Ezechiel ' s zu erkennen . So viel war ihm klar geworden durch Alles , was er im Lauf der Zeit an sich selbst erfahren hatte , daß der Jude ein Vertrauter Streitberg ' s , und daß es nur dadurch Rachel möglich gewesen war , ihm alle die Nachrichten und Warnungen zukommen zu lassen , die er , um Unglück oder Unrecht zu verhüten , von ihr empfangen hatte . Wenn er so Alles überdachte , fiel es ihm plötzlich schwer auf ' s Gewissen , daß er den Edelsinn in ihr , der sie immer angetrieben hatte Unglück zu verhindern , durch nichts bestärkt oder belohnt , daß er sie immer von sich fern gehalten hatte und fast nur rauhe Worte für sie gehabt , weil sie eine Jüdin und weil sie ein Weib war . Hätte er nicht das Gefühl in ihr , das sie immer wieder zu ihm trieb , als dem einzigen Menschen , zu dem sie das Vertrauen faßte : er werde bereit sein die Unschuld und die Wehrlosen zu beschützen wie und wo es auch sei - hätte er das nicht unterstützen und pflegen müssen , ihr nicht sagen , daß es ihm scheine , als sei sie in der That und im Herzen eine Christin ; hätte er nicht Alles thun müssen , sie vom Fluch des Judenthums zu erlösen und sie für das Christenthum zu gewinnen ? Hatte er , indem er sie mied , nicht nur sich im Auge gehabt , nicht sein Gelübde , sondern nur den Schein es zu bewahren . Was war es denn weiter , wenn er auch einmal in das Judenviertel ging ? War es nicht auch klug , wenn er jetzt Ezechiel unter dem Vorwand aufsuchte , daß er ihm die im Kloster geliehenen Kleider bezahlen wolle , da sie der Eigenthümer nicht zurückbringe , obwohl der Jude damals alle Bezahlung verweigert hatte . Konnte er nicht durch dies Anerbieten selbst Ezechiel irre machen in seinen Voraussetzungen , oder ihm doch zeigen , daß er ihn nicht fürchte ? In der Judengasse war die Wohnung Ezechiel ' s leicht zu erfragen und auch im Dunkeln zu finden , als der in einen langen Mantel gehüllte Baubruder durch dieselbe schritt . Ein matter Lichtschimmer brach durch ein Fenster des obern Stockes . Ulrich tappte die finstere Treppe hinauf und stand vor einer kleinen Thür . Es schien sich nichts dahinter zu regen , er lauschte und pochte . Er rief : » Ezechiel ! « Nichts antwortete , aber es war Ulrich , als ob er leise Schritte zur Thür gehen hörte . » Ezechiel oder Rachel ! « rief er noch einmal , » wer ist daheim ? « » Gott meiner Väter ! « rief drinnen Rachel ' s Stimme , » ich täusche mich nicht - Ihr seid es , Ulrich von Straßburg . « » Ich bin es ! « antwortete Ulrich , » und ich hoffe , daß Ihr mir öffnen werdet , damit ich mit Euch sprechen kann . « » Das kann ich nicht ! « antwortete sie ; » der Vater hat mich eingeschlossen - aber seid Ihr allein ? « » Ganz allein ! « » So hört uns Niemand . O , Euch sendet der Himmel ! Mein Vater läßt mich nicht mehr aus dem Hause - aber laßt Euch nicht von ihm hier treffen ! « rief sie angstvoll . » Warum ? « versetzte er ; » ich komme seinetwegen , meine Schuld ihm zu bezahlen . « » O das ist längst abgemacht ! « fiel sie ihm in ' s Wort ; » es bleibt jetzt keine Zeit davon zu reden , auch nicht von dem Dank , den ich Euch schulde und mein ganzes Volk , daß Ihr auf mich gehört - aber der , dem Ihr damals fortgeholfen , ist ein Undankbarer . « » Was sagst Du ? « » Er hat Euch an Streitberg verrathen , ich sah ihn selbst auf Weyspriach ' s Schloß ; aber ich erfuhr den Zusammenhang erst , als ich fort war und nachdem ich schon bei Euch gewesen . « » Diesmal kommt Deine Warnung zu spät ! « antwortete Ulrich . » Zu spät - war mein Vater schon bei Euch ? « » Kürzlich ? - nein ! « » Er schweigt noch - aber er will sein Schweigen von Euch damit erkaufen , daß Ihr ihm den Ring von Frau Elisabeth wieder verschafft . Ihr hab ' t ihr jetzt einen großen Dienst geleistet - sie wird und muß es thun ! « sagte Rachel . » Nie werde ich etwas von ihr verlangen , « sagte Ulrich stolz , » am wenigsten etwas Schmachvolles ! « » Nicht um Euretwillen , wenn Ihr an Euch nicht denkt - den Propst , Hieronymus , Konrad - Ihr werdet sie Alle mit Euch verderben sehen ! « Ulrich fühlte ein Schwert in seiner Brust , aber es war kein Schwert des Kampfes , sondern des Gerichts . » Ich weiß , was ich zu thun habe , « antwortete er ; » ein Christ weiß es immer - er nimmt die Schuld allein auf sich , wie es sein erhabener Meister mit der Schuld der ganzen Menschheit that . Sieh ' , ich kam zu Dir , um mit Dir von dem Christenthum zu sprechen . « Eine lange Pause folgte . Dann antwortete Rachel dumpf : » Geh ' t , ich habe weiter nichts mehr mit Euch zu reden - wir sind fertig . Ihr seid hier auch nicht sicher - geh ' t. « Ulrich wartete noch einige Minuten , rief noch einmal hinein , aber es erfolgte keine Antwort mehr . Er ging . Was ihm Rachel gesagt , erfüllte sich am andern Tage . Ezechiel kam zu ihm , aber er wußte nichts davon , wie es schien , daß Ulrich Tags zuvor in