Liebhaber des religiösen Komfortes giebt es keinen Zufall , denn daß sie so fromm sind und so selig werden , das ist doch wahrlich kein Zufall , sondern die unbedingte Folge ihres hohen geistlichen und auch sonstigen Wertes ; das ist doch leicht erklärlich ! Und was sie nicht erklären können , das nennen sie nicht Zufall , denn dieses Wort paßt für einen guten Christen nicht , sondern Gottes Schickung . Aber wie das Wort Schickung hier gemeint ist , bedeutet es eben auch nur Zufall , und zwar nicht nur ein blindes , sondern ein gewolltes Ungefähr , und das ist noch schlimmer . Das Wort Schickung in diesem Sinne bringt das allgerechte und allweise Walten der göttlichen Liebe um die ihr auf den Knieen zu zollenden Ehre . Geistliche Güter sind in gewissem Sinne auch als materielle Gaben zu bezeichnen , und die Liebe Gottes teilt diese Geschenke nicht nach Willkür aus , sondern nach Gesetzen , die ihre eigenen sind ; sie handelt nicht regellos . Ist doch grad sie es , die jene geheimen Fäden in den Händen hält , welche Seele mit Seele vereinen und Ursache mit Ursache verbinden , so daß die Wirkung dann als eine Schickung im wirklichen Sinne , nämlich als eine Fügung des allgütigen Ratschlusses Gottes erscheint . Wer gelernt hat , zu sehen , der kann in seinem Leben Beweis um Beweis finden , daß das , was andere Zufall nennen , ein von der belohnenden , warnenden oder wohl auch strafenden Liebe herübergeleitetes Ergebnis seelischer Zusammenwirkung ist . Und wenn er eifrig sucht , wird er dann gewiß in seiner eigenen Seele den Berührungspunkt entdecken , der ihm erklärt , warum grad ihn und keinen andern diese Fügung traf , die dann für ihn nichts weniger als ein Zufall ist ! - Warum aber hier diese Darlegung meiner Ansicht über den Zufall ? Zunächst , weil es mir so sehr am Herzen liegt , soviel Menschen wie möglich an dem sonnigen Glücke teilnehmen zu lassen , welches ich meinem Glauben verdanke . Und sodann bin ich jetzt beim Bir Hilu überzeugt , daß viele meiner Leser unser Zusammentreffen mit den beiden Beni Lam und unser Gespräch mit ihnen für Zufall halten werden , aber es stand mit dem , was geschehen war und noch geschehen sollte , in so engem Zusammenhange und grad der Umstand , daß ich die Beni Khalid nicht verraten hatte , obgleich sie unsere Feinde waren und ihre Ablenkung von uns auf die Beni Lam vom größten Vorteile für uns zu sein versprach , lieferte uns dann später den augenfälligsten Beweis , daß eine jede That ihre guten oder bösen Folgen schon in sich trägt . Hätte ich nicht den seelischen Einflüssen in mir , sondern meiner kalten Berechnung und Klugheit gefolgt , so wären wir schon am nächsten Tage alle verloren gewesen ! Am Abende dieses Tages saßen wir beisammen , zum letztenmal mit dem Basch Nazyr , wie wir alle meinten . Wir hatten einige Wachen ausgestellt und unterhielten uns , wie das ja begreiflich ist , fast ausschließlich über das , was wir seit unserm Zusammentreffen mit ihm gemeinschaftlich erlebt hatten . Später , als die Zeit zum Schlafen gekommen war , richtete er die Frage an mich : » Sihdi , ich habe eine Bitte an dich . Wirst du sie mir erfüllen ? « » Recht gern , wenn ich kann , « antwortete ich . » Ich möchte gern eines meiner Kamele mit einem von euch vertauschen . « » Warum ? « » Um ein Andenken zu haben . « » So ! Ich habe kein Kamel , bezweifle es aber nicht im geringsten , daß Halef auf deinen Wunsch eingeht . « » Das wird er gewiß thun ; nur möchte ich gern wissen , ob du gewillt bist , das Kamel von mir anzunehmen . « » Ich ? « » Ja ; denn du bist es , der es reiten soll . « » Warum ich ? « » Weil es ein Andenken von mir an dich sein soll . Ich gebe dir meine Hedschihn-Stute , und weil ich dann ein Kamel zu wenig haben würde , bitte ich mir dafür ein anderes aus . « Ich sah ihn an , ohne zunächst zu antworten . Diese herrliche , unbezahlbare Stute wollte er mir schenken ! Als Scherz konnte ich dieses Anerbieten unmöglich auffassen und behandeln , und da es also Ernst war , so handelte es sich um eine gradezu fürstliche Freigebigkeit , von der ich nicht wußte , wie ich mich zu ihr verhalten sollte . Ja zu sagen , widerstrebte meinem ganzen Wesen , und ein Nein hätte ihn nicht nur kränken , sondern sogar schwer beleidigen müssen . Da fuhr er fort : » Ich begreife , daß dir mein Wunsch überraschend kommt , hoffe aber , daß du ihn nicht für zudringlich halten wirst . Es würde mir eine stolze Freude sein , zu wissen , daß Kara Ben Nemsi Effendi auf meinem Hedschihn sitzt . Den Wert des Tieres darfst du nicht berücksichtigen , denn ich habe es ja nicht zu bezahlen gehabt und kann mir von Tscharbagh zu jeder Zeit ein ähnliches erbitten . Dazu kommt , daß du mir das Leben gerettet hast und - - - « » Ich nicht ! « warf ich ein . » Ja , doch du ! Dabei will ich aber die Verdienste Halefs um mich gar nicht schmälern . Auch hast du den Kanz el A ' da entdeckt ; ohne dich würde ich ihn nicht wiederbekommen haben . Du wirst also einsehen , daß das Geschenk dieses Kameles gar nichts ist gegen das , was ich dir zu verdanken habe . Ich will jetzt nicht in dich dringen ; du hast ja eine ganze Nacht Zeit dazu , es dir zu überlegen . Aber ich gebe mich der Hoffnung hin , daß du mir morgen früh nicht den