selbst durch laute Worte stören wollte . Ich zog meinen Stuhl aus und legte mich lang auf denselben nieder ; wir hatten ja ausgemacht , die ganze Nacht wach zu bleiben . Es herrschte tiefe Stille um uns her . Die leisen , regelmäßigen Pulse der Maschine konnten nicht als Unterbrechung dieses Schweigens gelten . Da hörte ich ein Geräusch , wie wenn ein Zündholz , welches nicht Feuer fangen will , wiederholt schnell angestrichen wird . Das klang von der anderen Seite der Kajüte her . War etwa Jemand dort , ohne daß wir es gewußt hatten ? Dann wurde mir ein feiner Tabaksgeruch von der leise wehenden Nachtluft zugetragen . Ich bin Kenner und roch sogleich , daß es Cumana war , den der Governor ausschließlich rauchte . Ich stand also auf und ging hinüber . Richtig , da saß er auf dem Klappsitze , der an der Holzwand angebracht war ! Er hatte Alles sehen und hören können , weil das Fenster hier auf der Leeseite offen stand . Seit wann war er da ? Wir hatten ihn nicht kommen sehen , weil unsere Aufmerksamkeit nach dem Innern der Kajüte gerichtet gewesen war , und da wir hier an Bord fast alle Schiffsschuhe mit Gummisohlen trugen , waren seine Schritte nicht zu hören gewesen . Als er mich bemerkte , winkte er mir zu , nicht laut zu werden , und sagte in flüsterndem Tone : » Wollte schlafen gehen ; aber Ihr Buch vom Jenseits kam mir in die Hände . Habe darin gelesen . Diese Gedanken ! Wo kommen die Ihnen nur her ? Haben mich heraus auf das Deck getrieben . Da sah ich Sie im Mondscheine sitzen und eifrig in die Kajüte schauen . Was gab es da ? Ich ging also hierher . War das etwa indiskret ? « » Nein , « antwortete ich . » Was haben Sie gehört , Mylord ? « » Alles , Alles , von den Worten an Tragt Euer Evangelium hinaus . Auch gesehen habe ich Alles . Wunderbare Szene ! Hat mich tief gepackt ! Weiß gar nicht , was ich darüber denken oder gar sagen soll ! Erst Ihr Buch , in welchem Sie beschreiben , was in der Sterbestunde vor sich geht , und dann diese Worte des Kranken , die aber nicht im Mindesten krankhaft klingen ! Wenn er nie in seinem Leben Missionar war und es auch später niemals sein sollte , in dieser Stunde aber ist er es gewesen , wenigstens für mich ; das können Sie mir glauben , und das werden Sie auch sehen . Wird er vielleicht wieder sprechen ? « » Wahrscheinlich nicht . « » Well ! So habe ich hier auf Nichts mehr zu warten . Muß mit mir aufs Reine kommen . Habe viel , viel zu verwalten und zu verantworten gehabt , bin aber auch einer von den Christen gewesen , deren Taten in einem anderen Tone als dem der Liebe sprechen . Habe sogar diesen Prachtmenschen , den Tsi , verachten wollen ! Pfui ! « Er tat ein paar kräftige Züge aus der Pfeife und spuckte aus , es so unentschieden lassend , ob diese Interjektion sich auf den Tabak beziehen oder eine Zensur für ihn selbst sein sollte . Dann stand er auf und begann , in langsamen Schritten zwischen Bug und Stern auf und ab zu gehen . Wie froh war ich über ihn ! Diese tiefe Ergriffenheit ! Und diese Aufrichtigkeit , mit welcher er sie eingestand ; er hätte mir gar keine größere Freude machen können ! Wer von solchen Dingen bloß hört oder liest , darf ja nicht denken , daß er zu einem Urteile fähig sei . Und wenn er dennoch kritisiert , so gleicht er jenem Eskimo , der nie seine Schneeeinöde verlassen und nie eine Kirche gesehen hatte , sich aber doch für klug genug hielt , über den Glocken- und Orgelklang zu lachen , als er davon sprechen hörte . - Waller schlief während der ganzen Nacht ohne Unterbrechung weiter , und als am Morgen Mary kam , überließ ich es Tsi , auf ihre Fragen Antwort zu erteilen , denn der Governor nahm mich in Beschlag . Er interessierte sich ganz plötzlich sehr für psychologische Probleme und gab sich dabei so lernbereit , so mild und weich , wie ich es vorher für gar nicht möglich gehalten hätte . Die Fahrt verlief äußerlich ereignislos , wenn ich die Begegnungen mit anderen Schiffen nicht als Ereignisse bezeichnen will . Dieser Mangel wurde aber mehr als vollständig durch das ausgeglichen , was sich zu inneren , seelischen Begebenheiten entwickelte . Ich bin überzeugt , es gab da unter uns nicht einen Einzigen , der sich den Wandlungen hätte entziehen können , welche mit Waller schon damals auf dem Dschebel Mokattam begonnen und Jeden , der mit ihm in nähere Beziehung gekommen war , mit in ihren Bereich gezogen hatten . Er fuhr von Amerika nach China ; aber während diese große , räumliche Bewegung vor sich ging , machte er innerlich eine Reise , welche von viel größerer Weite und Bedeutung war , denn sie führte ihn in eine solche Ferne , daß es ihm geradezu unmöglich wurde , an den Punkt , von dem sie ausgegangen war , jemals im Leben wieder zurückzukehren . Er hatte eine ihm jetzt vollständig entschwundene geistige Welt für immer verlassen und befand sich jetzt unterwegs nach einer anderen , neuen , besseren und schöneren , und ich schäme mich nicht , zu gestehen , daß wir auch auf diesem geistigen Wege seine Gefährten waren , die an allen seinen Seelenäußerungen den innigsten Anteil nahmen . Ich kann also über unsere Fahrt keine sogenannten » Reiseabenteuer « berichten , an welchen sich doch nur die Oberflächlichkeit ergötzt ; wer aber einen Sinn für die unendlich gestalten- und ereignisreiche Seelenwelt des Menschen hat und ein Verständnis für die Tiefe besitzt , in welcher die äußeren Vorgänge