zur Seite , wortlos ging Clara an ihm vorüber . Sie läutete , und der Pförtner , der auf sie gewartet , öffnete sogleich . Als sie drinnen war , spürte sie eine entsetzliche Übelkeit . In ihrem Hirn war etwas wie zerrissen . Auf der Treppe stockte sie ; ihr war , als müsse sie umkehren und den furchtbaren Mann noch einmal anreden . Als Caspar am nächsten Nachmittag zu Imhoffs kam , wurde ihm mitgeteilt , daß Frau von Kannawurf schon abgereist sei . Er bat Frau von Imhoff , sie möchte ihm Claras Bild zeigen , das er seit dem ersten Gesellschaftsabend , dem er im Schlosse beigewohnt , nicht mehr gesehen . Die Baronin führte ihn in ein Erkergemach , wo das Porträt zwischen zwei Ahnenbildnissen an der Wand hing . Er setzte sich davor und betrachtete es lange mit stummer Aufmerksamkeit . Als er ging , versprach Frau von Imhoff , ihm eine Zeichnung von dem Bild anfertigen zu lassen . Er war so zerstreut , daß er nicht einmal dankte . Quandt unternimmt den letzten Sturm auf das Geheimnis Obwohl eine Zeitlang von einer Strafversetzung Hickels die Rede war , verlautete darüber nichts Näheres , und die Sache schien allmählich in Vergessenheit zu geraten . Ohne Zweifel waren verborgene Einflüsse im Spiel , die den Polizeileutnant sicherstellten . » Dem Mann ist nicht beizukommen « , sagten die Eingeweihten ; » er ist zu gefährlich und weiß zuviel . « Freilich war Hickel brauchbar im Dienst und von seinen Untergebenen äußerst gefürchtet . Dabei wurde sein Lebenswandel immer undurchdringlicher ; außer im Kasino und im Amt sprach er mit keinem Menschen . Auf der Polizeiwache saß er halbe Nächte , aber nur deswegen , um seine Leute zu drangsalieren . Sogar Quandt hatte ihn fürchten gelernt . Eines Nachmittags im Oktober , der Lehrer saß mit seiner Frau und Caspar beim Kaffee , trat plötzlich säbelrasselnd Hickel ins Zimmer , schritt ohne Gruß auf Caspar zu und fragte herrisch : » Sagen Sie mal , Hauser , wissen Sie vielleicht etwas über den Verbleib des Soldaten Schildknecht ? « Caspar wurde aschfahl . Der Polizeileutnant fixierte ihn mit glitzernden Augen und donnerte , ungeduldig über das lange Schweigen : » Wissen Sie etwas oder wissen Sie nichts ? Reden Sie , Mensch , oder , so wahr mir Gott helfe , ich lasse Sie auf der Stelle ins Gefängnis bringen ! « Caspar erhob sich . Ein Knopf seiner Joppe verwickelte sich in die Fransen des Tischtuchs , und während er zurückwich , fiel die Kaffeekanne um , und das schwarze Gebräu ergoß sich über das Linnen . Die Lehrerin tat einen Schrei ; Quandt aber machte ein ärgerliches Gesicht , denn das großspurige Auftreten des Polizeileutnants verdroß ihn , auch war es ihm um so verwunderlicher , als Hickel gerade Caspar gegenüber sich seit Monaten einer steifen und finsteren Zurückhaltung beflissen hatte . » Was soll er denn mit dem Deserteur zu schaffen haben ? « sagte er unwillig . » Das lassen Sie nur meine Sorge sein ! « brauste Hickel auf . » Oho , Herr Polizeileutnant , in meinem Hause bitte ich mir ein höflicheres Benehmen aus « , versetzte Quandt . » Ach was ! Sie sind ein Schwachmatikus , Herr Lehrer . Was nicht auf Ihrem Mist wächst , das ästimieren Sie nicht . Überhaupt , was ists denn ? Zwei Jahre sinds her , seit der Mensch bei Ihnen wohnt , und wir sind genau so klug wie zuvor . Wenn das Ihre ganze Kunst war , dann lassen Sie sich nur heimgeigen . « Der Hieb saß . Quandt verbiß seinen Groll und schwieg . » Aber es hat ein Ende jetzt « , fuhr Hickel fort ; » ich werde mit dem Hofrat reden , und der Hauser kommt zu mir in die Pflege . « » Damit werden Sie mir bloß einen Gefallen erweisen « , erwiderte Quandt und verließ hochaufgerichtet das Zimmer . Die Lehrerin blieb mit gesenkten Augen sitzen . Hickel marschierte hastig auf und ab und trocknete mit dem Ärmel seine Stirn . » Wie mir nur ist , wie mir nur ist « , murmelte er fast verstört . Dann wandte er sich wieder schimpfend an Caspar . » Unglückseliger , verdammt Unglückseliger ! Was für ein Teufel hat Sie geritten ! Übrigens , « fügte er leise hinzu und stellte sich neben Caspar , » der Bursche ist verhaftet und wird ausgeliefert . Kommt auf die Plassenburg , der Kerl . « » Das ist nicht wahr « , sagte Caspar , ebenfalls leise , gedehnt und etwas singend . Er lächelte , dann lachte er , ja , er lachte , wobei sein Gesicht stark erbleichte . Hickel wurde stutzig . Er kaute an seiner Lippe und sah düster ins Leere . Plötzlich griff er nach seiner Kappe , und mit einem bösen , eiligen Blick auf Caspar entfernte er sich . Quandt war nicht gesonnen , den Schimpf , den ihm der Polizeileutnant angetan , auf sich sitzen zu lassen . Er beschwerte sich beim Hofrat Hofmann , doch dieser schien nicht sehr bereit , sich einzumischen . Der Lehrer nahm die Gelegenheit wahr , noch eine andre Sache zum Austrag zu bringen . Seit Feuerbachs Tod hatte der Hofrat die Oberaufsicht über Caspars Pflege . Auf eine Hilfe wie die vom Grafen Stanhope war nicht mehr zu rechnen , man hatte den Bürgermeister Enders und die Gemeinde um Unterstützung angegangen , aber der Beschluß war noch in der Schwebe . Einstweilen erhielt Caspar vom Gericht eine kleine Lohnerhöhung für seine Schreiberei ; das Geld lieferte er pünktlich dem Lehrer ab . Die beschränkten Verhältnisse erlaubten ihm nicht die geringste Freiheit in seinen Ausgaben . Anfangs Oktober war er konfirmiert worden , und mit Sehnsucht erwartete er das sogenannte Taggeld , das ihm von der Stadt dafür ausgesetzt war . Ungehalten über die Verschleppung , wandte er