, wurde ich unfreiwillig der Zeuge einiger Worte , welche Mathilde an meinen Gastfreund richtete , und welche offenbar nur für diesen allein bestimmt waren . Ich zeichnete in einer Stube des Erdgeschosses ein Fenstergitter . Das Erdgeschoß des Hauses hatte lauter eiserne Fenstergitter . Diese waren aber nicht jene großstäbigen Gitter , wie man sie an vielen Häusern und auch an Gefängnissen anbringt , sondern sie waren sanft geschweift , und hatten oben und unten eine flache Wölbung , die mitten gleichsam wie in einen Schlußstein in eine schöne Rose zusammenlief . Diese Rose war von vorzüglich leichter Arbeit , und war ihrem Vorbilde treuer , als ich irgendwo in Eisen gesehen hatte . Außerdem war das ganze Gitter in zierlicher Art zusammengestellt , und die Stäbe hatten nebst der Schlußrose noch manche andere bedeutsame Verzierungen . Es war fast gegen Abend , als ich mich in einer Stube des Erdgeschosses , deren Fenster auf die Rosen hinausgingen , befand , um mir vorläufig die ganze Gestalt des Gitters , die außen zu sehr von den Rosen verdeckt war , zu entwerfen . Die einzelnen Verzierungen , deren Hauptentwicklung nach außen ging , wollte ich mir später einmal von dorther zeichnen . Da ich in meine Arbeit vertieft war , dunkelte es vor dem Fenster , wie wenn die Laubblätter vor demselben von einem Schatten bedeckt würden . Da ich genauer hinsah , erkannte ich , daß jemand vor dem Fenster stehe , den ich aber der dichten Ranken willen nicht erkennen konnte . In diesem Augenblicke ertönte durch das geöffnete Fenster klar und deutlich Mathildens Stimme , die sagte : » Wie diese Rosen abgeblüht sind , so ist unser Glück abgeblüht . « Ihr antwortete die Stimme meines Gastfreundes , welche sagte : » Es ist nicht abgeblüht , es hat nur eine andere Gestalt . « Ich stand auf , entfernte mich von dem Fenster und ging in die Mitte des Zimmers , um von dem weiteren Verlaufe des Gespräches nicht mehr zu vernehmen . Da ich ferner überlegt hatte , daß es nicht geziemend sei , wenn mein Gastfreund und Mathilde später erführen , daß ich zu der Zeit , als sie ein Gespräch vor dem Fenster geführt hatten , in der Stube gewesen sei , der jenes Fenster angehörte , so entfernte ich mich auch aus derselben und ging in den Garten . Da ich nach einer Zeit meinen Gastfreund , Mathilden , Natalie und Gustav gegen den großen Kirschbaum zugehen sah , begab ich mich wieder in die Stube und holte mir meine Zeichnungsgeräte , die ich dort liegen gelassen hatte ; denn der Abend war mittlerweile so dunkel geworden , daß ich zum Weiterzeichnen nicht mehr sehen konnte . Als die Rosenblüte gänzlich vorüber war , beschlossen wir , uns auch eine Zeit in dem Sternenhofe aufzuhalten . Da wir den Hügel zu ihm hinan fuhren , sah ich , daß Gerüste an dem Mauerwerke aufgeschlagen waren , und als wir uns genähert hatten , erkannte ich , daß die Arbeiter , die sich auf den Gerüsten befanden , damit beschäftigt waren , die Tünche von den breiten Steinen , welche an die Oberfläche der Mauern gingen , abzunehmen und die Steine zu reinigen . Man hatte vorher an einem abgelegenen Teile des Hauses einen Versuch gemacht , welcher sich bewährte , und welcher dartat , daß das Haus ohne Tünche viel schöner aussehen werde . In dem Sternenhofe wurde ich so freundlich behandelt wie in der früheren Zeit , ja wenn ich meinem Gefühle trauen durfte , und wenn man so feine Unterscheidungen machen darf , noch freundlicher als früher . Mathilde zeigte mir selber alles , von dem sie glaubte , daß es mir von einigem Werte sein könnte , und erklärte mir bei diesem Vorgange alles , von dem sie glaubte , daß es einer Erklärung bedürfen könnte . Während dieses meines Aufenthaltes erfuhr ich auch , daß Mathilde das Schloß von einem vornehmen Manne gekauft hatte , der selten auf demselben gewesen war und es ziemlich vernachlässigt hatte . Vor ihm war es im Besitze einer Verwandten gewesen , deren Großvater es gekauft hatte . In der Zeit vorher war ein häufiger Wechsel der Eigentümer gewesen , und das Gut war sehr herab gekommen . Mathilde fing damit an , daß sie die zum Schlosse gehörigen Untertanen , welche Zehnte und Gaben in dasselbe zu entrichten hatten , gegen ein vereinbartes Entgelt für alle Zeiten von ihren Pflichten entband und sie zu unbeschränkten Eigentümern auf ihrem Grunde machte . Das zweite , was sie tat , bestand darin , daß sie die Liegenschaften des Schlosses selber zu bewirtschaften begann , daß sie einen geschlossenen Hausstand von Gesinde und ihrer eigenen Familie begründete und mit diesem Hausstande lebte . Sie richtete den Meierhof zurecht , und brachte mit Hilfe tätiger Leute , die sie aufnahm , die Felder , die Wiesen und Wälder in einen besseren Stand . Die schönen Zeilen von Obstbäumen , welche durch die Fluren liefen , und die mir bei meinem ersten Aufenthalte schon so sehr gefallen hatten , waren von ihr selber gepflanzt , und wenn sie gute , selbst ziemlich erwachsene Obstbäume irgendwo erhalten konnte , so scheute sie nicht die Zeit und den Aufwand , sie bringen und auf ihren Grund setzen zu lassen . Da die Nachbarn dieses Verfahren allmählich nachahmten , so erhielt die Gegend das eigentümliche und wohlgefällige Ansehen , das sie von den umliegenden Ländereien unterschied . Die Gemälde , welche sich in den Wohnzimmern Mathildens und Nataliens befanden , hatten nach meiner Meinung im ganzen genommen zwar nicht den Wert wie die im Asperhofe , aber es waren manche darunter , welche mir nach meinen jetzigen Ansichten mit der größten Meisterschaft gemacht schienen . Ich sagte die Sache meinem Gastfreunde , er bestättigte sie und zeigte mir Gemälde von Tizian , Guido Reni , Paul Veronese , Van Dyck und Holbein . Unbedeutende oder gar schlechte Bilder