zunächst von einem der Matrosen das Sprachrohr bringen . Dann fragte er an , ob man auf dem sinkenden Schiff noch Feuerwerkskörper genug habe , um den Rettungsmannschaften die nötige Beleuchtung zu leisten . Erst als diese Frage bejaht war , wurden die Boote zu Wasser gelassen . Robert sprang allen voran gleich in das vorderste . Er wollte der erste bei der gefährlichen Rettungsarbeit sein und das schwerste dabei selbst tun . Der Stern von San Franzisko lag jetzt back , und das fremde Schiff trieb kaum merklich in einiger Entfernung an seiner Seite . Der Steuermann beobachtete beim Schein der Leuchtkugeln , daß es tiefer und tiefer sank , daß die pumpenden Matrosen mit der Hast der Verzweiflung arbeiteten . Ein stummes , leichtes Kopfschütteln , ein Seufzer deuteten darauf hin , daß es kaum möglich sein werden , alle Schiff brüchigen zu retten . Die Boote wurden von den Wellen wie Nußschalen hin und her geworfen . Es verging eine volle Viertelstunde , bis es dem ersten gelang , an das sinkende Schiff heranzukommen . Jetzt ergab sich ein stummes , grauenhaftes Ringen . Während zwei Matrosen unter Auf bietung aller ihrer Kräfte bemüht waren , das Boot an der niederen Bordwand des Schiffes festzuhalten , wehrte der dritte die Unglücklichen ab , die sich , von Verzweiflung getrieben , fast kopfüber in das zur Rettung bereite Fahrzeug hineinstürzen wollten , und der vierte endlich nahm die zum Übersetzen bestimmten Schiffbrüchigen in Empfang . Ängstliche Rufe begleiteten das abstoßende Boot . Und so wiederholte sich die gleiche Szene noch achtmal . Alle Männer arbeiteten , daß ihnen der Schweiß in Strömen vom Gesicht lief , sie kämpften mit heldenmütiger Ausdauer gegen Wind und Wellen , bezwangen die Erschöpfung ihrer Kräfte und widerstanden den Versuchen der Auswanderer , sich gewaltsam der Boote zu bemächtigen . Sie wurden alle von ihren Kameraden abgelöst , nur Robert nicht , - er ließ keine Müdigkeit an sich herankommen und gab nicht nach , bis die Rettungsversuche abgebrochen werden mußten . Nur zu richtig sollte der Obersteuermann prophezeit haben . Etwa fünfzig Passagiere von dem sinkenden Schiff waren unter Gefahr und Anstrengung an Bord des Stern von San Franzisko gebracht worden , während immer noch über zweihundert Menschen ungeduldig auf ihre Übernahme warteten . Im tiefsten Dunkel der Nacht , unter Klagen , Geschrei , flehentlichen Bitten und Verwünschungen vollzog sich das Rettungswerk . Und dann kam das furchtbare Ende . Die Matrosen an den Pumpen erkannten die Unmöglichkeit , das Wrack noch länger über Wasser zu halten . Sie berieten einen Augenblick lang untereinander , und dann versuchten sie schwimmend den kurzen Weg bis zu dem Bergenfahrer zurückzulegen . Mehr als einer ertrank , mehr als einer kam in der furchtbaren Brandung um , aber was bedeutete das Schicksal dieser einzelnen gegen alle die Unglücklichen , die noch an Bord waren . Zwanzig auf einmal stürzten sich die Männer an die Pumpen , obgleich keine irdische Macht imstande war , das Unglück aufzuhalten . Mit furchtbarer Schnelligkeit sank das Wrack , - nur noch eine Handbreit lag es über dem Wasser . Ganz zuletzt noch drängte sich ein junger Mann an Roberts Boot heran . Bisher hatte er tapfer geholfen , die Frauen und Kinder voranzuschicken , hatte mit vernünftigen Worten die Andrängenden abgewehrt und allen Mut zugesprochen - jetzt dachte er an die eigene Rettung . » Laßt mich hinter eurem Boot schwimmen , Landsleute « , bat er , » ich will niemand einen Platz streitig machen , nur gebt mir ein Tau , daß ich in der Dunkelheit den Weg finde . « Robert wurde aufmerksam . Schon vorher hatte er geglaubt , diese Stimme zu kennen , jetzt aber nur um so mehr . Er konnte in dem vollbesetzten , kaum seiner augenblicklichen Last gewachsenen Boot keinen einzigen Platz mehr vergeben , und doch ergriff ihn die bescheidene , im holsteinischen , heimatlichen Deutsch vorgebrachte Bitte des anderen . » Wirst du dich halten können ? « fragte er mitleidig . » Die See geht hoch , und dann - es sind Haifische hier ! « Der Fremde seufzte . » Fängt mich einer , so ist die Sache zu Ende « , sagte er . » Aber um meiner alten Eltern willen muß ich versuchen , durchzukommen . Nimm mich mit , Landsmann , ich bitte dich . « Robert löste von seinem Körper den Ledergürtel , dessen eines Ende er am Bootsrand in einem Eisenring befestigte und den er kaum noch früh genug dem Fremden zuwerfen konnte , um ihn vor dem plötzlichen Sturz ins Meer zu bewahren . Ein » ich danke dir , Landsmann ! « verhallte in den Schreckensäußerungen der nun folgenden Szene . Die Leuchtkugeln versagten in den feuchten Händen , Dunkelheit umgab das sinkende Schiff , und beinahe zweihundert Menschen gingen mit ihm jammernd und schreiend in die Tiefe . Auf dem » Stern von San Franzisko « begannen jetzt von neuem die Raketen und Leuchtkugeln ihren Dienst . Erst nachdem von seiten des untergegangenen Schiffes in dieser Beziehung nichts mehr getan werden konnte , gab der vorsichtige Steuermann den Befehl , die Feuerwerkskörper an Deck zu holen und abzubrennen . Man besaß also wieder Licht , konnte hier und da noch Schwimmende auf den Wellen erkennen und ins Boot ziehen , um sie auf das überfüllte Schiff zu bringen . Robert taumelte fast , als er seine letzte lebende Fracht abgesetzt hatte und andere Hände das Boot emporzogen . Er sah wie durch eine Art Schleier das Segelmanöver , durch das der » Stern von San Franzisko « wieder vor den Wind gebracht wurde . Das Schiff verfolgte seinen Kurs , nachdem alles getan war , um dem Tod möglichst viele Opfer zu entreißen ; es entfernte sich von der Unglücksstätte , Trümmer und Leichen in seinem Kielwasser zurücklassend . Jetzt ging es selbst einem unsicheren Schicksal entgegen , denn woher sollte man auf der noch bevorstehenden langen Reise