gejagt zu werden , ersparen , guter Freund , sagte Albert ; und deshalb selber gehen . Was Sie anbetrifft Frau Baronin , so sprechen wir uns in kurzer Zeit wieder , aber aus einem andern Ton ; und was Sie angeht , junger Mensch , so möchte ich Ihnen den guten Rath geben , sich künftig nicht in Angelegenheiten zu mischen , die Sie trotz der pompösen Airs , die Sie sich geben , durchaus nichts angehen . Der Fürst machte eine Bewegung nach seiner linken Seite hin . Glücklicherweise hatte er den Degen im Vorzimmer abgelegt . Albert aber wartete weitere Entschließungen des Schwergereizten nicht ab , sondern verließ mit einer spöttischen Verbeugung das Gemach . Der Fürst sah ganz verblüfft drein , die Baronin blickte verlegen zu Boden . So etwas könnte bei uns in Rußland nicht vorkommen , sagte der Fürst . Ich bedaure , daß Sie der Zufall zum Zeugen einer so unangenehmen Scene gemacht hat , sagte die Baronin . In diesem Augenblick kam der Bediente schreckensbleich wieder in ' s Zimmer gestürzt und rief athemlos : Gnädige Frau , kommen Sie geschwind , der gnädige Herr liegt im Sterben ! Oh mon Dieu ! rief die Baronin . Wo ist meine Tochter ? Fassung , Madame , Fassung ! sagte der Fürst . Ertragen Sie , was ertragen werden muß ! Wollen Sie sich auf meinen Arm stützen ? Sie da , leuchten Sie uns ! Sechsunddreißigstes Capitel Um dieselbe Zeit waren in der Conditorei neben der Hauptwache am Markt - der Versammlungsorte der Grünwalder jeunesse dorée - zwei Herren eifrig am Billardtische . Die beiden Herren waren von Barnewitz und von Cloten . Von Cloten , welcher in allen Künsten sich auszeichnete , die keinen guten Kopf , sondern nur ein scharfes Auge und eine sichere Hand erfordern , hatte seinem Gegner alle Partien abgenommen und war in einer ebenso vortrefflichen Stimmung , als der Andere ärgerlich drein schaute . Noch eine , Barnewitz ? sagte Cloten triumphirend , als er eben die zwölfte Partie mit einem glänzenden Ball beendigt hatte . Danke ! sagte Barnewitz , seine Queue auf das Billard werfend ; bin heute nicht in der rechten Stimmung ; kann überhaupt bei dem verdammten Zwielicht nicht gut spielen . Wollen uns die Lampen anstecken lassen . Nein , danke ! ein andermal ! Kannst mir morgen Vormittag Revanche geben . Cloten legte jetzt seine Queue ebenfalls hin , trat vor den Spiegel und drehte sich den blonden Schnurrbart , während Barnewitz sich auf ein Sopha warf und gähnte . ' S ist verdammt langweilig , sagte er ; man weis doch bei Gott nicht , wie man den Nachmittag hinbringen soll . Wollen spazieren gehen . Bei der Hundekälte ? Partie Piquet ? Ist auch langweilig . ' ne Flasche Rothspon ? Geht schon eher . Ernst ! eine Flasche Pichon und Licht ! der Kellner brachte das Verlangte . Cloten warf sich Barnewitz gegenüber in einen Lehnstuhl und streckte die Beine von sich . Nun ? Nun ? Weißt du nichts ? Nein ; Du ? Nein . Eine lange Pause trat ein , während derer die Herren schweigend ihrer Wein schlürften und ihre Cigarren rauchten . Wie geht ' s deiner Frau , Cloten ? fragte von Barnewitz plötzlich . Danke gut ; weshalb ? erwiderte Cloten , über diese brüske Frage nicht wenig verwundert . Nun , man wird doch nach Deiner Frau fragen dürfen ; aber ist auch das nicht einmal erlaubt ? Allerdings , aber wie kommst Du darauf ? Weil sie in den letzten Tagen so außerordentlich liebenswürdig war . Ist das etwas so Merkwürdiges ? fragte Cloten , nicht ohne einige Verlegenheit seinen Schnurrbart drehend . Gewiß ; denn sie hatte die Zeit vorher Alle , Dich nicht ausgenommen , so schauderhaft tractirt , daß man über diesen plötzlichen Wechsel einigermaßen erstaunt sein durfte . Uebrigens ist ' s nicht mir allein aufgefallen , alle Welt spricht darüber . Die Wellt sollte sich doch nur an ihre eigene Nase fassen , sagte Cloten , mir vor Aerger zitternder Hand sein Glas füllend . Gewiß ; aber sie thut ' s nun einmal nicht . Der Teufel soll sie holen . Meinetwegen ; aber wenn Du lieber von etwas Anderem sprechen willst , wir ist ' s recht . Ich dachte nur , daß ich , als Dein ältester Freund , die Pflicht hätte , Dich auf gewisse Dinge aufmerksam zu machen . Nun , so komm endlich einmal heraus mit der Sprache , was soll ' s was giebt ' s ? Ich werde mich wohl hüten , wenn Du bei dem ersten Worte schon in eine so verteufelte Aufregung geräthst . Ich bin nicht aufgeregt , rief Cloten und stieß sein Glas auf den Tisch , daß der Fuß abbrach und der Wein auf die Platte strömte . Du bist ein wunderlicher Mensch , sagte Barnewitz . Warte doch , bis Du Ursache hast , Dich zu ereisern . Was ist ' s denn bis jetzt ? Man erzählt sich , daß Ihr nicht gerade Seide mit einander spinnt , daß Deine Frau ihre eigenen Wege geht , daß Ihr Euch manchmal zankt , und so weiter ! Wer erzählt sich das ? Alle Welt . Und was glaubst Du davon ? Barnewitz zuckte die Achseln . Ich möchte Dir nicht gern weh thun , Arthur ; aber leugnen kann ich ' s nicht , daß mir das Betragen Deiner Frau höchst verdächtig vorkommt . Es scheint mir , wie so ziemlich unserem ganzen Kreise unzweifelhaft , daß sie irgend ein Verhältniß hat , und ich glaube auch , daß ich in Beziehung auf die Person die richtige Fährte habe . Ich beschwöre Dich , daß Du mir Alles sagst , was Du weißt , sagte Cloten mit pathetischer Geberde . Erinnerst Du Dich der Gesellschaft , die ich im Sommer gab ? Aber , was solltest Du nicht ; wir