mit dem Plane , eine europäische Abrüstung anzubahnen , ich habe es durch seine nächsten Verwandten mit Bestimmtheit erfahren ; aber die Kriegspartei hat ihn gedrängt , gezwungen - und er gab nach ... Dennoch konnte er sich nicht enthalten , in der Kriegsproklamation selber seine Lieblingsidee anklingen zu lassen . Es sollte deren Verwirklichung nur hinausgeschoben sein . » Nach dem Feldzug - nach dem Siege ... « sagte er sich zum Trost . Es ist anders gekommen . Auf welcher Seite also unsere Sympathien standen ? Wenn man dazu gelangt , den Krieg an und für sich zu verabscheuen , wie das bei Friedrich und mir der Fall war , so kann das echte , naive » Passionieren « für den Ausgang eines Feldzuges nicht mehr eintreten ; die einzige Empfindung ist eben die : Hätte er nur nie begonnen - dieser Feldzug - und wäre er nur schon aus ! Ich glaubte nicht , daß der gegenwärtige Krieg lange dauern und bedeutende Folgen haben werde . Zwei oder drei gewonnene Schlachten hier oder dort und man würde sicherlich parlamentieren und dem Ding ein Ende machen . Um was schlug man sich denn eigentlich ? Um gar nichts . Das Ganze war mehr eine Art Waffenpromenade , von den Franzosen aus ritterlicher Abenteuerlust , von den Deutschen aus tapferer Verteidigungspflicht unternommen ; ein paar getauschte Säbelhiebe und die Gegner würden sich wieder die Hände reichen ... Thörin , die ich war ! Als ob die Folgen eines Krieges im Verhältnis zu den Ursachen seines Entstehens blieben . Der Verlauf ist es , der die Folgen bestimmt . Gern hätten wir Paris verlassen , denn der ganze von der Bevölkerung gezeigte Enthusiasmus berührte uns höchst peinlich . Aber der Weg nach Osten war nunmehr versperrt ; auch hielt uns der Bau unseres Hauses zurück - kurz : wir blieben . Geselligen Umgang hatten wir beinahe keinen mehr . Alles , was nur konnte , hatte Paris geflohen und unter den obwaltenden Umständen dachte auch unter den Zurückgebliebenen keiner daran , Einladungen auszuteilen . Nur einige unserer Bekannten aus litterarischen Kreisen , die noch anwesend waren , suchten wir öfters auf . Gerade in dieser Phase des beginnenden Krieges war es Friedrich interessant , die betreffenden Urteile und Ansichten der hervorragenden Geister kennen zu lernen . Da war ein ganz junger Schriftsteller , der später zu solcher Berühmtheit gelangte Guy de Maupassant , von dessen Äußerungen : die mir aus der Seele gesprochen waren , ich einige in die roten Hefte eintrug : » Der Krieg - wenn ich nur an dieses Wort denke , so überkommt mich ein Grauen , als spräche man mir von Hexen , von Inquisition - von einem entfernten , überwundenen , abscheulichen , naturwidrigen Dinge . Der Krieg - sich schlagen ! Erwürgen , niedermetzeln ! Und wir besitzen heute - zu unserer Zeit , mit unserer Kultur , mit dem so ausgedehnten Wissen , auf so hoher Stufe der Entwickelung , auf der wir angelangt zu sein glauben - wir besitzen Schulen , wo man lernt zu töten - auf recht große Entfernung zu töten , eine recht große Anzahl auf einmal . ... Das Wunderbare ist , daß die Völker sich dagegen nicht erheben , daß die ganze Gesellschaft nicht revoltiert bei dem bloßen Worte Krieg . Jeder , der regiert , ist ebenso verpflichtet , den Krieg zu vermeiden , wie ein Schiffskapitän verpflichtet ist , den Schiffbruch zu vermeiden . Wenn ein Kapitän sein Schiff verloren hat , wird er vor ein Gericht gestellt und verurteilt , falls man erkennt , daß er sich Nachlässigkeit zu schulden kommen ließ . Warum wird die Regierung nach jedem erklärten Kriege nicht gerichtet ? Wenn die Völker das verständen , wenn sie sich weigerten , ohne Grund sich töten zu lassen - dann wäre es mit dem Kriege aus . « Und Erneste Renan ließ sich also vernehmen : » Ist es nicht herzzerreißend , zu denken , daß Alles , was wir Männer der Wissenschaft in fünfzig Jahren aufzubauen bestrebt waren , mit einem Schlage zusammengestürzt ist : die Sympathien zwischen Volk und Volk , das gegenseitige Verständnis , das fruchtbare Zusammenarbeiten . Wie tötet ein solcher Krieg die Wahrheitsliebe ! Welche Lüge , welche Verleumdung des einen Volkes wird nun nicht aufs Neue in den nächsten fünfzig Jahren von dem anderen mit Begierde geglaubt werden und sie für unabsehbare Zeiten voneinander trennen ! Welche Verzögerung des europäischen Fortschrittes ! In hundert Jahren werden wir nicht wieder aufrichten können , was diese Menschen an einem Tage heruntergerissen haben . « Ich hatte auch Gelegenheit einen Brief zu lesen , den Gustave Flaubert in jenen ersten Julitagen , als eben der Krieg ausgebrochen war , an George Sand geschrieben hat . Hier ist er : » Ich bin verzweifelt über die Dummheit meiner Landsleute . Die unverbesserliche Barbarei der Menschheit erfüllt mich mit tiefer Trauer . Dieser Enthusiasmus , der von keiner Idee beseelt ist , macht , daß ich sterben möchte , um ihn nicht mehr zu sehen . Der gute Franzose will sich schlagen : 1 ) weil er sich durch Preußen herausgefordert glaubt ; 2 ) weil der natürliche Zustand des Menschen die Wildheit ist ; 3 ) weil der Krieg ein mystisches Element in sich hat , das die Menschen fortreißt . Sind wir wieder zu den Rassenkämpfen gekommen ? Ich fürchte es ... Die schrecklichen Schlachten , die sich vorbereiten , haben nicht einmal einen Vorwand für sich . Es ist die Lust , sich zu schlagen , um sich zu schlagen . Ich beklage die gesprengten Brücken und Tunnels . Alle diese menschliche Arbeit , die verloren geht ! Sie haben gesehen , daß ein Herr in der Kammer die Plünderung des Großherzogtums Baden vorgeschlagen hat . Ach , daß ich nicht bei den Beduinen sein kann ! « » Ach , « rief ich , als ich diesen Brief zu Ende gelesen , » daß wir