Kinder , gleichviel welchen Geschlechts , katholisch werden ! Fühlt ihr uns denn die tiefe Verpflichtung nicht nach , die wir haben , gleichsam aus dem katholischen Dasein erst das wirkliche menschliche Leben überhaupt zu machen und das blos natürliche , thierische , irdische , unerlöste , durch Christi und der Märtyrer Blut nicht erkaufte Leben aufzuheben ! Menschen , was ist denn die Weihe ! Fühlt ihr denn nicht , daß in unsern heiligen Handlungen Consequenzen liegen , die , gleichviel ob berechtigt oder nicht , mathematische Beweiskraft für uns haben ! Für uns ! Gerade für uns ! ... Da unser College Bennrath , unterbrach er sich , hat einem Protestanten das Begräbniß auf dem Friedhof von Nennhofen verweigert und ihn hierher auf den protestantischen schaffen lassen ... Zu meinem äußersten Entsetzen ! warf der Dechanatsverweser dazwischen . Es war aber eine That ! rief Hunnius . Eine That , die Bennrath von Nennhofen in das Buch der Bekenner schreibt ! Wo ist gesagt , daß eine Ausweisung von der geweihten Erde unserer Kirche nur vom Standpunkte des reinen Menschenthums zu fassen ist ? Menschenthum ! Seid ihr Christen ? Nicht einmal Juden sprechen vom Menschenthum ! Mensch ist dem Juden Goim , Heide ! Auch die Juden leben nur in der Ordnung und Harmonie geoffenbarter Zustände ! Ein Gottesacker hat nach unserer Lehre eine Segnung empfangen , die ihn zu einer Gemeinde macht , wo sogar die Todten den Herrn lobpreisen , sogar die Todten im Chore stehen und , wenn nicht früher , doch am Auferstehungstage um einen dann errichteten Altar wandeln werden , an dem ein anderes Bekenntniß nicht theilhaben kann und mag es selbst ein solches sein , dem nicht die ewige Verdammniß zuzusprechen ist . Wie ist das so leicht gesagt : Intoleranz ! Werdet ihr auf euern Bällen Gäste haben wollen , die ihr nicht einludet ? Werdet ihr an euern eigenen Altartischen Andersgläubige dulden ? Die katholische Kirche will ja nur bei den Todten wie bei den Lebenden » unter sich « sein ! Oder hört euch die Religion mit dem Begräbniß auf ? Sprecht ! donnerte Hunnius hinterher , gerade wie in seiner Kirche , wo er natürlich Schweigen voraussetzte . Bennrath von Nennhofen griff den Faden auf und führte ihn weiter . Was erleben wir nicht alles in unserer nächsten Nähe ! sagte er mit gemäßigterm Tone , aber nicht minder sicher und spitz und scharf . Ich will davon nicht sprechen , daß nun draußen wieder unsere eigenen Landeskinder und Mitbrüder mit dem bunten Rock , den sie eben tragen , ganz das Kleid ihrer Heimat , ihrer Familie , ihres Glaubens ausziehen und in die Gemeinschaft des großen protestantischen Ganzen treten müssen , ich möchte sagen , wie die Polen , die russisch commandirt werden ! Ich sehe diese Offiziere wieder , diese Enckefuß und andere uns wohlbekannte Söhne von Beamten oder Offizieren ! Es wird noch die Zeit kommen , wo diese armen Seelen in die ketzerischen Garnisonskirchen commandirt werden , zunächst nur anstandshalber , weil ein Austreten aus Reih und Glied militärisch zu auffallend wäre ! Ich sehe sie auf den Bänken , wo ihnen die Divisionsprediger das Licht ihres sogenannten Evangeliums aufstecken werden , dies Lichtstümpfchen , das die in Goldschnitt gebundene neue Agende des Landesvaters beleuchtet ! Wo man hinblickt , irgendein Schmerz für unsere liebevolle Mutter , die Kirche ! In unserer ganzen Armee gibt es keinen einzigen General unsers Glaubens ; ich kenne nur einen einzigen katholischen Obersten , es ist ein englischer hier in unserer , Nähe ! Zu höhern militärischen Graden gelangen unsere Brüder und Verwandte nicht ! Nicht minder in der Bureaukratie ! Und welche Macchiavellismen ! Weil sie auf unsere menschliche Schwäche rechnen , werden überall gleichsam Preise ausgestellt für die , welche sich gefügig zeigen ! Ist eine Pfründe einträglicherer Art erledigt , so läßt man ihre Besetzung monate- , ja jahrelang anstehen , um den Wetteifer dafür zu entzünden , daß man sie sich durch die Gesinnung erobere ! Ist es dann wol ein Wunder , daß wir ganz durchwühlt sind von der wie die bunten Adern durch ein Marmelgestein sich hinziehenden Protestantisirung ? Die Beamten heirathen unsere Schwestern , Nichten , die Töchter unserer Angehörigen ! Wo eine reiche Hand zu vergeben ist , gewinnt sie sich einer von drüben . Selbst in der Residenz des Kirchenfürsten ist der Schwager unsers hochherzigen , scharfsinnigen kanonischen Streiters , des Herrn Dominicus Nück , ein Protestant und wird , wie Pater Sebastus dort uns berichtet , infolge seiner gemischten Ehe demnächst eine Tochter im hochmögenden Piter Kattendyk ' schen Hause bestimmen , protestantisch taufen zu lassen ! Ja selbst von dem heiligen Lande Oesterreich , einem Lande , das mehr als Würtemberg verdient sich Gottes Augapfel zu nennen , muß unserer rechtgläubigsten Provinz drüben das Geschick drohen , die reichsten Länder , die Besitzungen der Dorste-Camphausen , an die protestantische Linie der Salem-Camphausen übergehen zu sehen ! Was bleibt uns übrig ? Gewalt gegen Gewalt ! Dies Wort lehnte man ab . Ein Kaplan warf ein : Unsere Gewalt ist nur das Wort ! Das Wort war bei Gott und Gott ist das Wort ! rief Hunnius . Es ist der Geist , die Gesinnung und deren öffentliche Bewähr ! Erheben wir uns aus unserer Schlaffheit ! Ziehen wir den Harnisch des Glaubens an ! Seien wir gerüstet und verschmähen wir selbst die kleinere Waffe nicht ! Bedrängte Belagerte greifen zu allem , was helfen kann ! Ich empfehle Ihnen jetzt die Vorschläge , die Pater Sebastus uns aus den nähern Umgebungen des Kirchenfürsten bringt ! Nur diejenigen beobachteten unausgesetzt den schweigsamen Franciscanermönch , die mit ihm heute noch nicht an der Tafel des Dechanten zusammengetroffen waren . Er ergriff auch jetzt noch nicht das Wort , sondern hielt den geschorenen röthlichen , wunderlich geformten , mit Schrammen und Narben bedeckten Kopf in die Hand gestützt und ließ statt seiner seine eigenthümlich hellen , fast schwimmenden