Namens scheint ihm imponiert zu haben . Aber was schwatze ich da von deutsch-amerikanischen Abenteuern , kommen wir zu unsern gemeinsamen Freunden , unserm Architekten Zwerger und seiner Verlobten Flora Kuglmeier ! « Drillinger machte große Augen : » Seiner Verlobten , sagen Sie ? « » Ich plaudere vielleicht aus , was er noch geheim gehalten wissen will . Aber es ist so . Fräulein Flora hat mir die überraschende Nachricht erst diesen Morgen geschickt und mir zugleich Ihren Besuch angekündigt . « » Ich finde den Zusammenhang nicht ... « » Den werden Sie gleich haben . Wollen Sie sich da herauf bemühen ? Hier sitzt sich ' s besser . « Achthuber war die Treppe an der Schmalwand des Ateliers hinaufgeeilt und hatte den grünen Vorhang zurückgeschlagen . » Hier ist mein Plauderwinkel und mein Observatorium . « Es war ein lauschiges Gemach , zeltartig aus bunten Binsenmatten und Teppichen gebildet und mit einem fellbelegten Divan ausgestattet . Nachdem sich die Herren niedergelassen hatten nahm Achthuber seinen Bericht wieder auf : » Meine nähere Bekanntschaft mit Zwerger verdanke ich meinem kurzen Rom - Aufenthalt im letzten Winter . Wir sprachen viel über die Münchener Kunstzustände , tauschten unsere Zukunftspläne aus , - ein genialer Mensch , voll Feuer und Phantasie ! - weitgereist und viel erfahren wie wir beide waren , gewohnt , die Dinge von großen Gesichtspunkten zu betrachten , fanden wir uns schnell ; ich stellte ihm noch meine ehemalige Schülerin - im Zeichnen und Modellieren - die nicht weniger geniale Flora Kuglmeier vor , Exhauslehrerin eines weitläufigen Vetters von mir ... « ( hier hüstelte der Sprecher unwillkürlich ein wenig ) » und reiste dann wieder ab . Dringende Aufgaben riefen mich nach München zurück . Ich machte mir überdies nicht übermäßig viel aus Italien ... Ja , ja , Herzen haben ihre Schicksale : Zwerger schien mir das Ewigweibliche etwas von oben herab zu nehmen , schopenhauerisch infiziert , wie mir schien - und jetzt , wie ' s halt jedem beschieden ist , wenn sein Stündlein der Einkehr und der definitiven Entschlüsse geschlagen hat . Ich gönn ' ihm das seltene Glück . « » Von alle dem hat er mir nichts geschrieben . Sein letzter Brief schien mehr eine übermütige Humoreske , worin allerdings der mir bis dahin fremde Name Flora Kuglmeier gar sonderbar gaukelte . Wer ist denn die Dame eigentlich ? « » Fragen Sie vielmehr , Herr Baron , was ist denn die Dame eigentlich , und ich antworte Ihnen : eine Perle ! Ah , Sie schütteln den Kopf ? Ich war auch lange ein sündhaft ungläubiger Thomas . Sie können sich ja denken , ein Künstler , nicht wahr , der Verkehr mit den Modellen , den professionsmäßigen und - den andern ; da kommen die Damen nicht , uns ihre Tugend und Keuschheit anzubieten oder uns mit frommen Bußgedanken zu ködern . Und wir sind ja allzumal Sünder - ich muß Ihnen nur gelegentlich einmal meine intimeren Skizzen zeigen , proh pudor ! - aber ich schwöre Ihnen bei meiner Künstlerehre , bei der kleinen Flora Kuglmeier lernte ich Respekt . « » Das ist allerdings seltsam , « sagte Drillinger in Gedanken und ließ seinen Blick über die prachtvolle Figur des Künstlers gleiten . » Glauben Sie mir , Herr Baron , diese Erfahrung war mir eine wahre Herzstärkung . Zuerst freilich war ich ein wenig beschämt , dann aber jubelte ich auf : Gott sei Dank , es giebt noch reine Frauenherzen und Frauenleiber ! Besonders für einen Künstler ist diese Erfahrung notwendig und dieser Glaube ... Im Keuschen liegt eine göttliche Kraft . Unser Zwerger ist ein seliger Mann . Jetzt ist er geborgen . Jetzt wird er sich auch zum rechten Zielbewußtsein aufschwingen , nachdem sein Leben ein Zentrum in der Liebe gewonnen . Wenn ihm die Umstände nur ein wenig hold sind , wird er mit der Ausführung seiner Isarpläne seine Künstlerlaufbahn krönen . « » Was ist es denn eigentlich mit diesen Isarplänen ? « » Das ist leicht und schwer zu sagen , je nachdem . Im Prinzip handelt es sich darum , diese landschaftlich einzigen Bauplätze an den Isarufern der gemeinen Zinshaus-Bauspekulation zu entreißen und sie einem dem künstlerischen Ruhme Münchens würdigen Zwecke zu weihen . Es gilt da freilich zunächst einen heißen Kampf mit dem barbarischen Mammonismus , der alles phantasievoll Grandiose , sofern es nicht sofort rentierlich im kapitalistischen Sinne , mit Füßen tritt . Und hier soll für die Kunststadt München eine Entscheidungsschlacht geschlagen werden , welche die künstlerische Vorherrschaft Bayerns auf Jahrhunderte hinaus in Deutschland befestigen oder vernichten soll . Ein halbes Dutzend lumpiger Millionen und der königliche Schutz - und die Isarufer bedecken sich nach den Zwergerschen Entwürfen mit Kunstausstellungsbauten , Museen , Galerieen , dazwischen Privathäusern im reichsten Pavillonstil , Gärten , Anlagen , Brunnenwerken , Statuen und so weiter , wie die Welt nichts Ähnliches gesehen ... « Drillinger lächelte : » Millionen und königlicher Schutz ! Unter den bekannten obwaltenden Umständen ! « » Vorerst heißt ' s nur Zeit gewinnen - für die Veränderung der augenblicklichen Umstände . Von heute auf morgen kann ein ungeheurer Wechsel eintreten . Der König ist krank , weltflüchtig , regierungsmüde . Er hat Außerordentliches für das Kunstgewerbe geleistet , ja , man kann sagen , daß er das bayerische Kunstgewerbe geschaffen und auf die gegenwärtige Höhe gebracht hat . Aber jetzt sind seine Mittel erschöpft . Er ist am Ende seiner Kraft . Ultra posse nemo obligatur . Nicht einmal ein König . Lassen Sie die Krone auf ein anderes Haupt übergehen ... In diesem Sommer feiert Münchens Künstler- und Bürgerschaft das Ludwigs - Jubiläum , die Hundertjahrfeier der Geburt Ludwigs I. , des größten Kunstkönigs . Sein zaubermächtiger Geist ist im Wittelsbacherhause noch heute lebendig ; stellen Sie ihn im rechten Mann auf den rechten Fleck und Sie werden Wunder erleben ! « » Ich bewundere ihren kühnen Gedankenflug , obwohl