und die See scheint auch immer toller zu werden . Hier ist ein Winkel , wo du mich ein wenig ausruhen lassen mußt , mein Kind . « Sie traten an die Mauer eines kleinen Hauses , aus dessen Fenstern kein Licht schimmerte , das ganz unbewohnt zu sein schien . » Der Erblasserin dieses Hauses habe ich nicht lange vor deiner Ankunft die Grabrede gehalten « , sprach der Pastor . » Ach , es ist nicht immer eine leichte Sache , auf der Hungerpfarre zu Grunzenow zu sitzen ! Eine stattliche , brave Familie wohnte in dieser Hütte - Vater und Mutter und sechs Söhne . Der älteste Sohn ging mit einer Hamburger Brigg an den Galapagosinseln verloren , der zweite ist auf einem englischen Schiff im Opiumkriege von einem chinesischen Pfeil getroffen worden , und der Vater ertrank mit den vier letzten Söhnen im vorigen Jahre im Angesicht des Dorfes . In Stärke und Geduld hat sich , mehr wie jeder andere , der Mann zu wappnen , dem die Wogen des Meeres mit in die Worte rauschen , die er zu den Schiffern und Fischern von seiner Kanzel spricht . Das Volk , das mit dem Pflug und der Sichel auf das Ackerfeld und die Wiese zieht , ist ein anderes als das , welches im zerbrechlichen Boot stets über seinem feuchten Grabe schwebt . Viel Liebe muß der Prediger am Meer beweisen können , und viel vom eigenen Glück muß er verleugnen können für die Hütten um seine Kirche . Es ist nur der heiligste Hunger nach Liebe , der den Menschen für solche Erdstelle stark genug macht . Nun laß uns gehen , mein lieber Sohn . « Hans Unwirrsch legte die Hand an das Gemäuer der unbewohnten Hütte ; er hatte sein Herz dem Fränzchen Götz vermählt ; er vermählte seine Seele jetzt mit dem hungrigen Strand von Grunzenow . » Nun geleite mich heim , und dann geh und schlafe wohl , mein Kind « , sagte Ehrn Tillenius . » es wird die Zeit kommen , wo dich die wildeste Musik der Wasser nicht erweckt . Ich werde dich morgen früh wohl nicht sehen ; so laß uns denn für jetzt Abschied nehmen . Grüße dein Fränzchen auch von dem alten Josias ; bringe es uns bald ; wir wollen ihm eine freundliche Stätte zu bereiten suchen . Es soll sanft ausruhen an dem wilden Strande von Grunzenow . « Einunddreißigstes Kapitel Mit Tagesanbruch hielt der Schlitten auf dem Gutshofe zu Grunzenow . Der Sturm hatte sich gelegt , aber der Schnee lag ziemlich hoch . » Einen angenehmen Weg werdet Ihr nicht haben . « sagte der Oberst von Bullau , seinem Gast die Hand zum Abschied reichend . » Na , Grips und die Gäule wissen , wie sie sich zu benehmen haben . Alles in Ordnung ? Nichts vergessen ? Brennt die Pfeife ? Na , dann in Gottes Namen vorwärts ganze Batterie . Laßt mir nicht allzulang auf Euch warten , junger Schwarzspecht . « Der Leutnant lag so weit als möglich aus dem Fenster schwang seine alte Soldatenmütze und wiederholte in größter Aufregung dem abreisenden Hans eine ganze Reihe von Verhaltungsmaßregeln , die aber alle damit endeten , daß er ihm unnötigerweise befahl , auf sein Mädchen zu achten wie auf seinen Augapfel . » Fahr zu und mach ein Ende daran ! « schrie der Oberst . » Ein Vivat fürs Fränzchen - und abermals - und nochmals - hoch ! « Sämtliche Gutsleute schrien mit , und sämtliche Hunde erhoben ihre Stimme . Der Schlitten klingelte aus dem Hoftor und bog ein auf den Weg nach Freudenstadt ; nicht die Kälte des Wintermorgens allein war ' s , was die Tränen in das Auge des Kandidaten lockte . Er hatte seit so langen Jahren keine rechte Heimat gehabt , nun war eine solche für ihn gefunden - es war kein Wunder , daß sein Herz sich heftig bewegte , als der Turm von Grunzenow hinter den Dünenhügeln verschwand , als die Stimme der See allmählich schwächer und schwächer wurde und zuletzt ganz verhallte und Grips , der Schlitten und die beiden schwarzen Gäule für jetzt von dem Zauberschloß am Meer allein übriggeblieben waren . - Wir wollen die Reise des Kandidaten dieses Mal nicht beschreiben . Sie war beschwerlich genug , und mancherlei Hindernisse versperrten den Weg zu der nächsten Eisenbahnstation hinter Freudenstadt . Hier war die Straße durch den Schneefall unfahrbar gemacht , dort zerbrach ein Rad des Postwagens , und erst am Abend des zweiten Reisetages bekam Hans Unwirrsch die feurige Dunstwolke über der großen Stadt von neuem zu Gesicht . Als der Zug in der Halle hielt , die Lokomotive zischend ihre Dämpfe ausgespien hatte und Hans aus dem Gedränge der Reisenden seinen Weg ins Freie gefunden hatte , war es zu spät , um an dem heutigen Tage noch einen Besuch in dem Hause der Geheimen Rätin Götz abzustatten und das verzauberte Kind aus dem Drachenloch herauszuholen . Mit der Reisetasche über der Schulter lief aber der Kandidat durch den verschneiten Park und an dem Hause vorüber . Es hatte kein Zauberer aus dem Lande Afrika die Wunderlampe gerieben und dem Genius der Lampe befohlen , das Gebäude mit der schönen Prinzessin aufzunehmen und in der Mandschurei niederzusetzen . Das Haus stand noch auf dem alten Fleck , aber nicht ein Fenster daran war erleuchtet ; es war , als ob mit dem Herrn der letzte Schimmer von irgendwelcher Lebendigkeit ausgelöscht sei ; es fror den Kandidaten Unwirrsch , und beinahe hätte er doch noch die Glocke gezogen , um das arme Fränzchen auf der Stelle dem dunklen Gebäude und der Frau Tante abzuverlangen . Er bezwang sich jedoch , und bald befand er sich mitten in dem Getümmel der Stadt , auf dem Wege nach seiner Wohnung in der Grinsegasse . Abermals setzte er durch sein plötzliches Erscheinen seine Wirtin in das größte Erstaunen , aber frei von Wäsche