Staubwolken und wühle die Wogen auf , - um urplötzlich dahinter selbst als Offenbarung emporzutauchen . Sei ein Diplomat der Grobheit . Krastinik schwieg . Ihm schien das Alles , als ob Flöhe einen Löwen stächen . Der Floh ist freilich mit der Löwentatze kaum zu erreichen , aber er juckt eben so lange , bis er sich vollgesogen hat , und dann kriecht er aus der Mähne wieder wo anders hin . Denn des Flohes Beruf ist zu jucken . Man zerdrücke ihn ja nicht : das stinkt zu sehr . - Faulheit und Unfähigkeit ärgern sich über Fleiß und Talent , weil letztere einen lebendigen Vorwurf bilden , der überall den Neid steckbrieflich verfolgt . Es wurde so spät , daß Krastinik sich empfahl , um noch die letzte Pferdebahn zu erreichen . Die beiden Waffenbrüder fielen unisono über die günstige Gelegenheit her : » Ach , es ist schon so spät . Wie werden Sie sich da den langen Weg nach Hause zurückfinden ! Gestatten Sie , daß wir Ihnen bei uns Gastfreundschaft anbieten ! « » Hehe , « setzte Rafael verlockend hinzu . » Bei uns steht Ihnen alles zu Gebot - sogar Mienchen , eine kleine Freundin von uns . « Dies mystische Mienchen bildete eine geheime Trumpfkarte der auf Tod und Leben verbrüderten Idealisten . In ihrem Hause in Moabit befanden sich nämlich einige Zimmer-Mietherinnen sehr eindeutiger Natur , unter ihnen das berühmte Mienchen , jene ihnen auf Tod und Leben verschwisterte Idealistin . Biß nun einer auf den Köder an , wie dies früher dem halbverrückten Henry Francis Annesley passirte , so mußte er unmäßig bluten . ( Bei Annesley , welcher trotz aller Maul-Schwärmerei nicht einer gewissen versteckten Aalglätte entbehrte und nur bei seiner krankhaften Sinnengier gepackt werden konnte , hatte sogar ein angebliches Heirathsversprechen herhalten müssen , welches die Waffenbrüder leider zu ihrem tiefsten Schmerz als Zeugen Mienchens auf ihren Eid nehmen wollten . ) Gewöhnlich mußte der Hereingefallene Mienchens » Schulden « bezahlen . Die Waffenbrüder und die Waffenschwester sammelten nämlich für einen darbenden Freund , einen idealen Märtyrer .. für ihn hatte Mienchen sich in Opfer gestürzt , die edle Seele . Wer den Vorzug dieses eidgenössischen Umgangs genoß , lernte auch bald den idealen Zweck kennen , der sie bei ihrem Pump-System beseelte . Einige wollten zwar behaupten , der Name des mystischen Freundes sei Spiegelberg und seine monatliche Taxe 20 Mark - er spiele gleichsam die sogenannten Strohmanns bei diesem Whist-Kleeblatt . Uebelwollende fügten hinzu , daß dieser Kerl von Verdauungsfähigkeit sein müsse , neben welchen die Danaidenfässer als reine Spundlöcher erscheinen . Man erkennt hieraus , wie wenig die Welt sich zu dem idealen Schwunge der verbrüderten Eidgenossen zu erheben vermochte . Sie trösteten sich jedoch mit dem herrlichen Verse des haubitzigen Rafael : » Und ist die Welt auch nur ein Lappen , Der bald in Fetzen morsch zerfällt , Mein großes Herz ist Gottes Wappen , Es thront in Mir der Gott der Welt . « - - Mit Mühe und Noth machte sich Krastinik von der übertriebenen Zärtlichkeit der Waffenbrüder los . Am andern Tag aber erhielt er einen Brief von Edelmann : » In einer furchtbaren Lage bitte ich Sie , lieber Herr Graf , mir umgehend per Rohrpost 200 Mark zu senden . Alle meine Bekannten , die eine solche Summe erübrigen können , sind momentan verreist und ich habe so viel von Ihrer Liebenswürdigkeit gehört , noch ehe ich Sie kannte . Wozu sollte ich mich jetzt an einen Fernerstehenden wenden ! « Was sollte Krastinik thun ! Er hatte zwar wahrlich keine 100 Mark als Geschenk ( denn darauf lief es ja hinaus ) übrig . Aber da er standesgemäß d.h. über seine wirklichen finanziellen Verhältnisse wohnte , gerieth er natürlich doppelt in den Verdacht gräflicher Wohlhabenheit . In einer Anwandlung falscher Scham packte er die Hälfte der erbetenen Summe ein und sandte sie an die Adresse Heinrichs des Vogelstellers . In dieser Weise war es schon geraume Zeit hergegangen . Sagusch erbat umgehend 500 Mark , wofür er denn auch 20 Mark per Postanweisung erhielt , was er mit schweigender Grandezza in die Tasche steckte und über solche Unwürdigkeit kein Wort des Dankes verlor . Jeden Augenblick kamen reisende Schriftsteller , die entweder aus der Charité entlassen waren oder ihre Frau dort liegen hatten ( diese Angaben wechselten ab ) , bei ihm angestiegen . Einer , der stark nach Schnaps roch und 3 Mark empfing , erklärte noch in der Thür , er hätte von einem Grafen etwas Anständigeres erwartet . Ein Mensch in guten Verhältnissen sollte aus Weltklugheit immer vermeiden , mit Leuten von schlechten Verhältnissen in ein näheres Verhältniß zu kommen . Denn abgesehen vom » Pumpen « , dem man sich unvermeidlich aussetzt , lauert dort stets heimlicher Neid . Ideale Unterstützung wird für nichts geachtet , so sehr man auch vorher darum bettelt und mit dem Mund dafür dankt . Auch jede indirekte materielle Unterstützung ( Verschaffung von Arbeiten und Arbeitgebern ) wird sofort vergessen . Ewig herrscht die fixe Idee , welche von einer Art Irrsinn des Egoismus zeugt : der Unglückliche , dem man Vermögen andichtet oder der es wirklich besitzt , sei verpflichtet , » Collegen « direkt aus seiner Tasche zu unterstützen . Im Grunde befinden sich überhaupt nur Wenige in der Lage , Anderen pekuniär unter die Arme zu greifen . Diese aber werden meist durch Verpflichtungen aller Art vorweg mit Beschlag belegt . Nur ganz junge und unabhängige Leute können mit gutem Gewissen solchen Anforderungen genügen . Wer aber die Früchte seines Fleißes , statt diese zur Weiterförderung seiner eigenen Laufbahn zu verwenden , dem Lüderlichen und Faulen in den Rachen wirft , scheint ein Sünder gegen sich selbst . Jeder gutmüthige Mensch sammelt eine zeitlang Erfahrungen dieser Art. Dann tritt der Rückschlag ein und jeder Pump-Brief wird als verschleierte Erpressung aufgefaßt . Und im litterarischen Leben läuft die Sache auch immer darauf hinaus . Eine