinerschen Hauses im grauen Nebel . Überall war Licht , vom Erdgeschoß bis hinauf zur Dachstube der alten Magd . Als Lampert die hellen Fenster sah , fiel ihm ein weher Schreck in das Herz . Bevor noch seine Träger die Bettlade auf das Pflaster niederstellten , streckte er die Hände und stammelte : » Meine Krücken - meine Krücken - « Da fing der Moorle zu wiehern an . Droben am Erker klirrte das Schubfenster . Ein Schrei . Der Schlag einer Türe . Im Haus ein Geraschel . Schwere Riegel klirrten , das Tor wurde aufgerissen , und aus dem Hausflur quoll der Geruch von starkem Räucherwerk . Bei trübem Lichtschein taumelte die schwarze Frau Marianne auf die Gasse heraus . » Bub , mein Bub - « Zitternd hing sie in den Armen des Sohnes , ließ sich hinfallen auf die Kante des Bettes und wußte nicht , was in ihr das Größere war , der Jammer und Gram dieser Nacht oder die Freude dieses Augenblicks . » Mutter ? Er lebt doch ? « Sie konnte nicht reden , konnte nur schluchzen an Lamperts Hals . Und als ihr nach Tränen die Sprache kam , fand sie nur zwei gallige Worte : » Siebzehn Ochsen ! « Die acht Träger , als sie die zwei unbegreiflichen Worte der Amtmännin hörten , hielten die Frau für irrsinnig . Lampert nahm den Kopf der Schluchzenden zwischen seine Hände . » Komm , Mutter ! Sei ruhig ! Komm , ich führ dich hinauf ! « Mit beiden Beinen stieg er aus der Bettlade , biß die Zähne übereinander und knirschte : » Die zwei Stecken her ! « Beim Anblick der Krücken schrie Frau Marianne den Namen des Heilands in die Nacht hinaus . » Nein , Mutter ! Hab keine Sorg ! Das ist nur jetzt - weil ich den Knochen geschindelt hab und das Knie nicht biegen kann . Das wird schon wieder . « Jetzt war Frau Marianne keine schluchzende Witib mehr - war nur die Mutter noch , die ihrem Sohne helfen muß . Zu den Schwachen hatte sie nie gezählt . Der alten Magd , die mit einem Windlicht auf der Hausschwelle stand , befahl sie : » Flink ! Tu besser leuchten ! « Die Schulter unter dem Arm des Sohnes schiebend , faßte sie ihn fest um den Rücken . Und den stärksten der acht Träger schrie sie zornig an : » Du Muckenfanger , so komm doch und hilf ! « Die beiden trugen den Wunden über die steile Treppe hinauf . Als sie ihn bei der Stubentür vorbeibringen wollten , bat er : » Mutter ! Ich will ihn sehen ! « » Morgen , Bub ! Heut nimmer ! Du mußt ins Bett . Und mußt dich ausrasten und mußt deine Ruh haben . « » Ich will , Mutter - « » Morgen , morgen ! « Frau Marianne log . Schon seit dem Abend war der selige Amtmann Someiner nimmer im Hause . Kaum daß er kalt geworden , hatte man ihn hinuntergelegt in geweihten Boden und hatte Sarg und Grube zugeschüttet mit gelöschtem Kalk . In der Marktgasse waren schon sieben Leute von dem gleichen , bösen Leiden befallen . Um das Gift der Krankheit im Hause zu zerstören ,