vor ihr Antlitz schlug . Dumpf fuhr Heinrich fort : » Naß und kalt ist klein Anneliesel gewesen , bleich und stumm , da man den Körper in meine Arme tat , das Händlein hat noch die gelben Blumen gehalten . Agnete ist schier von Sinnen worden , und wir haben besorgt , das Herz werde ihr brechen . « » Schreibet sie sich denn Schuld an des Kindleins Tode zu ? « fragte ich . » Ja , « antwortete Sibylle ; » sie hat aber keine Schuld . Sie litt damals an Blutspeien und war so schwach . Mattigkeit hat sie überwältigt . « » Schuld hat sie keine , « versicherte auch Heinrich . » Das hab ich ihr oft gesagt . Aber sie hat sich angeklagt , hat ihr Haar geraufet und mich um Vergebung angefleht , auf den Knien angefleht - und ich - ich habe sie emporgehoben - und begütigt - habe mich dann vor ihr auf die Knie geworfen - und unsere Tränen sind geflossen . Wie Agnete sich gesammelt , hat sie zu mir gesprochen : Ich will dir dienen , wie eine Magd . Und so du mich noch zur Frau begehrst , bin ich einverstanden . Nur grolle nicht , weil ich dir kein ander Kindlein schenken kann ; denn sieh , ich hab ein Geheimnis , daß ich dir jetzo eröffnen will . Agnete hat mir hierauf alles gesagt , was Sibylle Euch , Herr , berichtet hat . Sie sei vor Jahren eines andern Weib worden , und dieser andere befinde sich vielleicht noch am Leben . Doch selbst wenn sein Tod gewiß wäre , vermöge sie mir nur Schwester zu sein . Nicht als ob sie eine Heilige wäre - hat sie gesagt , - sondern weil sie des andern Bildnis im Herzen trage und täglich in Treuen anschaue . Zuletzt hat Agnete gesprochen : So du mich nach dieser Enthüllung noch zum Weibe begehrest , so laß uns zum Prädikanten gehen ; hat der nichts einzuwenden wider den Eheschluß , so will ich dir die Hand reichen . Dann hab ich freilich noch eine Bitte : Gib das Waffenhandwerk auf ! Laß uns friedlich wohnen und lieber hart arbeiten , als von Blutvergießen und Beutemachen leben . - So hat Agnete gesprochen , und meine Schwester hier , längst von Abscheu wider das Soldatenleben erfüllt , ist mit Flehen und Beschwören der Bitte beigetreten . Da sich nun gerade Gelegenheit geboten , daß ich mit Fug meine Fahne verlassen gekonnt , sind wir unseren eigenen Weg gezogen . Der nächste Prädikant hat unsere Trauung vollzogen , nachdem er meiner Ansicht beigetreten , Agnete solle ihre Zweifel am Tode jenes andern getrost fahren lassen . Ich habe seitdem in einer seltsamen Mischung von Frohsinn und Leide gelebt . Agnete hat für mich wohl ein Lächeln , hat traute Rede , Trost und gütig Tun , sie blickt mir liebevoll ins Aug und streichelt meine Hand . Doch lebt sie nur als Schwester neben mir . Da muß ich denn oftmals seufzen ; und also merkt Agnete , wie mir zumute und bittet dann traurig : Vergib mir ! - Doch nein , Schuld hat sie keine . « Nach längerem Stillschweigen hub ich an : » Nicht Agnete hat eine Schuld , eher ist Er , Heinrich , in ihrer Schuld . « » Das bin ich , Herr Prädikant - und dieweilen ich ihr so viel schulde , will ich alles tun , die Schwermut von ihr zu nehmen , mit der ich sie belaste , solange mein Herz nicht leicht . Drum , Herr Prädikant , erlaubet mir und den beiden Frauen , in Eurer Gemeinde anwesend zu sein , so Ihr wieder einmal eine Predigt haltet . Und ferner bitten wir Euch , alsdann zum Texte ein Wort der Schrift zu wählen , so meinen Kummer beschwichtigen kann . « » In meiner Gemeinde ? « fragte ich nicht ohne Bitterkeit . » Ich habe keine Gemeinde . Bin auch kein Prädikant . Woher kommt euch die Meinung , daß ich Predigten halte ? « Groß sahen die beiden einander an , und Sibylle versetzte : » Zu Petersdorf und Hermannsdorf nennen Euch die Leute einen Buschprediger , so unter den Schreiberhauern Anhang habe . « » Vor Jahren hab ich Anhang gehabt und auch dem Wahne gelebt , eine Gemeinde , ja weit mehr , ein Reich des Lichtes , begründen zu können . Weil ich nun damals Predigten im Busch gehalten , ist der Name Buschprediger aufgekommen . Bald aber sind mir in herber Enttäuschung die Augen aufgegangen , daß ich eingesehen , wie närrisch mein Unternehmen , wie eitel meine Predigt . Seitdem hause ich als Einsiedler und habe zur Gesellschaft außer meinem Hunde und meinen Ziegen nur den greisen Oheim , der an Verstörung des Geistes leidet . Den Namen Buschprediger lasse ich mir auch jetzo noch gefallen , doch nur in dem Sinne , daß ich den Büschen predige - was nicht so vermessen ist , als Menschenprediger zu sein . « Da Heinrich und Sibylle verlegen drein schauten , fuhr ich fort : » Weil ihr jedoch eine Ausnahme unter den Menschen seid und nach meinem geistlichen Zuspruch verlanget , so will ich eine Ausnahme machen und euch dreien eine Predigt halten . Will auch gern zu diesem Zwecke zu euch auf den Breiten Berg kommen . Wann ist euch das genehm ? « » Wir danken , « sagte Sibylle erfreut , » und werden Euch einen Brief senden . « » Ja , Dank Euch , « sprach Heinrich und drückte mir die Hand . » Doch mit Verlaub , ich habe noch einen Wunsch . So Eure Predigt vielleicht auf die sieben Brüder zu sprechen kommt , die ein und dasselbe Weib geehelicht , habet alsdann die Güte , uns auch die Frage zu beantworten : wo ist das Himmelreich ? Denn Ihr werdet zugeben