» seine rechte Hand « , wie er Himmerlich gerne nannte , eine erste Frage zu richten , als das Erscheinen des Rittmeisters alle weiteren Unterhandlungen unmöglich machte . Mit Jürgaß waren die beiden angekündigten Gäste , von Hirschfeldt und von Meerheimb , erschienen , von denen der letztere den linken Arm noch in der Binde trug . Lewin sprach ihnen aus , wie sehr erfreut er sei , sie zu sehen , doppelt , wenn , wie Herr von Jürgaß in Aussicht gestellt habe , sie sich bereit zeigen sollten , durch Mitteilungen aus ihren Tagebuch- und Erinnerungsblättern zu dem gelegentlich etwas matt sprudelnden Quell der Kastalia beizusteuern . Beide Herren verneigten sich , während Jürgaß zwei Manuskripte , deren er sich schon vorher zu versichern gewußt hatte , an Lewin überreichte . Dieser hoffte , noch vor Beginn der Sitzung zu einem einigermaßen eingehenden Gespräche mit den ihm bis dahin persönlich unbekannt gebliebenen Gästen Gelegenheit zu finden ; er war aber kaum über die erste Begrüßung hinaus , als ein abermaliges Klingeln die eben begonnene Unterhaltung unterbrach . Es waren Tubal und Bninski , die eintraten . Lewin erwartete , zwischen dem Grafen und Hirschfeldt , die beide in Spanien , aber auf verschiedenen Seiten gefochten hatten , von Anfang an ein gespanntes Verhältnis eintreten zu sehen ; aber gerade das Unerwartete geschah . Bninski , durch Tubal vorbereitet , wandte sich mit einer Politesse , in der fast mehr noch ein Ton der Herzlichkeit als der bloßer Artigkeit klang , sofort an Hirschfeldt , und wenn auch allerhand Fragen und Unterbrechungen , wie sie namentlich Jürgaß liebte , ein andauerndes Gespräch nicht aufkommen ließen , so verfehlte der Graf doch nicht , durch kleine Aufmerksamkeiten die besonderen Sympathien auszudrücken , die er für seinen Gegner empfand . Infanteriekapitän von Bummcke war der letzte . Jürgaß konnte ihm das nicht schenken und hielt ihm die Uhr entgegen . » Militärs , lieber Bummcke , kennen keine akademischen Viertel . In Sommerzeiten möcht es , in Anbetracht Ihrer besonderen Verhältnisse , hingegangen sein ; aber bei zwölf Grad Kälte kann ich keinem Embonpoint der Welt eine Unpünktlichkeit von beinahe zwanzig Minuten zugute halten . « » Anfangen , anfangen ! « riefen mehrere Stimmen , unter denen die von Rabatzki und Himmerlich deutlich erkennbar waren . Lewin , während Mitglieder und Gäste sich , so gut es ging , um die zwei Tische her gruppierten , klopfte mit einem Zuckerhammer auf und nahm dann selber auf seinem durch ein aufgelegtes Sofakissen zu einer Art Präsidentenstuhl umgewandelten Lehnsessel Platz . Er war kein Meister in der Rede , aber Amt und Situation ließen ihm keine Wahl . » Meine Herren « , hob er an , » ich heiße Sie willkommen . Wir sind leider nicht vollzählig . Unsere beste kritische Kraft ist ausgeblieben : Doktor Saßnitz hat sich brieflich entschuldigt . Dagegen freue ich mich , Ihre Aufmerksamkeit auf eine stattliche Reihe von Vorlagen , darunter auch Drucksachen , hinlenken zu können . Unter diesen Drucksachen stehen diejenigen Publikationen obenan , die von früheren Mitgliedern der Kastalia herrühren . Es sind dies Die Ahnen von Brandenburg , ein epischer Hymnus von Friedrich Graf Kalckreuth , und die vor wenig Tagen erst bei J. E. Hitzig hierselbst erschienenen Dramatischen Dichtungen von Friedrich Baron de la Motte-Fouqué , unter denen sich , neben altnordischen Sachen , auch Die Familie Hallersee und Die Heimkehr des Großen Kurfürsten befinden , die während des vorigen Winters in unserem Kreise zuerst gelesen und mit soviel Jubel aufgenommen wurden . « Hier unterbrach sich Lewin , um die beiden genannten Bücher kursieren zu lassen . Dann fuhr er fort : » An neuen Beiträgen für die heutige Sitzung sind fünf Arbeiten eingegangen , sehr verschieden an Umfang : lyrische oder lyrisch-epische Dichtungen , ferner Tagebuch- und Erinnerungsblätter aus Spanien und Rußland . Es ist Regel , mit den lyrischen Sachen zu beginnen und alles , was dem Gebiete der Erzählung angehört , folgen zu lassen . Ich ersuche Herrn Kandidaten Himmerlich , uns seine , wenn ich recht gesehen habe , aus dem Englischen übersetzten Strophen vorlesen zu wollen . Sie führen den Titel : Der Sabbat . « Mit diesen Worten überreichte Lewin das Blatt . Jürgaß war bei Nennung der Überschrift in ziemlich demonstrativer Weise mit der linken Handfläche über das Kinn gefahren . Himmerlich , in unverkennbarer nervöser Unruhe und eifrig bemüht , das mehrmals eingekniffte Blatt wieder glattzustreichen , wiederholte zunächst : » Der Sabbat , Gedicht von William Wilberforce . « » Ist das derselbe Wilberforce « , fragte Jürgaß , » der den Sklavenhandel abgeschafft hat ? « » Nein , im Gegenteil . « » Nun , er wird ihn doch nicht wieder eingeführt haben ? « » Auch das nicht . Der einen so berühmten Namen führende junge Dichter , mit dem ich Sie heute bekannt machen möchte , ist Fabrikarbeiter . Wenn ich sagte im Gegenteil , so wollte ich damit ausdrücken , daß er selber noch in einer Art von Sklaverei steckt . Ich fühle das Unlogische meiner Wendung und bitte um Entschuldigung . « » Gut , gut , Himmerlich . Nicht immer gleich empfindlich . « » Jede Art von Empfindlichkeit ist mir durchaus fremd . Ich bitte aber , da ich einmal das Wort habe , einige Bemerkungen vorausschicken zu dürfen . Es ist Ihnen allen bekannt , daß die englische Sprache mit kurzen Wörtern überreich gesegnet ist und daß dieselbe , nicht immer , aber oft , in einer einzigen Silbe das zu sagen versteht , wozu wir deren drei gebrauchen . Weibliche Reime , um auch das noch zu bemerken , haben die Engländer so gut wie gar nicht . « » Wie verwerflich ! « » Aus diesen sprachlichen Unterschieden erwachsen Schwierigkeiten , auf die wenigstens kursorisch einzugehen Sie mir gütigst gestatten wollen . « » Nein , lieber Himmerlich , vorbehaltlich präsidieller Entscheidung gütigst nicht gestatten wollen . Ich