weil ihm die Krallen zusammengebunden waren . O Manitou , o Manitou ! betete der Knabe noch einmal . Dann schloß er die Augen , glitt langsam über den Rand des Felsens hinaus und zog den Vogel nach . « » Weiter , weiter ! « rief Pappermann . » Ich kann es nicht erwarten ! « » Ja , schnell , schnell ! « bat auch das Herzle . Intschu-inta gehorchte : » Ich habe gesagt , daß der Knabe die Augen schloß . Stürzte er ? Nein . Er wäre in einigen Sekunden unten in der Tiefe aufgeschlagen . Aber die Sekunden vergingen , und er lebte noch . Ueber ihm rauschten Flügel . Er schwankte hin und her . Der Adler schrie in einemfort . Sein Kreischen klang über Berg und Tal , daß jedermann zur Höhe schauen mußte . Da öffnete der Knabe die Augen . Er sah , daß er fiel , beständig fiel , aber nicht stürzend , sondern langsam , in einer abwärts gehenden Schraubenlinie . Der Adler wehrte sich . Er wollte nicht nieder . Er arbeitete mit allen Kräften seiner Schwingen . Aber der Knabe war zu schwer ; der zog ihn hinab , bis in die Nähe des Schlosses . Da erreichten sie den festen Boden . Aber der Knabe war noch nicht gerettet . Er hatte sein Messer nicht mehr . Er konnte die Riemen nicht durchschneiden , sich nicht vom Vogel befreien , der sich bemühte , wieder aufzusteigen . Es entspann sich ein Kampf , in dem der Adler stärker als der Knabe war . Er schlug ihn mit den Schwingen ; er riß ihn hin und her . Leute eilten herbei . Die Angst vor ihnen verdoppelte die Kräfte des Adlers . Er überwand die an ihm hängende Last . Er ging noch einmal in die Luft , wenn auch nicht hoch . Er flog eine kurze Strecke weit , dann sank er wieder zur Erde , die er grad vor uns erreichte , vor Tatellah-Satah und vor mir . Da lag ein Stein . Ich hob ihn auf , und wir erschlugen den Riesenvogel . Der Knabe war gerettet . Die Flügelschläge hatten ihn arg mitgenommen ; aber er lächelte . Er jubelte sogar . Denn er hatte erreicht , was er erreichen wollte , nämlich seine - - Medizin . Seitdem wird er der junge Adler genannt , und das Fliegen ist es , wovon er am liebsten spricht . Er ist sogar nach den Städten und Dörfern der Bleichgesichter gegangen , um es dort zu lernen . « » Und kann er es ? « fragte das Herzle . » Das weiß ich noch nicht . Aber er ist schon seit gestern dabei , sich eigene Flügel zu bauen . Also scheint er es doch zu können . Das dürfen aber nur wir wissen , andere nicht . « Wir waren während dieser Erzählung eine gute Strecke vorwärts gekommen und folgten nun einer ganzen Reihe von Tälern und Schluchten , welche miteinander im Zusammenhange standen , aber nach so verschiedenen Richtungen führten , daß es oft schwer war , zu sagen , ob wir nach Nord oder Süd , nach Ost oder West ritten . Schon waren wir über drei Stunden unterwegs . Da stießen wir auf einen kleinen Fluß , dessen klarem Wasser man es ansah , daß es nicht aus einer erdigen oder gar lehmigen , sondern aus einer felsigen Gegend kam . » Das ist das Wasser der Höhle , an dem wir nun aufwärts reiten werden , « sagte Intschu-inta . » Es kommt aus der Höhle und führt uns also direkt nach unserem Ziele . « Wir schwenkten in diese Richtung ein . Als wir an dieses Wasser kamen , hatten wir den tiefsten Punkt unseres heutigen Weges erreicht . Nun ging es wieder aufwärts , dem Mount Winnetou zu , wenn auch von einer anderen Seite . Wir hatten einen großen Umweg gemacht . In der Luftlinie standen wir dem Berge ganz bedeutend näher . Das Tal des Flüßchens war eng und dabei dicht mit Nadelholz bewachsen . Oft fanden wir vor lauter Baumwuchs kaum genug Platz zum Vorwärtskommen . Das dauerte weit über eine Stunde lang . Dabei wurden die Seiten des Flußtales immer höher und höher . Dann kam eine Stelle , wo sie plötzlich weit auseinandertraten und wohl eine halbe Reitstunde lang in schnurgerader Richtung verliefen . Dadurch entstand eine große , lange , pfannenähnliche Bodenvertiefung , deren Sohle der Fluß wie eine mit dem Lineal gezogene Schnur durchschnitt . Eine ganz erstaunliche Vegetation von Riesenbäumen stieg zu beiden Seiten hoch empor . Zwischen den gigantischen Stämmen gab es dichtes Unterholz in Menge . Dicht war auch das Gesträuch , welches den Boden dieser Felsenpfanne bedeckte . Einzelne Laub- und Nadelkronen ragten daraus empor . Hier gab es Laub und Gras in reicher Menge , zum Futter für die Pferde . Allerdings , wenn die Pferde nach Tausenden zählten und nicht nur einige Tage , sondern längere Zeit zu bleiben hatten , so reichte auch diese Menge nicht aus . » Das ist das Tal der Höhle , « sagte Intschu-inta . » Und wo ist die Höhle ? « fragte das Herzle . » Ganz hinten , am Ende des Tales , wo es direkt an den Mount Winnetou stößt . Kommt ! « Wir ritten weiter . Also hier war es , wo die verbündeten Sioux , Uthas , Kiowa und Komantschen sich verstecken wollten . Der Platz war gar nicht übel von ihnen gewählt . Nur lag er von uns sehr weit entfernt , und wer uns von hier aus überfallen wollte , der hatte vorher einen fünf Stunden langen , mühsamen Weg zurückzulegen . Oder gab es vielleicht einen kürzeren , bequemeren Weg ? Und war er unsern Gegnern bekannt ? Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf . Sie erschienen mir der Beobachtung wert . Und sonderbar , kaum