Schlange , die war so dick wie ' n Bein . « » Aber hast du denn schon Beine gesehn ? « fragte die Pritzbur . » Aber , Mamsell Pritzbur , ich werde doch wohl schon Beine gesehn haben ... Und dann , an einem andern Tag , da waren wir in einem Tiergarten , aber in einem richtigen , mit allerlei Tieren drin . Und den nennen sie den Zoologischen . « » Ja , davon hab ich auch schon gehört . « » Und in dem Zoologischen , da war ein ganz kleiner See , noch viel kleiner als unser Stechlin , und in dem See standen allerlei Vögel . Und einer , ganz wie ' n Storch , stand auf einem Bein . « Als die Mädchen das Wort » Storch « hörten , kamen sie näher heran . » Aber die Beine von dem Vogel , oder es waren wohl mehrere Vögel , die waren viel größer als Storchenbeine und auch viel dicker und viel röter . « » Und taten sie dir nichts ? « » Nein , sie taten mir nichts . Bloß , wenn sie so ' ne Weile gestanden hatten , dann stellten sie sich auf das andre Bein . Und ich sagte zu Mutter : Mutter , komm ; der eine sieht mich immer so an . Und da gingen wir an eine andere Stelle , wo der Bär war . « Das Kind erzählte noch allerlei . Die Mädchen und auch die Mamsell freuten sich über Agnes , und sie trug ihnen ein paar Lieder vor , die ihre Mutter , die Karline , immer sang , wenn sie plättete , und sie tanzte auch , während sie sang , wobei sie das himmelblaue Kleid zierlich in die Höhe nahm , ganz so , wie sie ' s in der Hasenheide gesehen hatte . So kam der Nachmittag heran , und als es schon dunkelte , sagte Engelke : » Ja , gnäd ' ger Herr , wie is das nu mit Agnessen ? Sie is immer noch bei Mamsell Pritzbur unten , un die Mächens , wenn sie so singt und tanzt , kucken ihr zu . Sie wird woll auch so was wie die Karline . Soll sie wieder nach Haus , oder soll sie hierbleiben ? « » Natürlich soll sie hierbleiben . Ich freue mich , wenn ich das Kind sehe . Du hast ja ein gutes Gesicht , Engelke , aber ich will doch auch mal was andres sehn als dich . Wie das lütte Balg da so saß , so steif wie ' ne Prinzeß , hab ich immer hingekuckt und ihr wohl ' ne Viertelstunde zugesehn , wie da die Stricknadeln immer so hin und her gingen und der rote Strumpf neben ihr baumelte . So was Hübsches hab ich nicht mehr gesehn , seit zu Weihnachten die Grafschen hier waren , die blasse Comtesse und die Gräfin . Hat sie dir auch gefallen ? « Engelke griente . » Na , ich sehe schon . Also Agnes bleibt . Und sie kann ja auch nachts mal aufstehn und mir eine Tasse von dem Tee bringen , oder was ich sonst grade brauche , und du alte Seele kannst ausschlafen . Ach , Engelke , das Leben is doch eigentlich schwer . Das heißt , wenn ' s auf die Neige geht ; vorher is es soweit ganz gut . Weißt du noch , wenn wir von Brandenburg nach Berlin ritten ? In Brandenburg war nich viel los ; aber in Berlin , da ging es . « » Ja , gnäd ' ger Herr . Aber nu kommt es . « » Ja , nu kommt es . Nu is Katzenpfötchen dran . So was gab es damals noch gar nicht . Aber ich will nichts sagen , sonst wird die Buschen ärgerlich , und mit alten Weibern muß man gut stehn ; das is noch wichtiger als mit jungen . Und , wie gesagt , die Agnes bleibt . Ich sehe so gern was Zierliches . Es is ein reizendes Kind . « » Ja , das is sie . Aber ... « » Ach , laß die Abers . Du sagst , sie wird wie die Karline . Möglich is es . Aber vielleicht wird sie auch ' ne Nonne . Man kann nie wissen . « Agnes blieb also bei Dubslav . Sie saß am Fenster und strickte . Mal in der Nacht , als ihm recht schlecht war , hatte er nach dem Kinde rufen wollen . Aber er stand wieder davon ab . » Das arme Kind , was soll ich ihm den Schlaf stören ? Und helfen kann es mir doch nicht . « So verging eine Woche . Da sagte der alte Dubslav : » Engelke , das mit der Agnes , das kann ich nich mehr mit ansehn . Sie sitzt da jeden Morgen und strickt . Das arme Wurm muß ja hier umkommen . Und alles bloß , weil ich alter Sünder ein freundliches Gesicht sehn will . Das geht so nich mehr weiter . Wir müssen sehn , daß wir was für das Kind tun können . Haben wir denn nicht ein Buch mit Bildern drin oder so was ? « » Ja , gnäd ' ger Herr , da sind ja noch die vier Bände , die wir letzte Weihnachten bei Buchbinder Zippel in Gransee haben einbinden lassen . Eigentlich war es bloß ' ne Landwirtschaftliche Zeitung , und alle , die mal ' nen Preis gewonnen haben , die waren drin . Und Bismarck war auch drin un Kaiser Wilhelm auch . « » Ja , ja , das is gut ; das gib ihr . Und brauchst ihr auch nich zu sagen , daß sie keine Eselsohren machen soll ; die macht keine . « Wirklich , die » Landwirtschaftliche Zeitung « lag am andern Morgen da ,